Mödling, 25. März 1874

 

Die Vertilgung der Wühlmäuse mittelst Räucherpartone.

 

            Wenn man den enormen Schaden berücksichtigt, welchen die Wühlmäuse namentlich im letzten Jahre verursacht,

dann wird man das Mittel, welches Prof. Dr. Nessler in Karlsruhe erfunden, die sog. Räucherpatronen zur Vertilgung der

Wühlmäuse, über deren ausgezeichnete Wirkung allseitig sehr günstige Berichte veröffentlicht wurden, gewiss mit Freuden

begrüßen.

            Das Ausräuchern der Wühlmäuse ist bereits vielseitig als das beste und sicherste Mittel zur Beseitigung der Wühl=

mäuse, dieser für die Landwirthschaft so große Plage, bezeichnet worden.

            Der zu diesem Zwecke schon in früheren Jahren construirte und 1853 durch Jühlich verbesserte Räucherofen verlangt

bei seiner Anwendung eine besondere Aufmerksamkeit und Uebung und wird eben hierdurch, sowie auch durch die jedenfalls

bedeutenderen Anschaffungskosten dessen allgemeine Anwendung erschwert.

            Um nun diesen Räucherofen entbehrlich zu machen, hat Professor Dr. Nessler neueste Versuche angestellt, durch eine

Mischung von Salpeter, Theer und Schwefel einen Stoff zu erzeugen, der angezündet beim Einathmen erstickend wirkt, in die

Mauslöcher eingesetzt, in denselben fortbrennt und soviel Rauch erzeugt, dass hiedurch die Mäuse getötet werden.

            Überzeugt von der Wichtigkeit dieses Gedankens und von den großen Vortheilen seiner Ausführung, hat der landwirth=

schaftliche Bezirksverein in Ehingen a. D. in Württemberg den Herrn Emil Grauer, Apotheker und Vorstand des Gewerbe=

vereins daselbst, veranlasst, ein Räuchermittel der bezeichneten Art zu präparieren, und ist es demselben nach gemachten

Versuchen gelungen, in richtiger Mischung der zugehörigen Stoffe eine Räucherpratone anzufertigen, die den gestellten Anford=

erungen vollkommen entspricht. Diese Patrone, mit einem Zündhölzchen oder an einer Lunte, Zündschnur oder mittels einer

kleinen Laterne angezündet, brennt in dem sofort geschlossenen Mausloche vollständig ab und erzeugt vielen stinkenden Rauch,

der sich in die Gänge ect. ausbreitet und die daselbst befindlichen Mäuse erstickt.

            Da diese vom Herrn Emil Grauer erzeugten Patronen neben der Eigenschaft der leichten Brennbarkeit und der Ereug=

ung vielen stinkenden Rauches noch den Vorteil besitzen, dass Raub= und Hausthiere, welche von diesem Rauche getödtete

Mäuse fressen, nicht vergiftet werden, wie auch, dass der an Carbol= und schwefliger Säure reiche Rauch dem Planzenwachstum

nicht schadet, so ist das Mittel allen anderen (insbesonders dem Giftlegen) als sicherstes und verhältnißmäßig billigstes, ent=

schieden vorzuziehen, und kann daher nach den vorliegenden Gutachten vieler landwirtschaftlicher Vereine nicht genug dringend

zur allgemeinen Anwendung empfohlen werden.

            Die Räucherpatronen, deren Generaldepot für Oesterreich=Ungarn sich beim k. k. c. land= und forstwirthschaftlichen

Verkehrsbureau in Wien, I., Nibelungengasse 7, befindet und die loco Wien per 1000 Stück mit 3 fl. 50 kr., per 100 Stück mit

40 kr. abgegeben werden, werden folgender Art benutzt; Am Tage vor der Räucherung lässt man sämmtliche Mauslöcher zu=

treten. In die Tags darauf frisch aufgeworfenen Löcher schiebt man dann die an einer Zündschnur, einem Laternenlicht oder

einem Zündhölzchen kräftigst entzündeten Patrone ein und verschließt hierauf das Loch, nicht durch Zutreten, sondern mit einer

Erdscholle oder einem passenden Steine sofort und vollständig. Die Patrone brennt ohne weiteren Luftzutritt vollständig ab,

tödtet die Mäuse durch ihren massenhaften und erstickenden Rauch sicher, ist, wie schon gesagt, nicht giftig und hält sich

trocken aufgewahrt Jahre lang.

            Ohne Entzündung durch einen brennenden Gegenstand sind die Räucherpatronen nicht im Geringsten feuergefährlich

und können sich auch ihrer Zusammensetzung nach unter gewöhnlichen Verhältnissen nie von selbst entzünden.

 

 

                                                                                                          Institutsobergärtner E. Heinrich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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