Ein Maulwurffänger „entpuppt“ sich zum „Schlitzohr“ (Betrüger).

Bericht erstellt am 14.02.2007

 

Der heute 86 jährige Schöggelbauer aus dem Steirerland erzählt.

 

 

Textfeld:

 

Ich bin im Jahre 1921 geboren. Mein Vater war ein wohlhabender Bauer welcher es sich leisten konnte, Taglöhner, wie den doch zur damaligen Zeit recht teuren Scherfänger (Maulwurffänger) immer wieder Jahr für Jahr anzustellen.

Dieser Scherfänger, von welchem mir leider der Name entfallen ist, kam aus dem Tirolerland. Der Scherfänger kam im Frühjahr sowohl auch im Herbst.

Wir Kinder erwarteten den Maulwurffänger stets mit großer Neugier. Es war das Jahr 1933, als ich ein recht sonderbares Erlebnis dabei hatte. Ich war gerade 12 Jahre alt, also noch ein Schulbub. Wie jedes Jahr nach der Schneeschmelze erschien der Scherenfänger mit samt seiner Ausrüstung bei uns.

Mein Vater meinte, ich solle den Fänger begleiten und dabei etwas „lernen“. Der Scherenfänger war von diesem Vorschlag allerdings nicht begeistert und lehnte es mit der Begründung ab, er als Jäger benötige bei dieser Arbeit absolute Ruhe und durch die Anwesenheit weiterer Personen sei der Erfolg nicht mehr gesichert.

Mein Vater war ein ehrlicher Mann und respektierte dieses Argument. Ich musste also zu Hause bleiben.

Da ich natürlich auch nicht mit einem „Heiligenschein“ geboren wurde und diese Ablehnung des Scherenfängers mich ganz besonders neugierig machte, so schlich ich ihm in einer sicheren Entfernung nach und beobachtete den Scherfänger mit dem Guger (Fernglas) meines Vaters bei seiner Arbeit.

Hierbei sah ich, wie der Scherfänger bereits tote Schern (Maulwürfe) aus der Manteltasche zog, diese in die Falle „zwickte“ und danach im aufgegrabenen Erdloch verschwinden lies. Nun gut. Er hatte ja „nur“ eine Handvoll solcher Tiere mit, aber für mich war dies genug und ich eilte zu meinem Vater um ihm dieses Ereignis zu melden.

Mein Vater, der von „Lug und Trug“ (Lüge und Betrug) nichts hielt, da er selber streng gläubig und ehrlich war, gab mir als „Lohn“ eine schallende Ohrfeige. Er meinte hierzu, man „schleiche“ ehrbaren Leuten nicht hinterher und verleumde sie hernach noch dazu.

Obwohl mich diese Aussage und die Ohrfeige schmerzten, so konnte ich weiter nichts machen. Es war einfach so. Vaters Wort galt.

Der Scherfänger holte wie jedes Mal beim Einsammeln der „Beute“ meinen Vater (wir Buben durften natürlich nun auch mit) und dieser bezahlte brav den „redlichen Lohn“ des Fängers „Stück für Stück“.

Nachdem der Scherfänger seine „Aufgabe“ nach seinen eigenen Angaben mit Erfolg beendet hatte, zog er wieder weiter. Ich höre heute noch seine Worte, „ Oiso daun, bis in Herischt“. (Also dann, bis zum Herbst)

Das dies sein letzter „Auftrag“ bei uns war, dass hätte sich weder der Scherfänger noch ich träumen lassen.

Als mein Vater und ich wieder einmal auf einem Bauernmarkt einkaufen waren, so wurden hierbei zufällig auch Maulwurfeisen angeboten. Mein Vater meinte zu mir. Josef, dich hat das Scherenfangen doch schon immer interessiert. Was meinst, möchtest es nicht einmal versuchen. Ich kauf dir alles was du dazu brauchst.

Ich war von dieser Idee begeistert und mein Vater kaufte großzügig ein. Was mir allerdings erst viel später bewusst wurde war, dass mit diesem Fallenkauf das Vertrauen meines Vaters an dem Scherfänger gebrochen war.

Ich habe das Scherenfangen vielmals „verteufelt“, denn bis ich die richtige Handhabung dieser schwer zu stellenden Schmiedefallen verstand, da verstrich eine lange Zeit. Auch fehlte es mir teils an der nötigen Kraft die Fallen richtig und ausdauernd zu spannen. Ich „ermüdete“ schon nach wenigen Fallen. Mit viel Ausdauer und Fleiß erlernte ich es doch und erntete von meinem Vater großes Lob. Auch erhielt ich als Lohn so manches Mal eine Tafel Schokolade, was nicht alltäglich war.

Den Scherfänger habe ich allerdings nie wieder gesehen. Wieso und warum weiß ich nicht. Mein Vater und ich sprachen nie darüber. Möglicherweise ist er auch „ganz einfach gestorben“.

 

Als ich den Schöggelbauer fragte, ob er sich eigentlich wegen der Ohrfeige so gut auf die Jahreszahl 1933 erinnere, so meinte er nur, - „ Na na, do is jo da Hitla ba dei Deitschn Kanzla woan und zein Joa speida san va mia schou a etlichi Schuifreind gfoin“. (Nein nein, da ist ja der Hitler bei den Deutschen Kanzler geworden und zehn Jahre später sind schon etliche Schulfreunde von mir gefallen)

 

Anmerkung.

Betrüger und Betrogene gab es immer schon. Man denke nur an die heutigen „Tests“ mit fingierten Gerätschaften, welche man mit dem ein und demselben versteckten Fehler zu verschieden Reparaturfirmen bringt. Besonders bei Auto und Elektrowerkstätten erlebt man so manches „Wunder“.

Besonders die Ausreden, welche nach so einem „peinlichen Vorfall“ erfunden werden. Nein, ich würde mich in Grund und Boden schämen.

 

 

 

 

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