Mürzsteg, Scheiterboden 22, im Jahre 1938

 

Oberförster Leopold Höll berichtet.

 

Wühlmaus.

 

            Wenn im Frühjahr die Bäume schlecht oder nicht treiben, ist in vielen Fällen die

Ursache: Ihre Wurzeln wurden über dem Winter von der Wühlmaus, Scharmaus (Arvicola

amphibius) abgefressen. Der Fraß ist häufig so stark, dass keine Wurzel verblieben ist und

die Bäume wie Bohnenstangen aus dem Boden gezogen werden können. In solchen Fällen

ist nicht viel zu retten. Man kann die Stämme mit Moos umwickeln, die Kronen zurück

schneiden, die Wurzelklumpen glatt schneiden und neu pflanzen. Der Erfolg ist aber zweifel=

haft. Sicherer ist er, sobald den Bäumen noch einige Wurzeln geblieben sind.

            Die wichtigste Frage ist immer die: Was tun gegen den Feind? Es gibt gegen ihn eine

große Zahl von Mitteln. Fallen, Pulver und Blei, Gift und Rauch. Mit allen ist der Kampf

schwierig und nur derjenige wird der Wühlmaus Herr, der ihr mit mehreren Mitteln ebenso

zähe, wie energisch zu Leibe geht. Und die Aufmerksamkeit darf wie bei einem guten Jäger

nie erlahmen, weil jeder Tag eine neue Einwanderung aus umliegenden Wiesen bringen kann.

            Die erste Abwehr gegen Wühlmäuse lässt sich bei der Pflanzung treffen, indem man

den Baum in einem großen engmaschigen, auch oben und unten geschlossenen verzinkten Draht=

korb pflanzt, welcher die Wühlmäuse von der Wurzelkrone abhält und jungen Bäumen, denen

sie am gefährlichsten ist, eine ruhige Entwicklung gestattet.

            Um nicht jeden einzelnen Baum schützen zu müssen, kann man auch das ganze Gelände,

sofern es in einer Wühlmaus verseuchten Gegend liegt, mit einem engmaschigen Drahtgeflecht

derart schützen, dass das Drahtgeflecht 50 cm tief in den Boden gelassen wird und 30 cm

über demselben herausragt.

            Die Fallen sind für Wühlmäuse wie bei der Raubwildjagd von verschiedenster Art.

Erfolg damit hat nur derjenige, welcher sie mit verwitterten Händen geschickt aufstellt. Man

kann Wühlmäuse in gewöhnlichen Zangenfallen (Maulwurfsfallen) fangen; verwendet aber

häufiger Drahtfallen. Die Fallen werden vorsichtig aufgestellt und durch einen Draht oder Stab

gegen das Verschleppen durch nächtlich durchstreifendes Raubwild gesichert. Alle Drahtfallen

brauchen dauerhafte Aufmerksamkeit, da die Wühlmaus auch an ihnen ungeschoren vorbeizu=

kommen weiß, ohne von diesen geschnappt zu werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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