Berlin 1940

 

Oberregierungsbotaniker Dr. Walter Kotte berichtet.

 

Die Wühlmaus (Arvicola terrestris L.)

 

            Die Wühlmaus oder Schermaus hat etwa die Größe einer Ratte. Sie unterscheidet

sich aber von dieser durch den stumpfen Kopf und den kürzeren Schwanz. Die Wühlmaus frißt

fast nur pflanzliche Nahrung, mit Vorliebe frische und saftige Wurzeln. Sie ist der schlimmste

Wurzelschädling unseres Obstbaues und kann bei starkem Auftreten an Junganlagen und in

Baumschulen sehr großen Schaden anrichten.

            Der unterirdische Fraß der Wühlmaus wird fast stets zu spät bemerkt. Bäume welken

plötzlich, ihr Stamm sitzt nicht mehr fest im Boden, und beim Ausgraben sieht man, dass die

Wurzeln durchgebissen sind und der unterirdische Teil des Stammes oft ringsum geschält ist.

            Die Wühlmaus lebt vor allem in Wiesen. Auch an Bachläufen kommt sie vor und wird

dann fälschlich Wasserratte genannt. (Wasserratten sind auch am Wasser lebende Ratten; eine

„Wasserratte“ als eigene Tierart gibt es nicht.)

            Das Weibchen wirft nach den Angaben älterer Beobachter 3 – 4 mal im Jahr Junge.

Neuere Untersuchungen machen es wahrscheinlich, dass unter günstigen Bedingungen sehr viel

mehr Würfe möglich sind, – in Zuchten bis zu 13! Bei jedem Wurf werden 1 – 8 Junge zur

Welt gebracht, die häufigsten Zahlen sind 2 – 3. Da die Tiere bereits nach 2 Monaten fortpflanz=

ungsfähig sind und nach 3 Monaten Junge werfen können, ist die theoretisch mögliche Vermehrungs=

zahl der Wühlmaus sehr hoch, und es ist verständlich, dass es nicht selten zu Massenvermehrungen

des Schädlings kommt. Die natürliche Einschränkung der Wühlmausvermehrung dürfte hauptsächlich

durch das Wetter und durch Raubtiere (Wiesel und Raubvögel) erfolgen; Nahrungsmangel kommt

wohl kaum jemals in Frage.

            Die Wühlmaus legt im Boden ein weit verzweigtes Gangsystem an, das der erfahrene

Fänger von dem des Maulwurfs gut unterscheiden kann. Die Gänge laufen oft so tief, dass sie

oberirdisch nicht bemerkt werden, z. B. in der Nähe der geschädigten Bäume. Der unterirdische

Bau enthält Vorratskammern und ein gut ausgepolstertes Nest, in dem die Jungen geworfen werden.

            Die Bekämpfung der Wühlmaus kann durch Abschießen der Tiere am geöffneten Gang, durch

Giftköder, durch Vergasen und mit Hilfe von Fallen erfolgen. Am wirksamsten ist der Fang mit Fallen,

aber nur, wenn geübte Wühlmausfänger zur Verfügung stehen; von der Beteiligung ungeübter Personen

am Wühlmausfang ist bei der versteckten und schwer zu überblickenden Lebensweise der Wühlmaus

kein Erfolg zu erwarten.

            Die Wühlmausbekämpfung muss auf größeren Flächen gleichzeitig erfolgen, z. B, Gemeindeweise.

Zu ihrer Durchführung kann eine polizeiliche Verordnung erlassen werden. Diese kommt aber nur dann

in Frage, wenn Wühlmausfänger vorhanden sind und wenn die Gemeinden zur angemessenen Entlohnung

der Fänger verpflichtet werden. Die Barzahlung erfolgt zweckmäßig in Form von Prämien für die gefang=

enen Tiere. Maulwürfe sollten dabei nicht oder nur wesentlich geringer als Wühlmäuse prämiiert werden.

            Es gibt viele Modelle von Wühlmausfallen; die einfachsten Drahtfallen zum Preise von 10 Pfennig

sind in der Hand eines geübten Fängers völlig ausreichend.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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