Wien 1926

 

Regierungsrat Dr. Karl Miestinger trägt vor.

 

Arvicola scherman scherman Shaw.

 

            Die große Wühlmaus auch Wasserratte, Moll oder Schermaus genannt, die die Nähe

von Wässern bevorzugt. Sie ist oberseits braun bis schwarzgrau, unterseits heller, jedoch nicht

weiß; die Farben gehen allmählich ineinander über. Körperlänge bis 17, Schwanzlänge bis 10 cm.

            Zum Unterschied von der Feldmaus hat die große Wühlmaus keine offenen Löcher. Ihre

Erdhaufen sind flacher und grobscholliger als die des Maulwurfes und dabei häufig von entwurz=

elten Gräsern durchsetzt. Sie liegen auch nicht wie beim Maulwurf über dem Gang, sondern mehr

oder weniger weit seitlich von demselben entfernt. Die Wühlmausgänge, die oft dicht unter der

Erdoberfläche verlaufen, so dass der Boden über denselben rissig und gehoben erscheint, dringen

aber auch in ziemliche Tiefe vor; so wird das Nest bis zu 50 cm tief im Boden angelegt. Im Quer=

schnitt erscheint der Gang nicht kreisrund wie der des Maulwurfes, sondern breiter als hoch. Seine

Wände sind weniger glatt und zeigen häufig die Abdrücke der Nagezähne als paarige. 1 bis 1½ cm

lange, zirka 1 mm breite Streifen, die in befahrenen Gängen deutlich erkennbar sind und scharfe

Ränder aufweisen.

            Der Fraß der großen Wühlmaus dringt immer mehr oder weniger tief in den Holzkörper ein,

so dass schwächeres Material oft auch ganz durchbissen werden kann.

            Die Schädigung an den Obstbäumen erfolgt meist im Spätherbst oder im Winter, da sich die

Wühlmaus den Sommer über in Gemüsekulturen und in Feldern, besonders in Kartoffelfelder aufhält.

 

                                                           Bekämpfung.

 

            Gegen die großen Wühlmäuse hat sich am besten der Fang mit Zangenfallen bewährt, die in

den frisch eröffneten, noch befahrenen Gängen – kenntlich an den deutlichen Abdrücken der Nage=

zähne in der Wand sowie daran, dass keine oder nur wenig frisch nachgewachsene Wurzeln vor=

handen sind – in den Morgen oder Abendstunden ausgelegt werden sollen.

            Zuerst wird mittels des sogenannten Suchers, einer am unteren Ende kugelig verdickten und

oben mit einem Griff versehenen Eisenstange, ein Wühlmausgang aufgesucht, indem man das Werkzeug

in kurzen Abständen in den Boden sticht. Das Erdreich bietet hiebei einen gewissen Widerstand, der

fehlt, wenn man auf den Gang stößt. Der Gang wird nun durch Ausheben der Erde freigelegt, beiderseits

mittels eines Löffels ausgeräumt und von herabfallenden Erdbrocken gereinigt. Man führt dann beiderseits

die Fallen, die man vorteilhaft durch Einreiben mit Erde verwittert, mit seitlich gelegten Schenkeln

bis zum Stellring in den Gang ein und deckt dann die entstandene Oeffnung mit einem Rasenziegel so

zu, dass die Falle von diesem nicht berührt wird und dass wohl Luft, nicht aber Licht zutreten kann.

Auch die derzeit erhältlichen Doppelzangenfallen, die das Auslegen einer zweiten Falle auf der anderen

Seite des Ganges erübrigen, sollen sich nach Angaben der Praxis gut bewährt haben.

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

Einfach gestellte Zangenfalle.

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Möglichkeiten.

 

             Das Ausstechen oder Schießen der Wühlmäuse wird am besten gegen 6 Uhr abends vorge=

nommen, nachdem man den Gang freigelegt hat.

 

Wird Gift verwendet, das auch gegen die anderen Wühlmäuse wirksam ist, so empfiehlt es sich,

vorher durch Auslegen verschiedener unvergifteter Köder – ebenfalls in den Gängen – vorerst festzu=

stellen, welche Köder angenommen werden. Zum Vergiften der Wühlmäuse wird entweder mit Strychnin

vergiftetes Getreide, das vorteilhaft mit etwas Anis oder Petersilienöl bespritzt wird, mittels Löffels

oder besser mittels eigener sogenannten „Mäuseflinten“ ausgelegt, oder man nimmt vergiftete Wurzelstücke

von Schwarzwurzeln, Sellerie, Petersilie, auch Löwenzahn und anderdem. Die Stücke werden ausgehöhlt,

und das mit dem fein zerschnittenen Köder vermengte Gift, Arsenik, Strychnin, weißer Phosphor, in kleiner

Menge in die Höhlungen gegeben, die dann wieder überdeckt werden. Auch die derzeit im Handel erhältliche,

zur Mäuse und Rattenbekämpfung verwendete Zeliopaste dürfte gegen Wühlmäuse wirksam sein.

            Diese Giftbrocken müssen, damit nicht eventuell andere Tiere zu denselben gelangen können, mög=

lichst tief in die Gänge ausgelegt werden. Auch der für andere Tiere unschädliche Mäusetyphusbazillus kann

verwendet werden, doch ist in diesem Falle die Auswahl eines geeigneten Köders von besonderer Bedeutung,

da der Bazillus, wenn der Köder nicht vor dem Austrocknen angenommen wird, abstirbt und unwirksam wird.

Die im Handel erhältlichen Barytpillen sind, wenn sie von den Wühlmäusen gefressen werden, von guter

Wirkung. Sie können nach folgendem Rezept (nach Holler) selbst hergestellt werden: 30 g kohlensaurer Baryt,

100 g Maismehl, 50 g Weizenmehl werden mit Wasser vermischt und zu einem Teig geknetet. Diese Menge

reicht für zirka 450 Pillen, die vor dem Auslegen mit etwas Anis oder Petersilienöl bespritzt werden. Auch

die im Handel erhältlichen Sokialkuchen werden empfohlen.

 

            In bindigen Böden hat sich auch Schwefelkohlenstoff bewährt. Lappen werden damit durchtränkt und

in die Gänge eingeschoben, die dann sofort geschlossen werden müssen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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