München – Wien, 18 März 1941

 

Dr. H. M. Frickhinger erzählt.

 

     Meine persönlichen Erfahrungen bei der Wühlmausbekämpfung

 

            Die Wühlmaus ist einer der schlimmsten Schädlinge des Obstgartens. In Gegenden,

die von diesem Nager verseucht sind, kann man Jungpflanzen nur sehr schwer und nur unter

großen Opfern hochbringen, und auch die Gemüsebeete im Hausgarten, in denen Wurzelge=

müse angebaut werden, stehen in ständiger Gefahr, von der Wühlmaushorde gezehntet zu

werden.

 

Versuche und Vergleiche.

 

            Das Grenzland zwischen der Ostmark und Bayern auf der bayrischen Seite hat von

jeher als sehr wühlmausgefährdet gelten müssen. Es ist daher nahe liegend, dass wir dieses

Gebiet zu einem großangelegten Versuche wählten, der mit den verschiedensten Möglichkeiten

der Wühlmausbekämpfung vom damaligen oberbayrischen Kreisverband des bayrischen

Landesverbandes für Obst und Gartenbau angestellt werden konnte.

            Das Gebiet wurde in drei Teile eingeteilt, in deren nördlichem die Wühlmaus mit

Fallen, in deren mittlerem sie mit Gasen und in deren südlichem sie mit Giftködern bekämpft

werden sollte. Die einzelnen Bekämpfungsleiter – das südliche Gebiet war mir unterstellt –

haben gegenseitig die drei Gebiete mitbesichtigt, ihre Erfahrungen ausgetauscht und somit eine

sehr fruchtbare Arbeit in der Beurteilung der verschiedenen Verfahren leisten können.

            Um es gleich vorwegzunehmen, das Ergebnis war die Feststellung, dass mit allen drei

Verfahren der Wühlmaus erfolgreich zu Leibe gerückt werden kann, wenn auch die Anwend=

ungsmöglichkeit für die drei Verfahren eine verschiedene war. Der Erfolg in der Fallenbe=

kämpfung zeigte sich immer wieder abhängig von der Kunstfertigkeit des Fallenstellers. Es

gab und gibt hier Fachleute, die ohne alle Vorsicht eine Falle in einen Wühlmausgang hinein=

geben können, bei der man geradezu darauf warten kann, bis eine Wühlmaus in der Falle ist.

Hier klappt alles tadellos. Bei anderen Fängern dauert es länger, die Ergebnisse sind weder

so prompt noch so gut. Kurz und gut, die Fallenstellerei muss man eben können, wer damit

keine Erfahrungen hat, wird manches Lehrgeld zahlen müssen.

 

Gasangriff auf die Wühlmaus.

 

            In ebenem Gelände erwies sich auch die Gagbekämpfung als sehr gut, wenngleich

mehrfach die Beobachtung gemacht werden konnte, dass die Wühlmäuse beim ersten Anzeichen

des herannahenden Gases immerhin noch soviel Geistesgegenwart besitzen, dass sie die gefähr=

deten Gänge durch Aufwerfen von Erdwällen abriegeln, sodass sie selbst von den Gasen nicht

erreicht werden. Diese Methode verspricht – vom Standpunkt der Wühlmaus aus – besonders

da viel Erfolg, wo das Gelände hängig ist. Wir wollen es dahingestellt sein lassen, ob die Wühl=

maus hier das aktive Hindernis für die Wirkung des Gases ist oder ob die Schwere der Gase

ihr Eindringen in die oberen Gangteile verhindert. Sicher ist, dass mit Gasen hier nicht immer ein

durchschlagender Erfolg erzielt werden konnte.

 

    Baldrian als Lockmittel.

 

            In der Köderbekämpfung habe ich folgende Maßnahme als seit Jahren erprobte Methode

angewandt. Ich schnitt Sellerie und gelbe Rüben in kleine Schnitten, bestrich diese mit der aus der

Rattenbekämpfung her bekannten Zeliogiftpaste, legte zwei Scheiben gegeneinander, befestigte sie

durch Hindurchstecken eines kleinen Zweigstückes und legte diese Köder, mit einem Tropfen

Baldrian beträufelt, in die vorher vorsichtig geöffneten Wühlmausgänge, die wir als befahren fest=

gestellt hatten. Die Gänge wurden wieder vorsichtig verschlossen, es kam ein kleines Brett darüber,

dass mit dem vorher ausgehoben Grasausschnitt überdeckt war.

            Auf die Beträufelung mit Baldrian, die sich ganz ausgezeichnet bewährt hat, bin ich auf folg=

ende Weise gekommen. Ich hatte in einem oberbayrischen Landesstädtchen einen Vortrag gehalten,

hatte die von mir immer geübte, obengenannte Methode der Giftköderbereitung erzählt und wurde in

der Diskussion von einem alten Lehrer darauf aufmerksam gemacht, dass er die Köder immer mit einem

Tropfen Baldrian beträufle und damit recht gute Erfahrungen gemacht habe. Er sei durch einen Zufall

darauf gekommen. Er sei herzleidend, und einmal sei ihm, gerade als er den Köder bereitete, übel ge=

worden, seine Tochter sei gleich nach dem Baldrianfläschchen gelaufen, hätte ihm einen Tropfen davon

auf en Stückchen Zucker geträufelt, und dabei sei wohl auch etwas auf den Giftköder getropft. Der alte

Herr hatte gleich gemerkt, dass dieser Köder besonders schnell angenommen wurde. Er ging der Sache

nach und erzielte seither die allerbesten Erfahrungen mit Baldrian.

            Auch ich ging der Sache nach, ich hatte bei dem kurz nachher durchgeführten Großversuch ja

reichlich Gelegenheit dazu und konnte die guten Erfahrungen voll und ganz bestätigen.

            Mit dieser Ködermethode ist man unabhängig von dem Gesicht der Landschaft, in der Ebene wie

im hängigen Gelände ist sie anzuwenden und erfolgreich.

            Der günstigste Zeitpunkt für die Wühlmausbekämpfung ist der ausgehende Winter. Während der

Winterzeit ist Schmalhans Küchenmeister bei dieser lästigen unterirdischen Sippe. Zu Ausgang des

Winter ist deshalb der Hunger der Wühlmaus nach neuer, frischer Kost besonders groß. Bieten wir ihr

da einen von den bevorzugten Ködern an, wie eben gelbe Rüben oder Sellerie (auch Johannisbrot nimmt

die Wühlmaus gern an, aber das hat man jetzt nicht), dann kann der Erfolg, wenn wir keine groben Fehler

machen, eigentlich gar nicht ausbleiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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