Schweiz / Andelfingen, im Jahre 1907

 

Der Berufsmauser Konrad Züllig berichtet.

 

Vertilgungsmittel.

 

1.) Fangen derselben mit Fallen.

2.) Aushacken derselben.

3.) Erschießen derselben.

4.) Ersäufen.

5.) Vergiften.

6.) Vertreibung mittelst widerwärtiger Substanzen.

7.) Künstliche Verbreitung ansteckender Krankheiten.

 

Fallen.

            Auch hier ist, wie beim Maulwurf, das Fangen mittelst Fallen das Beste.

 

Aushacken.

            Das Aushacken ist zeitraubend und selten lohnend. Man hat zu diesem Zwecke den Gang zu

öffnen und mit Haue oder Spatte davor zu warten, bis die Maus kommt, um die Oeffnung mit Erde

zu verstopfen.

 

Erschießen der Mäuse.

            Das wurde schon viel probiert. Dazu hat man den Gang zu öffnen, als ob man dem Verstopfen

abwarten wollte. Dann wird ein Strohhalm von 30 – 40 cm Länge in den Gang geschoben, so, dass er

vorne noch sichtbar ist. Der Schütze stellt sich nun mit geladener Flinte und gespannten Hahn einige

Schritte weit weg, doch in der Weise, dass er das Mausloch, resp. das einte Ende des Strohhalms be=

ständig sieht. Kommt dann nach einigen Minuten die Maus, so bringt sie die Füße mit dem Strohhalm

in Berührung, wodurch derselbe sich bewegt, was den Schützen zum Zielen veranlasst und sobald die

Maus sich unter der Öffnung zeigt, wird losgedrückt und – da liegt sie; doch nur wenn man sie getroffen

hat!!

 

Ersäufen der Mäuse.

            Das Mittel wird häufig mit Erfolg angewendet. Wo sich eine große Maus befindet, hat man nur

einen Gang zu öffnen und ein genügend Quantum Wasser oder Gülle hinein zu gießen und man muss ge=

wöhnlich nicht lange warten, bis die Maus herzuschwimmen gedenkt. Es gibt zwar auch Stellen, wo der

Versuch misslingt und ist daher nur in der Nähe der Häuser, in ebenem Lande zu empfehlen.

 

Vergiften der Mäuse und Maulwürfe.

            Der Versuch, Maulwürfe zu vergiften, hat mich schon viel Zeit und Mühe gekostet, und das

Resultat blieb mir bis dato immer das gleiche; Die Unmöglichkeit. Es lässt sich auch leicht erklären, wenn

man weiß, dass dieselben sich nur von lebenden Fleische ernähren und solches in vergiftetem Zustande

ihnen nicht leicht darzubringen ist. Oder wer wollte z. B. einem Wurm, Käfer oder Engerlinge so viel Gift

beibringen, dass es zur Tödtung eines Mauwurfes genügte, und derselbe so lange am Leben bliebe, bis er

vom Maulwurf gefunden würde? Möchte daher allen bisher in Zeitungen ausgeschriebenen Mitteln nicht den

geringsten Glauben schenken, und auch das Publikum vor Ankauf solcher Ware warnen.

            Mäuse hingegen, sowohl Spring – als auch große Mäuse, lassen sich vergiften und das durch ver=

schiedene Gifte. Da jedoch von hundert Mäusen vielleicht 20 – 30 das Gift nicht annehmen, sondern mit

Erde überstoßen, so ist dies auch nur an Orten, wo sie in großer Zahl vorhanden sind, als Erleichterung zu

empfehlen, und ist auch beim Zubereiten und Legen des Giftes etwelche Fachkenntnis nötig.

 

Vertreiben der Mäuse und Maulwürfe durch ihnen widerwärtige Substanzen.

            Auch in dieser Richtung wurden schon sehr viele Versuche gemacht: Legen von Glassplittern, Dornen,

Eisenspähnen, Petrol, Theer, Steinöl, stinkenden Fischen, toten Mäusen und Maulwürfen und so weiter. Wenn

es auch hie und da schon vorgekommen, dass eine Maus oder Maulwurf durch Legung einer der genannten Sub=

stanzen den gewohnten Platz teilweise oder ganz verlassen hat, so ist fragliches Tier vielleicht nur etwas vor=

wärts oder seitwärts gerückt oder hat in nächster Umgebung Quartier genommen, oder ist umgekommen; es ist

aber der Beweis nicht geliefert, dass das Mittel geholfen habe. Mehr aber, oder meistens, kommt es vor, dass

namentlich ein Maulwurf, wenn er in seinem Gange eine so widerwärtige Substanz trifft, einen Haufen Erde vor=

schiebt, dann einen Gang unten oder neben durch macht und auch von der anderen Seite Erde bringt, so dass der

widerwärtige Gegenstand ganz eingegraben und ihm nicht mehr hinderlich ist.

 

Künstliche Verbreitung ansteckender Krankheiten unter den Mäusen.

            Dieses Mittel wurde dem landwirtschaftlichen Verein Breslau angeraten, doch fehlte dazu die Anweisung.

In letzter Zeit wurde das mittelst dem Löfflir`schen Bazillus im Aargau und anderen Orten probiert, wobei sich

herausstellte, dass es auch unvollkommen und für die Nulmäuse nicht anwendbar ist.

            Der beste Mäusevertilger ist unstreitig anhaltend nasses Wetter, wie es im Winter etwa vorkommt. Durch

das Schneewasser, das in die Gänge fließt, müssen die Mäuse fliehen oder ertrinken oder werden krank und auf

diese Weise gehen zu Tausenden in kurzer Zeit zugrunde. Daher, wie bereits schon erwähnt, kommt es auch, dass

auf einem Wiesenkomplex, der im Herbst zu Hunderten Mäuse enthielt, im Frühjahr kaum ein Muster mehr davon

zu finde ist. Es trifft dies zwar nicht alljährlich zu; man kann sich also nicht darauf verlassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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