Hausmäuse, so unglaublich es auch klingen
mag sind im Stande, in einer Gruppe ein gemeinsames Ziel zu verfolgen.
Die Tiere können dabei
außergewöhnliche Kräfte entwickeln.
Da ich täglich Versuche mit meinen
wild lebenden Hausmäusen mache und sie mit allem möglichen Futter verwöhne,
wurde ich eines Tages total verunsichert ob sich nicht doch inzwischen Ratten
bei mir eingenistet haben.
Der Verdacht kam mir aus
reinem Zufall.
Ich legte eines Tages gedankenlos
einen Maiskolben zwischen einen Dachziegel und einem Brett, welches sich im
Stall auf dem Boden befand. Ich benütze das Brett zur Ablage von Streue. Der
Maiskolben passt genau in diesen Spalt hinein. Einige Tage später war der
Maiskolben verschwunden. Ich fragte daher meine Tochter, ob sie ihn entfernt
habe. Sie antwortete aber mit „Nein“. Ich zweifelte nun an mir selbst „ob ich
ihn nicht doch beim Stall reinigen den Tieren verfütterte“. Ich legte aber
trotzdem einen neuen Kolben hinein. Siehe da. Am nächsten Tag war auch dieser
spurlos verschwunden. Ich legte wiederum einen hinein und ging darauf frisches
Futter holen. Als ich nach ca. 20 min. zurückkam, lag nun dieser Maiskolben vor
dem Dachziegel. Ich glaubte nicht richtig zu sehen. Ich holte mir eine
Wieselwippfalle und beköderte diese. Danach stellte ich sie zum Maiskolben hin.
Ich stellte hierbei eine Lebendfalle, denn ich wollte die Maus nicht gleich
wegen eines Verdachtes opfern. Ich war aber fest davon überzeugt, dass ich eine
Ratte fangen würde. Ich verließ den Stall nun für 10 min. und als ich wieder
eintrat sah ich die Wippfalle schon verschlossen. Zu meiner Überraschung saß
eine Hausmaus in der Falle. Da aber an der Wippfalle vorne ein 1x1 cm. großes
Gittergeflecht angebracht ist, sprang die Maus in ihrer Not mit voller Kraft
dagegen. Sie zwängte, wenn auch schwer den Kopf
hindurch und flugs, weg war sie. Darauf dachte ich mir: „OK Maus“, möchte doch
sehen, ob du den nächsten Kolben auch schaffst. Ich legte nun einem Maiskolben
mit einer Länge von 186 mm, einen Durchmesser von 53 mm und einem Gewicht von
220 Gramm hinein Ich konnte den folgenden Tag kaum erwarten. Die Spannung war
groß. Am nächsten Tag war er noch da, am übernächsten auch noch. Ich dachte bei
mir: „Ha, ist doch zu groß für dich, kleiner Wicht“. Aber denkste!!! Am dritten
Tag war der Kolben verschwunden. Nun holte ich mir die Taschenlampe und räumte
alle Kisten die neben dem Kasten standen hervor. Ich kroch unter einem Regal
hindurch und siehe da, ich wurde fündig!! Es wurden aber mehr Maiskolben nach
hinten geschleppt als ich vermutet hatte. Wahrscheinlich klauten sie mir diese,
als ich sie zum Trocknen im Stall auslegte. Ich war also ganz fasziniert und
bin es auch jetzt noch.
Diese Hausmäuse sind also im
Stande, Material das ca.7 bis 15 Mal schwerer ist als sie selbst, zu
verschleppen. Sie mussten den Maiskolben noch dazu der Länge nach ziehen,
(nicht etwa bequem rollen). Eine große Leistung ist noch dazu, dass sie die
Kolben durch einen engen Schlupf um die hintere Kastenecke schleppten. Aber das
Grandioseste ist an der ganzen Sache: Sie haben zwei Maiskolben aufeinander
gelegt!!! Ich bin überzeugt, dass diese überaus intelligenten Tiere fähig sind
Teamarbeit zu leisten. Eine Maus alleine schafft das unmöglich!!
Als ich diese Erlebnisse
meinen Freunden erzählte, so haben sie mich allerdings belächelt, (nicht
ausgelacht!!) „denn Mäuse sind für eine zielführende
Zusammenarbeit nicht fähig“. Ich behaupte aber trotzdem, dass vielleicht die
normale Maus dazu nicht fähig ist. Die intelligente Hausmaus ist es aber
sicher!! Raubtiere, die in Rudeln zusammen jagen sind ja auch fähig die Beute
ihren Rudelmitgliedern zu zutreiben.
Wenn sich nun jemand die Frage
stellt:
„warum können Mäuse so viele ausgelegte Giftköder in einer Nacht verschwinden
lassen??“, so dürfte diese Frage mit der oben angeführten Geschichte ganz klar
beantwortet sein. Es ist für Mäuse absolut kein Problem so lächerlich kleine
Köder zu verstecken.
Ein kleines Beispiel zum
besseren Verständnis.
Jeder kann sich einmal von
einer großen Tafel Schokolade ein doppeltes Rippchen an einem Stück abbrechen
und in den Mund nehmen. Man verspürt also einen klobigen Brocken im Mund, der
einem sogar beim Reden hinderlich ist. Für eine Maus ist so ein Brocken absolut
kein Problem. Ich konnte selber nach einer langwierigen Beobachtungszeit sehen,
wie eine Hausmaus so ein Doppelstück mit ihren Zähnen schnappte und damit mit
einer erstaunlichen Leichtigkeit zu ihrem Versteck lief. Dabei ist so ein
Doppelstück beinahe schon so groß wie die Maus selbst.
Wie würde es also uns Menschen
im Vergleich zur Maus dabei ergehen???
Nähme der erwachsene Mensch
sagen wir mal so einen 25 kg schweren Schokoladebrocken in den Mund, (das sind
immerhin 250 Schokoladetafeln a` 100 Gramm) und müsste er dazu noch eiligst
davon sprinten. Na ich weiß nicht so recht, ob das so reibungslos funktionieren
würde. Ich glaube wir Menschen hätten da ein größeres Problem.
Eingefügte
Bilder von Maiskolben, welche unter Schwerstarbeit von Hausmäusen transportiert
wurden.

