Planegg vor München, September 1938

 

Dr. H. W. Frickhinger beschreibt das Wühlmausproblem.

 

Arvicola terrestris L., Arvicola terrestris schermann Shaw.

 

            Als Schädling des Obst und Gemüsebaues ist die Wühlmaus gefürchtet; sie plündert

die Knollen der Gemüsepflanzen und ist ein Wurzelschädling der Obstbäume. Durch abbeißen

der Wurzeln, besonders junger Pflanzen stiftet die Wühlmaus den größten Schaden. Sie zieht

pflanzliche Stoffe als Nahrung tierischer Kost vor. An Größe erreicht die Wühlmaus etwa die

der Ratte. Den Winter verbringt sie in ihren Erdhöhlen, im Frühjahr stürzt sie sich mit Gier auf

die jungen saftigen Wurzeln und beißt sie durch. Auch bei der Wühlmaus ist die Vermehrung

eine sehr große, 3 – 4mal kann man in den unterirdischen, warmen, weich ausgefütterten Nestern

2 – 7 Junge vorfinden, die in kurzer Zeit heranwachsen und bald auch ihrerseits Schaden stiften.

Die Wühlmaus hat einige natürliche Feinde, so Wiesel und Iltis, Katze, Waldkauz und Schleier=

eule und unter anderem mehr.

Der Möglichkeiten der Bekämpfung dieses Schädlings gibt es eine ganze Reihe. Neben

dem Abfangen in Fallen, von denen besonders mit der Attenkoferchen Wühlmausfalle recht gute

Erfahrungen vorliegen. Im Handel sind mehrere Gasapparate, mittels denen die Gaspatronen

(Lepit-Hora-Patronen usw.) in die Wühlmausgänge eingeblasen werden. In ebenem Gelände

sind damit Erfolge zu erzielen, in hängigem Gelände ist die Möglichkeit gegeben, dass ein Gang

der Wühlmaus von dem Giftgas nicht getroffen wird und ein oder das andere Tier damit dieser

Vernichtungsart entgeht.

            Als Giftköder eignen sie hauptsächlich Sellerieknollen oder gelbe Rüben, auch Johannis=

brot oder Haferflocken werden empfohlen. Die Knollen werden in dünne Scheiben zerschnitten

oder ausgehöhlt und mit dem Giftpräparat, es wird dazu wohl in der Hauptsache Zelio – Giftpaste

verwendet, bestrichen. Zwei der giftbestrichenen Scheiben werden zusammengepresst, zweck=

mäßig auch zum besseren Halt mit einem kleinen Stäbchen durchstochen und dann in den Gang

der Wühlmaus eingelegt. Wichtig ist, dass der Gang wieder geschlossen wird, mit einem Rasen=

stückchen, einem mit Erde überdeckten Brett oder ähnlichem. Das Verfahren muss alle paar Tage

so lange wiederholt werden, bis kein Giftköder mehr angenommen wird, erst dann kann man die

Sicherheit haben, dass keine Wühlmaus lebend dieses Verfahren überstanden hat. Die günstigste

Zeit der Wühlmausbekämpfung ist der späte Herbst oder das zeitige Frühjahr. Durch Beträufelung

der Köder mit einem Tropfen Baldrian oder Anisöl wird die Fängigkeit der Köder erhöht.

            Das von verschiedener Seite für den Wühlmauskampf empfohlene Anpflanzen von kreuz=

blättriger Wolfsmilch (Euphorbia Lathyris L.) hat keinen Wert. Dasselbe gilt auch für den oft emp=

fohlenen Schutz des Wurzelsystems von Jungbäumen durch Eingraben von Glasscherben oder

dornigem Gestrüpp, womit das grabgewandte Tier in kürzester Zeit fertig wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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