Wie schützten die Holzknechte ihre Habseligkeiten vor den Mäusen.

 

Um dies zu hinterfragen habe ich einen alten Holzknecht in der Lanau, einem Ortsteil von der Gemeinde Mürzsteg aufgesucht. Mürzsteg liegt in der Steiermark und ist als „Sommerurlaubsort“ der österreichischen Bundespräsidenten in aller Munde bekannt.

Mürzsteg hat ja schon viele vornehme und adelige Damen und Herrn beherbergt. Darunter waren der russische Zar Nikolaus II, Kaiser Wilhelm II, nur um einige dieser Herrschaften namentlich zu nennen. Diese Berühmtheit hat Mürzsteg einzig und alleine unserem Kaiser Franz Josef I zu verdanken, denn dieser ließ um das Jahre 1870 ein stattliches Jagdschloss mitten im Zentrum errichten. Zentrum ist vielleicht nicht ganz richtig. Die Reihenfolge kommt aber recht gut hin. Jagdschloss – Schule – Gemeinde – Friedhof auf der einen Seite. Fußballplatz – Kirche – Krämerladen – Gasthaus – Post auf der anderen Seite. Nicht zu vergessen die zahlreichen freundlichen Menschen, welche diese schöne Gemeinde bewohnen.

 

Jetzt aber genug des kleinen geschichtlichen Rückblickes. Nun wieder zurück zu den damalige Holzknechten.

Holzknecht war ja kein gemütlicher Beruf. Es war eine harte Knochenarbeit, welche so mancher „Knecht“ mit dem Leben bezahlen musste. Ich weiß das, denn mein Großvater war ja selber Rottmeister und rackerte sich tagtäglich ab. Es blieb ja nicht nur die Arbeit im Holz zu verrichten. Nein, zu Hause wartete das Vieh im Stall. Das heißt im Klartext. Holzknechte mit Vieh im Stall mussten jeden Tag nach Hause eilen. Mitunter war es ein langer Weg. Außerdem wurden die Wiesen noch von Hand gemäht. Ohne Zusammenhalt der ganzen Familie wäre da wohl nichts gelaufen. Dies galt aber nicht nur für unsere Familie. Auch unsere Nachbarn mussten fest zusammen halten. (Zusammenhalt ist ja heute in manch einer Familie schon ein Fremdwort)

Liebe Leser.

Stellen sie sich vor. Diese schwer arbeitenden Menschen hatten noch Zeit für einen gesunden Humor, obwohl es keine 38,5 Stundenwoche gab.

 

 

Holzknechte und Mäuse.

Die Bilder stammen alle aus der Lanauer Holzknechthütte, welche nach dem Baustiel der damaligen Holzknechte nachgebaut wurde. Die Aufnahmen mögen dem Betrachter vielleicht einen romantischen Anblick erscheinen lassen, aber von Romantik war zur damaligen Zeit weit und breit keine Spur.

 

 

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Wieland Hans.

Der langjährige Holzknecht erzählt, wie man sich vor einem Mäusebesuch im Wald schützte.

 

 

 

 

 

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Hans sitzt hier vor der Holzknechthütte.

Die beiden Fenster dienen zur Verschönerung. Sie waren in der damaligen Zeit nicht üblich.

Die dreieckige Öffnung oben beim Giebel diente aber damals als Rauchabzug.

Zum Kochen wurde ein offenes Feuer im inneren der Hütte angefacht.

 

 

 

 

 

 

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Nahansicht.

Die äußere „Hülle“ der Hütte ist mit Rinde verkleidet.

Bei alten Holzknechthütten war dies auch im Innenteil der Fall.

Damit der Innenraum bei dieser Hütte lockerer erscheint, wurden hierbei einfache Bretter verwendet.

Der Raum soll ja den Besucher nicht „erdrücken“.

 

 

 

 

 

 

 

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Im Innenraum der Hütte.

Die Gebrauchsgegenstände werden von Hans erklärt.

Die Teigschüssel und der Teigstoßer.

Diese Schüssel wurde meistens aus Ahorn oder Esche gefertigt.

Der Stoßer ist geschmiedet und hat einen Holzgriff.

Er wurde allerdings nur in der Blechpfanne zum Teig zerstoßen verwendet.

 

 

 

 

 

 

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Diese Schüssel wurde nach dem Gebrauch nicht ausgewaschen sondern ausgeklopft.

Hans hat sie mäusesicher an die Wand gehängt. Jeder Holzknecht hatte dazu seinen eigenen Platz.

In der Holzschüssel wurde Mehl, siedendes Wasser und Salz zu einem Teig gerührt.

In der Regel wurden Spotzn, Sterz und in ganz selten Fällen Polenta darinnen zubereitet.

