Schwarz heißt nicht gleich Trauer.

 

Es handelt sich hierbei um einen Bericht welcher einen längst vergangenen Berufszweig beschreibt, nämlich den des Maulwurf und Wühlmausfängers.

 

Zuerst möchte ich mich recht herzlich bei der Gemeinde Fieberbrunn in Tirol für diese historischen Bilder bedanken.

 

Ein ganz besonderer Dank ergeht an den Gemeindearchivar Herr Pachler Johann, ohne dessen Unterstützung diese historische Seite nicht zustande gekommen wäre.

Dank der Hilfe von Herr Pachler war es mir möglich, einen kurzen Lebenslauf der beiden in diesem Bericht wohl wichtigsten Personen, Herr Porsche Max und Herr Kapeller Stefan zusammen zustellen.

 

Wer war nun dieser Porsche Max, der uns diese wertvollen historischen Bilder von einem bereits ausgestorbenen Berufszweig hinterlassen hat?

 

Ich berichte in Kurzform.

Porsche Max zog nach dem Ende des zweiten Weltkriegs aus dem Sudetendeutschland nach Fieberbrunn. Der Grund dieses „Zuwandern“ dürfte das bereits bestehende familiäre Verhältnis nach Fieberbrunn gewesen sein. Diese Entscheidung war absolut richtig, denn sonst wären diese Bilder nie entstanden. Als Zugezogener war Porsche Max natürlich ein „Zuagroasta“, der die Bevölkerung bald durch seine Fähigkeit als Fotograf überzeugen konnte. Ursprünglich war er kein gelernter Fotograf, holte aber diese Ausbildung geschwind nach, eröffnetet ein Fotogeschäft und wurde durch seine Fotoreportagen über die Grenzen hinaus bekannt. Seine Bilder wurden für Kalender, Zeitungen und vieles mehr verwendet.

Nach dem Tod von Herr Porsche Max wurde unter anderem auch diese hier gezeigte Bildserie der Gemeinde Fieberbrunn übergeben. Noch heute befinden sich die originalen Fotos im Gemeindearchiv.

 

Nun aber zu unserem Hauptdarsteller.

Wer war den dieser Maulwurf und Mäusefänger Herr Kapeller Stefan?

Herr Kapeller entstammte aus einem Fieberbrunner Bauerngeschlecht. Er übte jedoch nicht den Beruf eines Landwirtes aus, sondern verschiedene Berufszweige anderer Art. Darunter auch den lukrativen Nebenberuf als Wühlmaus und Maulwurffänger.

 

Wenn man bedenkt, dass der Mäusefänger nach den Angaben von Porsche Max bis zu 50 Schilling am Tag dazu verdienen konnte, so war das für die damaligen Verhältnisse in den 40 ziger und 50 ziger Jahren doch ein recht beachtliches Taschengeld.

 

Ich verdiente zum Vergleich in den 70 ziger Jahren bei einem 9 Stunden Arbeitstag pro Tag 57 Schilling.

 

Die Bildserie vom Maulwurffang bis hin zum fertigen Produkt.

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

Zuerst werden die Gänge gesucht und die Maulwurffallen gestellt.

Der junge Knabe in Lederhose beobachtet die Situation genau.

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach einer gewissen Zeit werden die Fallen kontrolliert.

Der Junge stapft munter hinterdrein.

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

Der Rasen wird angehoben.

Die Spannung wächst. War der Fang erfolgreich??

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

Eine mit der Bayrischen Drahtfalle gefangene Wühlmaus.

Ein perfekter Brustfang.

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

Auch dieser Maulwurf wurde bestens getroffen.

Der Maulwurf ist für den Gerber bestimmt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

Wiederum ein Prachtexemplar von einem Maulwurf.

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Maulwurffänger zeigt seine Ausbeute.

 

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

Drei Maulwürfe und eine Wühlmaus.

Das dritte Tier von links ist die Wühlmaus.

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem die Haut abgezogen ist, wird sie zum Trocknen an die Wand genagelt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stefan Kapeller prüft die Qualität.

Die Felle scheinen in Ordnung zu sein.

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

Beim Kürschner.

Die Felle werden angezeichnet.