So lagen ursprünglich alle
verschwunden Maiskolben zwischen dem Dachziegel und dem Brett.
Auch dieser Kolben ist
inzwischen bearbeitet worden.
Allerdings war hier ihr Hausmauschef
auf Urlaub und sein Stellvertreter dirigierte den Transport.
Und dieser verlief wie auf dem
nächsten Bild zu sehen ist in die verkehrte Richtung.

Der Maiskolben wurde nicht
nach vorne geholt, sondern nach hinten.
Dabei hat sich der Kolben
verkeilt.
Dieser Transport ging also
daneben.
Die Mäuse lassen sich aber
deswegen nicht entmutigen und bearbeiten in halt an Ort und Stelle.
Am Spitz des Kolbens fehlten
bereits die ersten Körner.

Diese Lieferung verlief
hingegen tadellos.
Allerdings ist der Kasten
hinten schon voll geschlichtet.
Aus diesem Grunde fingen die
Tiere gleich an diesen Kolben an Ort und Stelle abzunagen.

Ein Blick hinter den Kasten.
Zu meiner Überraschung lagen hier
nicht nur die drei vermissten Kolben, sondern noch einige mehr.
Diese haben sie mir
wahrscheinlich nachdem ich sie zum Trocknen auslegte, geklaut.
Die beiden Kolben haben sie
aufeinander gelegt. Also, wenn das keine Schwerstarbeit für diese kleinen Mäuse
ist!
Das Interessante dabei ist ja,
dass sie zuerst den letzten Kolben abnagten und die zwei aufeinander liegenden
Maiskolben vollkommen unbeschädigt sind.
Warum das so ist, dass wissen
die Götter.
Vielleicht kennen die Mäuse
auch dieses Sprichwort „die Letzten werden die Ersten sein“.