Wien, Dienstag 7 Jänner 1947

 

Herr Ing. Hugo Hartmann schreibt.

 

Die Wühlmaus und ihre Bekämpfung.

                                                           Teil 2

 

            Hat man sich derart vergewissert, dass es sich tatsächlich um einen bewohnten Wühl=

mausgang handelt, so stellt man die Fallen auf. Es kommen also in die so geschaffene Grube

mit den zwei freigelegten Gangöffnungen zwei Fallen zur Aufstellung. Zunächst muss man aber

noch feststellen, wie der Gang verläuft. Denn oft macht dieser eine Krümmung, so dass die

eingeschobene Falle anstößt und vorzeitig zuschnappt. Dazu bedient man sich einer geraden

und einer etwas krummen Rute, und legt, wenn notwendig, den Gang noch weiter frei, um die

Falle unbehindert einschieben zu können. Auch empfiehlt es sich, mit der durch Abreiben mit

Erde verwitterten Hand den Gang etwas zu erweitern und zu festigen, um die Falle leichter

einzubringen. Die Verwendung von Handschuhen für diese Arbeit ist schlecht, weil der Geruch

die überaus vorsichtige Wühlmaus verscheucht. Daher tun Raucher, besonders jene, die sich

ihre Zigaretten selber drehen, gut, ihre Hände vorher gründlich mit Seife zu reinigen. Das

Spannen bedarf einer kräftigen Hand, um die Spitzen so weit auseinander zu drücken, dass man

den Ring einschieben kann. Dieser wird zirka 3 bis 4 cm entfernt von den Spitzen, und zwar

nicht genau mit der Mitte, sondern um geringes höher eingespannt. Fallen und Ringe sollen

nicht blank, sondern etwas angerostet sein. Wem das Spannen der Fallen schwerfällt – alten

Leuten oder zarten Frauenhänden – der macht sich aus hartem Holz einen 20 cm breiten und

1 cm starken Keil. Mit diesem Keil fährt man zwischen die starken Drähte der Falle nächst

ihrer Kreuzung, und durch eine Drehung des Keils zwängt man die beiden Spitzen so wie aus=

einander, dass man den Ring unschwer einschieben kann. Mit großer Vorsicht werden nun die

beiden gespannten Fallen rechts und links in die Gänge hineingeschoben, und zwar so tief, dass

die rückwärtige Hälfte der Falle noch heraussieht.

 

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Zeichnung von Hugo Hartmann

6.) Beidseitig gestellte Schweizerfalle.

     Gesichert mit je einer Rute.

 

 

 

 

 

            Durch das Loch am Ende der Falle steckt man eine stärkere Rute. Denn, wenn die Wühl=

maus von der Falle schlecht getroffen wird, kommt es vor, dass sie diese mit sich fortschleppt.

Nun werden beide Gangöffnungen mit je einem Rasenziegel so weit verdämmt, dass wohl Luft,

aber kein Licht eindringen kann. Die Wühlmaus verträgt nämlich keinen Luftzug, weshalb sie

das Loch verstopfen will. Dabei gerät sie in die Falle und findet so ihr wohlverdientes Ende.

Dies geschieht schon oft nach einer Stunde, doch ist es sicherer, man stellt die Fallen am Abend

und sieht am nächsten Morgen nach.

            Das Arbeiten mit der Schweizer Falle, so wirksam sie auch ist, ist nun nicht jedermanns

Sache, besonders nicht für ältere Leute, zumal man die Vorbereitung und das Aufstellen der Fallen

zur Gänze auf dem Boden kniend in gebückter Stellung vornehmen muss. In diesem Fall kommt

eine zweite, weniger beschwerliche Bekämpfungsart in Frage; dass Vergiften der Mäuse unter

Anwendung entsprechender Köder. Diese Bekämpfung ist nur dann von Erfolg begleitet, wenn

die Wühlmaus draußen im Garten nur wenig mehr findet, also nachdem alles Gemüse eingeräumt

ist und auch keine Mieten mit solchem angelegt sind. Die günstigste Zeit ist daher der Spätherbst

oder noch besser das zeitige Frühjahr. Denn wenn die Wühlmaus ihre Wintervorräte aufgezehrt

hat, greift sie mit Vorliebe die Wurzeln unserer Obstbäume an. Als Köder verwendet man Möhren,

Sellerie, Petersilie, Schwarzwurzeln auch Kürbiskerne, als Gift am Besten ein ohne Giftschein

erhältliches Talliumpräparat, wie zum Beispiel Thallo oder Zeliopaste. Wieder muss man in der

vorgeschriebenen Weise den Wühlmausgang ausfindig machen und in diesen mit entsprechend

verwitterter Hand den vergifteten Köder einschieben. Die Gangöffnung deckt man sorgfältig zu.

Die Giftpaste wird in die längs oder quergespalteten Köderstücke so hinein gedrückt, dass sie mit

der Erde nicht in Berührung kommen kann.

 

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Zeichnung von Hugo Hartmann

7.) Vergiftete Köderstücke.

 

 

 

 

            Wem auch diese Arbeit zu mühsam und zeitraubend ist, der legt zweckmäßig im Spätherbst

in dem ganzen gefährdeten Gebiet, besonders an den Nachbarsgrenzen, von wo aus die Wühlmaus

gern einwandert, eine Anzahl von Giftmieten an.

 

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Zeichnung von Hugo Hartmann

8.) Giftmieten.

 

 

 

 

 

 

            Zu diesem Zwecke hebt man eine Grube von 50 cm Länge, 30 cm Breite und 30 bis 40 cm

Tiefe aus. Auf dem etwas ausgeglichenen Boden dieser Grube legt man nun 5 bis 10 (je nach Größe)

der vorbeschriebenen vergifteten Köderstücke aus. Darüber kommt eine 10 bis 20 cm hohe Schicht

von strohigen oder stengligen Gartenabfälle, die den Zweck hat, den Köder vor einem Verschmutzen

mit Erde zu schützen. Denn mit dieser wird schließlich die Grube vollgefüllt. Vorteilhaft werden

solche Giftmieten in der Nähe von Wühlmausgängen angelegt. Auf ihrer Suche nach Nahrung stößt

nun die geschäftige Wühlmaus auf eine derartige Grube, freut sich der leichten Beute und findet

den Tod.

            Wer über genügend Zeit und Geduld verfügt und außerdem der glückliche Besitzer eines

Flobertgewehres samt Munition ist, kann die Wühlmäuse auch abschießen. Zu diesem Zweck legt

man einen Gang frei und stellt sich gegenüber der Oeffnung mit gespannten Hahn auf die Lauer. Nach

einiger Zeit kommt die Wühlmaus nachsehen, was los ist, und fällt hierbei einem geübten Schützen

zum Opfer.

            Die Anwendung von Räucherpatronen hat sich im allgemeinen wenig bewährt. Denn wenn

die Wühlmaus nur eine Spur des giftigen Gases wittert, so dämmt sie sofort den Gang ab und zieht

sich zurück.

 

 

                                                                       Ende

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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