Es soll ja kein Verschnitt werden.

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Arbeit ist nichts für Murxer ( Pfuscher ).

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

Im Hintergrund werden die Felle genäht.

Links scheint der Mantel schon im Endstadium zu sein.

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Werk ist vollendet. Der Maulwurfmantel passt perfekt.

Die noble Dame kann sich freuen.

 

Sie ist nun ganz in schwarz, aber ohne Trauer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachträglich füge ich hier noch einen originalen Bericht von Herr Porsche Max hinzu.

 

Titel:

 

Auch von Maulwürfen und Feldmäusen kann man leben.....

......................................................................................

Keine Angst, es soll nicht ein neues Gericht eingeführt werden zur Abwechslung

für unseren täglichen Speisezettel! Die Scher- und die Feldmäuse dienen

nur indirekt zum Lebensunterhalt, indem der Bauer bezahlt, dass er sie

losbringt und der Kürschner damit er das Pelzchen der Maulwürfe (Schermäuse)

bekommt. Wir haben zwar alle in der Schule gelernt, dass der Maulwurf

sehr nützlich ist, weil er Engerlinge und Larven frisst, aber kein Bauer

weint ihm eine Träne nach, genau so wenig wie den Feldmäusen, von denen

auch die Schulweisheit nur in abfälligen Tönen als bösen Schädling spricht.

Der Maulwurf macht erst wieder Freude, wenn er zu Hunderten seinen schwarzsamtenen

Rock gelassen hat für den weichen Umhang oder Mantel einer eleganten

Frau. Dann ist der Geselle salonfähig geworden und kein Mensch mehr

sieht ihm seine ärgerliche Wühlarbeit im Garten und Feld an und sein jämmerliches

Ende in einer gewöhnlichen Mausefalle. Die Geräte für diese Jagd

sind die denkbar einfachsten. Mit einer kleinen Stichschaufel, vielen Drahtfallen

und einem Korb geht der Scherenfänger bei jedem Wetter in sein Revier.

Es ist so weit wie Gottes braune Ackererde und seine bunten Wiesen.

Am besten lässt sich arbeiten, wenn frisch gemäht ist, oder im Frühjahr

gerade der Schnee weggeschmolzen ist. Mit sicheren Stich legt die Schaufel

den Gang bloss, die Männerhand setzt die Falle ein und deckt das Rasenstück

sorgfältig wieder darauf, damit kein ungewohntes Licht oder die frische

Luft den Baubewohner warnt. Zwei Stäbchen als weithin sichtbares Zeichen

werden gesteckt und weiter geht’s zum nächsten Gangsystem. Am Nachmittag

macht der Fänger denselben Rundgang und holt die Beute. Da läuft wohl manch

kleiner Bub daneben, um mit zu spähen und mit zu zählen. Es ist gar nicht

so wenig, was der Mann in seinem Korb einsammeln kann. 150 bis 200 Stück

können mit ihren 600 bis 800 Schaufelhändchen schon einen tüchtigen Schaden

bei jungen und alten Pflanzen anrichten. Nun sind sie still und starr

und abends zieht ihnen der Mann die Röcklein aus und nagelt sie , fein säuberlich

zu Rechtecken zugeschnitten, auf Brettern zum Trocknen auf. Die

bekommt der Gerber und letzten Endes der Kürschner und der Mann verdient

50 Groschen pro Stück. Und des kleinen Assistenten älterer Bruder, der schon

ins Gymnasium geht, rechnet aus, was der heutige Tag dem Scherenfänger

eingebracht hat und wirft vielleicht seine eigenen Zukunftspläne über den

Haufen, wenn er kalkuliert: Bei 100 Schermäusen 50 Schilling im Tag, Herr

Gott, ob man nicht doch lieber das Studieren lassen sollte.

 

                                                                                   Bildbericht von Max Porsche

                                                                                   Fieberbrunn 44

                                                                                   bei Kitzbühel in Tirol

 

 

 

Anmerkung.

Bedauerlicherweise wurde bei diesem Bericht kein Datum hinzugefügt. Aus diesem Grunde ist es nicht mehr möglich den genauen Zeitpunkt dieses Bildberichtes zu eruieren.

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                  zurück