Unterschondorf am Ammersee im Jahre 1906

 

Gartenbaudirektor Konrad Hein berichtet.

 

Die von mir angewendeten Bekämpfungsarten sind dreierlei.

 

1.) Das Legen von Gift.

            Es ist dabei vor allem nötig, dass man hierzu Handschuhe anzieht, nicht dass man sich

selbst vor einer Vergiftung bewahrt, sondern dass die Tiere keine Witterung bekommen und die

Speise nicht annehmen. Ich röste Brotschnitten, bestreiche sie mit etwas Leberwurst und menge

ein klein wenig Strychnin darunter (Arsenik ist zu schwach), das man in der Apotheke gegen

Giftschein bekommt, öffne einen Gang der Wühlmaus, der ja ziemlich flach unter der Erde ver=

läuft und schiebe ein Stück Brot hinein, die Öffnung nach oben verschließe ich mit einem geknet=

eten Erdballen, der mir immer den Platz zeigt und ich infolgedessen nach einigen Tagen wieder

nachschauen kann, ob das Gift gefressen ist. Ich lege solange Giftbrot nach, bis es unberührt bleibt,

dass heißt, bis keine Scharrmaus mehr vorhanden ist.

 

2.) Das Schießen.

            Dies ist oftmals etwas langwierig, aber für den Gartenbesitzer doch ganz interessant. Ich

öffne einen Wühlmausgang so, dass das Loch nach Süden offen ist und das volle Tageslicht hinein=

scheinen kann und stelle mich mit dem Flobertgewehr so auf, dass ich das Loch beobachten kann.

Die Wühlmaus ist äußerst lichtscheu und nach kurzer Zeit schaut sie zum Loch heraus und schiebt

dann von innen dasselbe mit Erde zu, das ist der Augenblick zum Losdrücken und meist vergisst

sie das Nachhausegehen.

 

3.) Das Legen von Schwefelkohlenstoffkapseln.

            Diese Gelatinekapseln kennt man schon eine lange Reihe von Jahren, die Gelantinehülle

löst sich durch die Feuchtigkeit des Bodens auf, der Schwefelkohlenstoff durchdringt den Boden

und zerstört alle tierischen Lebewesen, den Pflanzenwurzeln schadet er nicht. Außer gegen die

Wühlmaus wird der Schwefelkohlenstoff noch mit ganz besonderem Vorteil zur Vernichtung von

Engerlingen angewendet. Auf den Quadratmeter muss man mit vier Stück Kapseln rechnen, die man

in 25 – 30 cm tiefe Löcher legt und wieder zutritt. Zur Vertilgung der Wühlmaus legt man die

Kapseln in die Gänge.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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