Wien, 13. Juli 1882

 

Bürgerschullehrer Herr Heinrich Leo Weber berichtet.

 

Die Scheermaus oder Wühlmaus.

 

Die Wühlmaus ist ein Nagethier der allerschlimmsten Sorte, welches durch Zernagen

der Wurzeln an den Obstbäumen großen Schaden verursacht. Sie ist etwas größer und dicker

als die gewöhnliche Maus, von bräunlicher Farbe, rundlichem Kopf und kürzerem Schwanze.

Die schlimmste Gewohnheit dieses Thieres besteht darin, dass sie sich die Gänge durch das

Wurzelwerk hindurch nagt. Die Wühlmaus ist unermüdlich im Graben und Ziehen von Lauf=

röhren nach allen Richtungen hin, wo es etwas zu nagen gibt. Die meisten Röhren münden nicht

nach oben, sondern mehr nach der Seite hin, etwa in einen Wasserlauf oder am Rande eines

Ackers oder einer Wiese möglichst verdeckt unter einem vorstehenden Rasenbüschel. Die

Scheermaus arbeitet ähnlich dem Maulwurf hügelförmig die Erde hervor auf die Oberfläche,

doch viel seltener, als dies der Maulwurf thut, auch unterscheiden sich die von der Scheermaus

hervorgeschobenen Erdhügel leicht durch ihre Unregelmäßigkeit und dadurch, dass sie stets

kleiner und flacher als die Maulwurfshügel sind.

            Die weiteren Bauten, welche die Scheermaus anlegt, sind ebenfalls weit kunstloser als

beim Maulwurf und sitzen selten tiefer als 15 Centimeter unter der Oberfläche. Vorherrschend

sind es Vorrathskammern, die im Herbst gebaut und mit Wurzeln aller Art aufgefüllt werden

für den Winterbedarf. Neben diesen Vorrathskammern befindet sich eine Wohnkammer, welche

mit ersteren durch bogenförmige Röhren in Verbindung steht und kugelförmig ausgehöhlt und

mit weichem Material ausgepolstert ist.

            Da die Scheermaus nicht allein in Gartenanlagen, sondern ganz besonders in Baum=

pflanzungen, ja selbst in Wäldern und nicht minder in Getreidefeldern durch Abnagen der

Wurzeln einen großen Schaden anrichtet, so sieht man sich veranlasst, sich nach einem gründlichen

Vertilgungsmittel umzusehen, um dieses schädliche Thier, was keinen Nutzen aufzuweisen hat,

möglichst gründlich zu vertilgen. Unter den vielen in Vorschlag gebrachten Mitteln, der

Verbreitung dieses Thiers wirksam zu steuern, ist wohl das sicherste die Vergiftung von frischen

Wurzeln mittelst Arsenik oder Strychnin. Die vergifteten Wurzeln legt man in die Gänge oder

steckt sie quer so durch dieselben, dass die Scheermaus genöthigt ist, solche zu durchnagen.

Ebenso ist das von Dr. Ed. Lucas angegebene Vertilgungsmittel zu empfehlen, welches darin

besteht, dass man Phosphorpillen, die man in den Apotheken erhält, in die Nähe der Bäume

und in die Gänge wirft, oder dass man in die unterirdischen Gänge Schwefeldampf einströmen

lässt, welcher die Mäuse tödtet oder zwingt, aus ihren Gängen herauszukommen, wo sie alsdann

leicht getödtet werden können. Wendet man Phosphorpillen oder vergiftete Wurzeln an, so

dürfen diese nur mit Handschuhen, die gut mit Erde eingerieben sind, um ihnen den Geruch zu

nehmen, in die Löcher gebracht werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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