Maria Enzersdorf am 22.09.1942

 

Herr Wilhelm Cisotti berichtet.

 

Baldrianwurzeln und Rattengift.

 

            Ich habe Ihnen am 4ten dieses Monats wegen der Wühlmausplage geschrieben und

Ihnen mitgeteilt, dass alle angewandten Mittel, wie Zeliokörner und Paste, Schwefelpatronen

und Ausschwemmungen der Löcher, keinen Erfolg zeitigten und dass ich es nun mit Wühl=

mausfallen versuchen wollte. Da diese aber derzeit nicht zu haben sind, verfiel ich auf ein

einfaches Mittel, und dieses zeitigte einen 100prozentigen Erfolg. Von dem Gedanken ausgehend,

dass der Gestank der Baldrianwurzeln auf Mäuse dieselbe Anziehungskraft ausübt wie auf

Katzen, kaufte ich mir ein Paket Mors Rattengiftbrocken, wie sie alljährlich bei der Ratten=

bekämpfung verwendet werden, und 1/8 kg Baldrianwurzeln. Die Giftbrocken mischte ich unter

die Baldrianwurzeln und ließ sie 24 Stunden in einem geschlossenen Sackerl liegen, damit

sie den Duft der Baldrianwurzeln annehmen. Sodann rieb ich mir die Hände fest mit Baldrian=

wurzeln ab, sodass auch diese den Baldriangeruch annahmen. Ich gab nun in jedes Mauseloch

einen Brocken, öffnete jede anscheinend befahrene Röhre, gab in diese ebenfalls Giftbrocken,

denen ich vorsichtshalber noch ein paar Würzelchen Baldrian beilegte, damit der liebliche

Duft erhalten bleibt, und schloss die Gänge wieder vorsichtig. Am nächsten Tag war schon kein

neues Mauseloch und keine frische Aufwühlung mehr im Garten zu sehen, und heute sind es

schon 18 Tage, und noch immer zeigt sich keine Spur von einer Wühlmaus! Ich nehme also an,

dass mein Gedankengang richtig war und die Mäuse den Giftköder angenommen haben.

            Sollte dieses einfache Mittel nicht allgemein bekannt sein, so stelle ich es Ihnen anheim,

Ihre Leserschaft hiervon zu verständigen, beziehungsweise selbst Versuche damit anzustellen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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