Bad Grund im Harz im Jahre 1907

 

Herr Wilhelm Winter berichtet.

 

            Im Jahre 1906 legte ich aus Lust und Liebe und mit einigen Vorkenntnissen ausgestattet,

eine 2 Morgen große Obstplantage an – eine verrückte Idee, nannten es meine Mitbewohner –

und heute gehen sie an Sonntagen am Zaun entlang und nennen das Ding das Paradies! Das nicht

alles geraten, gleich geraten ist, brauche ich ihnen nicht zu sagen, ich habe aber mit viel Fleiß

und Ausdauer weiter gearbeitet und bin Dank Pekrun und Erfurter Führer auch weiter gekommen.

Nur eines machte mir seiner Zeit sofort Sorge und diese eine Sorge war nachhaltig – und der Name

heißt: Wühlratte.

            Die Anlage liegt am Bergeshang, von drei Seiten von Wald umgeben. Die Südseite begrenzt

eine Wiese, durch die ein Bächlein sich schlängelt. Sehr schöner Aufenthalt für Erdratten und von

dort her kommen die Biester immer wieder und probieren meine Pyramiden und Runkelrüben. Alles

andere lassen sie mir, aber gerade die Wurzeln der Obstbäume sollen sie in Ruhe lassen.

            Ich habe so ziemlich alles probiert, was da empfohlen wird – aber, besser wie anderen

Leuten ists mir auch nicht ergangen – ich war nie voll befriedigt, wenn die Verluste auch geringer

wurden, aber ganz wurde ich die Mäuse selten los.

            Jetzt habe ich jedoch ein Mittel, die Mäuse in kurzer Zeit los zu werden, bis wieder „Neue“

zuwandern. Dann beginnt der Kampf von Neuen und so fort. Mehr kann man nicht verlangen. Die

Sache ist die: Ich las: Karbid in den Gang, zudecken, anzünden. Ich probierte das aus, aber so ging

es nicht, aber die Sache konnte werden. Und so habe ich dann allerlei verbessert und verbessert und

nun geht die Sache.

            An die Gangvertiefung kommt eine handvoll Karbid, dann lege ihn mit einer leichten Eisen=

platte zu und schiebe von allen Seiten die ausgebuddelte Erde auf die Eisenplatte unter. Nun Wasser

in Loch Nr.1, zugekorkt und gewartet bis das Karbid nicht mehr zischt, dann den Hahn der Baum=

spritze geöffnet und das Gas in die Gänge gedrückt. Gleichzeitig wird ein Zeitungsblatt auf die Eisen=

platte gelegt, angezündet, Platte hoch! Und: ein Krach und Knall in allen Gängen. Schlagende Wetter,

die jedes Lebewesen töten müssen. Billig und äußerst einfach und ohne jede Gefahr für Menschen,

Baum und Strauch.

 

Nachfolgende Skizze von Herrn Winter zeigt die Vorgangsweise.

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beschreibung:

 

An die Gangvertiefung kommt eine handvoll Karbid, dann lege ihn mit einer Eisen=

platte zu und schiebe Erde an die Platte. Nun Wasser in 1, zugekorkt und wenn das Karbid

nicht mehr zischt, wird Zeitungspapier auf der Platte angezündet – dann Platte hoch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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