September 1912

 

Gegen die Wühlmäuse sollte nicht das rationellste Mittel in Vergessenheit

geraten: Pulver und Blei, so schreibt Herr Hauptlehrer Schött:

 

            „Ich habe seit vorigen Herbst einen Dienstgarten übernommen, habe

ihn mit schönen Sachen angelegt und bittere Erfahrungen gemacht. –

Auf Schäden an Obst und Rosen war ich ja vorbereitet; dass aber auch

Rhabarberstauden und die mühsam durch die Dürre gebrachten jungen

Erdbeeranlagen verringert wurden, das ging mir doch über die Hutschnur.

            Versuche mit vergifteten Möhren, Meerzwiebeln ect. sind hier schon

massenhaft gemacht worden; die Wühlratten dachten in den allerseltensten

Fällen daran, die mit Handschuhen dargereichten, gern gegebenen Lecker=

bissen anzurühren.

            Als ich eines Tages wieder eine Anzahl meiner schönen „Sieger“ –

Büsche welk und glatt abgefressen daliegen sehe, packte mich die Wut.

Ich grabe mit dem Spaten 1 – 2 Schritte vom nächsten Ausschlupfloch

aus dem Gange nach und bei einem Stich, der die Öffnung des

15 – 20 cm tief liegenden Ganges so recht schön frei liegen lässt, höre

ich auf und warte der Dinge, die da kommen werden. Nach wenigen

Minuten erscheint neugierig lugend ein niedliches Köpfchen, braunschwarz

mit dunkelglänzenden Äuglein. Trotzdem es mich gesehen und trotzdem

ich, hinter der Öffnung stehend, verschiedene Male, natürlich vergeblich,

versucht habe, es mit dem Stocke anzuspießen, kommt es doch immer

wieder.

            Die Wühlmaus hatte mich mit der vergeblichen Neckerei doch

zweierlei gelehrt.

1.     Sie erscheint, sobald ein bewohnter Gang angegraben wird, nach

kurzer Zeit und immer wieder, entweder von dem ungewohnten Licht=

schein magisch angezogen oder auch infolge des Bestrebens, die Öffnung

zu schließen.

            2. Sie ist, wenn auch flink, doch dummdreist und erscheint immer

wieder, auch wenn sie den Menschen dicht davorstehend gesehen hat.

            Auf diesen beiden Grundsätzen baute ich mir meinen Feldzugsplan.

Schnell von Nachbar die Doppelflinte herbei und Posten gefasst! Aber

anfangs wollte die Sache noch nicht klappen. Wir beide, die Erdratte und

ich, kamen nicht recht in den Takt. Wenn sie guckte, musste ich erst anlegen,

und wenn ich zielte, war sie wieder verschwunden. Da dämmerte mir denn

unschwer die Grundregel des Wühlmauskrieges auf: Wer sie erlegen will,

muß fortdauernd – vielleicht knieend aufgestützt – im Anschlag bleiben.

Und nun kam der große Augenblick! Den Arbeitern im Nachbargarten stockte

einen Augenblick der Atem beim Donnerschlag. Als sich der Rauch verzog,

war die Mausburg ein Trümmerhaufen. Aus dem Gras und Wust aber zog ich

meinen feisten Nager. Der war ganz tot.

            Mein Ruhm ließ mich am andern Morgen nicht schlafen. Ich fand

von den Abends zugetretenen Löchern eins geöffnet, grub nach – und

nach keiner Viertelstunde lag die zweite Ratte im Blute. Diesmal hat

es aber ein 9 mm Teschin mit Schrotpatrone getan. In einer freien

Stunde des Vormittags erlegte ich zwei Stück kurz hintereinander, deren

Gänge höchstens zwei Schritt nebeneinander liegen. Es ließ sich also

die eine durchaus nicht durch den kurz zuvor gefallenen Schuß ein=

schüchtern. Noch eine Maus fiel mir zur Beute, da war die Familie

aufgerieben, und meine Erdbeeren hatten bis jetzt Ruhe. Jedenfalls

werde ich aber bei dieser Methode bleiben.

 

Hierzu eine Zeichnung vom Maler R. Betten.

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