Gerasdorf 1912

 

Herr Adolf Häßler berichtet.

 

Mit Schießpulver gegen Wühlmäuse.

 

            Wer glaubt, dass die Erdratten aus den Wassergräben aufsteigen, irrt. Mit der

Wasserratte, die dort lebt, hat die Wühlratte nichts zu tun. Ich glaube im Gegenteil, dass

die unmittelbare Nähe des Wassers die Wühlmausgefahr eher mindert; jedenfalls habe

ich in meinem Privatgarten, der in seiner ganzen Länge von einem Bach umflossen wird,

der von Wasserratten wimmelt, noch nie den geringsten Schaden gehabt, und in allen diesen

Gärten, die an Wassernähe stoßen, tritt der gefürchtete Nager immer in der dem Wasser

abgekehrten, meist höher gelegenen Hälfte auf. Es dürfte wohl das allerwirksamste Mittel

gegen Wühlmäuse sein, den Garten nur eine Stunde unter Wasser zu setzen. Aber wer kann

das!

            Sehr wesentlich sprechen nach hiesigen Erfahrungen die Rüben – Mieten mit, die

den Tieren im Winter warme, trockne Schlupfwinkel und Nahrung in Hülle und Fülle geben.

Wenn dann diese im Frühling ausgeräumt werden, zerstreuen sich die Nager in das umliegende

Gelände. Man sollte darum in der Nähe der Gärten und gar in denselben das Ueberwintern

aller Wurzelgewächse vermeiden, wenn es irgend geht.

            Am gefräßigsten sind die Wühlmäuse im April und Mai. In diesen Monaten richten

sie an Obst ectr. hier immer den größten Schaden an, einmal, weil sie da noch nichts anderes

und besseres im Garten finden, zum andern, weil sie jedenfalls in dieser Zeit ihre Jungen

säugen.

            Nun habe ich zur Vertilgung der Nager eine gute Methode erprobt. Ich nehme eine

leere Patronenhülse, am besten ist eine aus Messing (Militär – Patronenhülse), kann auch eine

Patrone von einer Scheibenbüchse sein, da solche leichter zu beschaffen sind, bohre das

Bodenstück durch, stecke in dasselbe ein Stück Zündschnur, etwa 20cm lang, befestige diese

mit einem Stück Pech, welches ich in der Hand biegsam gemacht habe, lade die Hülse nun

richtig voll mit Schießpulver und gebe einen Papierpfropfen fest oben drauf. soll die Wirkung

stärker werden, so stopfe ich vorher nass gemachtes Papier darauf. Ich suche mir nun einen

Maulwurf oder Wühlmausgang, stecke in diesen die gefüllte Patrone hinein und lasse die

Zündschnur nur einige Zentimeter herausgucken. Bedecke alsdann alle Oeffnungen, die sich

etwa in den Gängen befinden, mit Erde und zünde nun die Zündschnur mit der brennenden

Zigarre oder dem Streichholz an. Siehe Abbildung.

 

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            Da die Sache ganz harmlos, ohne jede Gefahr verläuft, kann man dabei stehen bleiben.

Die Wühlmaus wird durch den Luftdruck und die entstehenden Gase sicher getötet. Die ab=

geschossene Patrone finden man auf demselben Fleck wieder, sie kann immer wieder verwend=

ung finden und man kann in ganz kurzer Zeit sein ganzes Revier von diesen Schädlingen befreien.

Da die meisten Gartenbesitzer gern schießen, so werden sicher viele dieses einfache und doch

wirksame Mittel versuchen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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