 

 

 

 

 

 

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Die mäusesichere Holzknechtschüssel.

 

 

 

 

 

 

 

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Der Pfannenfuchs.

Dieses geschmiedet Gestell diente zum Aufhängen der Blechpfannen.

Zum Teil wurde der Pannenfuchs auch aus einem Holz gespalten. Dies war aber selten der Fall.

 

 

 

 

 

 

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Nahansicht.

 

 

 

 

 

 

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Der Pfannenfuchs wurde in der Regel recht hoch eingeschlagen.

Somit konnte man sich bei den eingehängten Pfannen nicht den Kopf anschlagen.

 

 

 

 

 

 

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Die Blechpfannen wurden beim Pfannenfuchs immer umgekehrt eingehängt.

Somit konnte keine Maus in den Innenraum der Pfanne klettern und sich an den Teigresten vergnügen.

Auch diese geschmiedeten Pfannen wurden nach dem Gebrauch nie ausgewaschen.

Der Teig wurde in der Blechpfanne mit Schweineschmalz zubereitet und zerstoßen.

 

 

 

 

 

 

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Hans erzählt.

Jeder „Holzknecht – Neuling“ hat seine Blechpfanne nur ein einziges Mal herunten auf dem Boden stehen gelassen.

Abends bei der Rückkehr der Holzknechte war in der „vergessenen“ Pfanne bereits ein Mäusekot anzufinden.

 

 

 

 

 

 

 

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Das Koststöckel.

Jeder Holzknecht verfügte über so eine oder ähnliche Truhe zum Aufbewahren seiner Vorräte.

In dieser Kiste befanden sich Mehl, Salz, Zucker, Gries und eventuell Polenta.

Dieses Koststöckel wurde mit einem Hacken in die Höhe an der Wand ectr. gehängt. Somit wurde die Truhe mäusesicher.

Auf dem Boden wäre die Kiste von den Mäusen schnell durchnagt geworden.

 

 

 

 

 

 

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Nahansicht.

Die Kiste wurde auch zum Sitzen und als Tisch zum Kartenspielen verwendet.

 

 

 

 

 

 

 

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Die Feuerstätte in der Holzknechthütte für die Zubereitung der Kost.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Bettstatt der Holzknechte.

Als „Matratze“ dienten hierbei Fichtenzweige mit Nadeln.

Dies hatte seinen guten Grund. Die Mäuse konnten sich hierbei nicht so leicht einnisten.

Das Fichtenreisig war bei den Mäusen nicht beliebt, da es recht „gestochen“ hat.

 

 

 

 

 

 

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Auf das Fichtenreisig wurden leere Jutesäcke oder Heutücher gelegt.

Somit war das Bett fertig. Zum Zudecken verwendete man einfache Felddecken.

Vielfach schliefen die Holzknechte ja ohnehin mit der gesamten Kleidung.

Man war in der damaligen Zeit nicht so verwöhnt und verweichlicht, so wie es heute oft der Fall ist.

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Blick auf das Dach der Holzknechthütte.

Die Bauweise war recht stabil.

Solch eine Hütte wurde damals von den Holzfällern in wenigen Tagen aufgestellt.

Es schliefen zum Teil über zehn Mann darinnen.

 

 

 

 

 

 

Neben dieser Hütte befindet sich noch das Holzknechtmuseum von der Lanau.

Die Führungen werden von keinem besseren Kenner als Herr Wieland Hans durchgeführt. Ich habe ihn mit Fragen überhäuft und er ist mir keine einzige Antwort schuldig geblieben.

 

 

 

Als Anhang füge ich noch ein paar originale Bilder aus der „guten alten Zeit“ ein.

 

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Dieses Bild zeigt eine Holzknechtpartie bei der Arbeit.

Es ist mit dem Schlagjahr 1929/30 beschrieben.

Im Hintergrund befindet sich die Holzknechthütte.

Datiert wurde es mit 20.04.1930

 

Die Namen der Männer werden derzeit noch eruiert.

 

 

 

 

 

 

 

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Dieses Bild wurde mit Lanau am 28.08.1931 datiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Auch dieses Bild wurde mit Lanau am 28.08.1931 datiert.

 

Die Namen dieser Herren werden derzeit eruiert und ich bin guter Dinge, dass noch einige davon gefunden werden.

Ich verfüge schon über recht gute Informationen, welche im April dieses Jahres noch geprüft werden können.

Hierbei sind mir gute Freunde und auch mir nicht bekannte Menschen aus dem Mürztal behilflich.

Auch ihnen gebührt ein riesengroßer Dank.

Sie laufen sich ohne Verdienst für mich ihre Füße wund. Ich könnte solche Dienste nie bezahlen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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