Kannibalismus bei Schermäusen.

 

Es heißt, dass Schermäuse reine Pflanzenfresser sind. Das ist nicht immer richtig. Es kommt immer wieder vor, dass eine Wühlmaus teilweise angefressen wird.

Man möchte das allzu gerne dem Maulwurf in die Schuhe schieben. Aber der Maulwurf kommt nur dann als Täter in frage, wenn er gemeinsam mit der Wühlmaus das gleiche Gangsystem bewohnt.

 

Ich konnte drei verschieden Arten von Kannibalismus bei Schermäusen feststellen.

 

1.) Ein Muttertier wurde in der Falle gefangen. Das Muttertier wurde also von ihrem Nachwuchs gesucht, da dieser noch gesäugt wurde. Sobald sie das Alttier gefunden haben, begannen sie an deren leblosen Körper an den Zitzen zu säugen. Nachdem die Milch versiegte, begannen sie an den Zitzen zu fressen. Sie fraßen sich locker bis in den Bauch hinein. Ich nahm mir da immer den Spaten zur Hilfe und suchte die Jungmäuse sogleich. Es waren selten weniger als vier Jungtiere im Bau.

 

2.) Eine etwas größeres Jungtier wurde mit der Falle gefangen. Die nachfolgenden Geschwister fraßen dieses teilweise von hinten bis zum Kopf auf. Dabei wurden diese angefressenen Mäuse interessanterweise immer etwas mit Erde überwühlt. Für solche Fälle habe ich ganz extrem gut einstellbare Fallen, womit ich diesen Rest der Mäuse noch meistens fangen konnte.

Wenn ich nun die eine oder andere Wühlmaus aus so einem Bau nicht mehr mit der Falle fangen kann, so verwende ich die letzte angefressene Maus als Köder, indem ich sie einfach hinter den Auslöser lege. Somit kann ich oft auch noch die Letzte erwischen. Sollten aber wirklich alle Stricke reißen, so muss der Spaten her.

 

3.) Zwei erwachsene Wühlmäuse bewohnten den gleichen Bau. Das in der Falle gefangene weibliche Tier wurde stark angefressen. Ich ging davon aus, dass es sich hierbei bei dem Täter um Jungtiere handelt. Somit stellte ich die Falle erneut und verwendete sofort diesen Mäuserest als Köder. Gefangen wurde zu meiner Überraschung aber ein männliches Alttier. Es waren keine weitern Jungtiere mehr in diesem Gangsystem. Da Wühlmäuse in der Regel Einzelgänger sind, so nehme ich an, dass in diesem Fall gerade Paarungszeit war.

Diese drei hier beschriebenen Beispiele sind in meiner Tätigkeit als Wühlmausfänger nicht nur ein Mal vorgekommen!

 

 

Hierzu einige Bilder.

 

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Dieses Jungtier wurde am Bauch angefressen.

Diese Wühlmaus wurde mit der TopCat Falle erlegt.

 

 

 

 

 

 

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Ein mit der Bayrischen Drahtfalle gefangenes Muttertier.

Dieses Muttertier wurde von den nachkommenden Jungtieren am Kopf angefressen.

Die Jungtiere wurden kurze Zeit später gefangen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ansicht oben.

Dieses Jungtier wurde von den nachfolgenden Geschwistern stark zerfressen.

Das Alttier wurde bereits zuvor getötet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ansicht unten.

Oberkörper und Kopf fehlen zur Gänze.

Weiters wurden alle vier Beine abgebissen und verzehrt.

Der Schwanz des toten Tieres hängt hierbei noch am „seidenen Faden“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein mit der Bayrischen Drahtfalle erlegtes Tier.

Diesem weiblichen Alttier wurde das rechte Auge von den nachfolgenden Jungtieren total ausgefressen.

Diese Jungbrut konnte hernach noch mit der TopCat Falle erfolgreich getötet.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Dieses Jungtier wurde von den restlichen Geschwistern angefressen.

Man könnte sagen: „ Dem Tier wurde das Fell über die Ohren gezogen“:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Diesem weiblichen Alttier wurde von einem brunftigen Männchen der Unterleib ausgefressen.

Die Gedärme waren bereits nicht mehr vorhanden.

Der Unterleib war praktisch leer.

Der gefräßige Mäuserich wurde eine gute halbe Stunde danach erlegt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkung.

Abschreckende Bilder wie hier gezeigt haben natürlich für den Mäusejäger einen großen Vorteil, denn er weiß sofort, dass sich mindestens noch ein nicht fallenscheues Tier im Gangsystem aufhält. Solche Kannibalen werden in der Regel sehr schnell gefangen. Man kann zu deren flotteren Fang sogar den Kadaver des aus der Falle entfernten Tieres verwenden. Diesen Kadaver legt man einfach hinter die neu gespannte Falle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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