Posen, 22 Juli 1941

 

Herr K. J. Maurer berichtet.

 

Verschiedene Möglichkeiten zur Beseitigung der Wühlmaus.

 

            Zur Beseitigung der Wühlmausplage, soweit es sich natürlich nicht um den Maulwurf

handelt, gibt es eine Reihe wirksamer Methoden. Denn die Wühlmaus nährt sich nicht nur von

den Wurzeln der Obstbäume, die sie benagt, sondern kann auch im Gemüsegarten großen

Schaden anrichten. Sie benagt die Wurzeln von Rüben, Karotten, Kohl, Salat, Erdäpfeln und so

weiter. Sie ist in ihrer Pflanzenkost nicht sehr wählerisch. Die Bekämpfung dieses Schädlings ist,

wie es manchmal fälschlich angenommen wird, durch Aushungerung nicht möglich, denn die Tiere

finden immer irgendwo etwas Nahrung, und wenn sie aus den Gärten vertrieben werden, so lassen

sie sich an Stellen nieder, wo sie weniger belästigt werden, zum Beispiel an Flussufern usw. Ein

wirksamer Erfolg in der Wühlmausbekämpfung kann nur dann eintreten, wenn sich eine ganze Ge=

meinschaft zur Bekämpfung zusammenschließt. Der einzelne steht der Wühlmausplage mehr oder

minder machtlos gegenüber. Er kann die Tiere nur kurze Zeit von seinem Grundstück fernhalten,

die Tiere wandern nach Abschluss der Bekämpfung immer wieder zu. Wenn sie die Bekämpfung

alleine auf ihrem Grundstück durchführen wollen, werden sie nur dann Erfolg haben, wenn sie

ständig Bekämpfungsmaßnahmen durchführen. Sobald sie damit aufhören, erfolgt Zuwanderung aus

der Umgebung. Zur Bekämpfung der Wühlmaus kommen vier verschiedene Methoden in Frage. Bei

allen ist jedoch Grundbedingung, dass die Baue und Gänge aufgesucht und frei gelegt werden.

 

1.) Fallen.

            Diese eignen sich besonders für die Wühlmausbekämpfung auf kleineren Grundstücken. Von

den Fallen sind zwei Arten besonders geeignet. Die Röhrenfalle und die Bügelfalle. Die Bügelfalle

wird beködert, die Röhrenfalle unbeködert sorgsam in einen waagrechten, befahrenen Wühlmausgang

eingebracht und eingebaut. Beide Fallen fangen beidseitig. Sie sind für lockere Böden geeignet und

verhindern durch ihre Bauart, dass die Erde bei den ausgegrabenen Stellen in die Wühlmausgänge

fällt und diese so verlegt. Alle näheren Einzelheiten sind aus der jeweils der Falle beigelegten Ge=

brauchsanweisung zu entnehmen, die besonders genau zu beachten ist, da die Fallen nur bei richtiger

Handhabung Erfolg bringen.

 

2.) Giftgase.

            Außer durch Fang mit Fallen können die Wühlmäuse auch durch Giftgase vernichtet werden.

Diese werden durch Abbrennen von sogenannten Räucherpatronen erzeugt. Da die Gänge der Wühl=

maus oft sehr verzweigt sind, ist es notwendig, einen Vergasungsapparat mit angeschlossener Luftpumpe

zu verwenden, um so einen sicheren Erfolg auch bei weitverzweigten Bauen zu erzielen. Die früher

üblich gewesene Anwendung von Phosphorkalziumbrocken zur Wühlmausbekämpfung ist verboten!

 

3.) Giftköder.

            Wird die Wühlmausbekämpfung gemeinsam durchgeführt, so eigenen sich hierzu gute Giftköder.

Zu diesem Zweck werden Erdäpfel, Zuckerrüben, allenfalls Karotten oder Äpfel der Länge nach aus=

einandergeschnitten, in der Mitte etwas ausgehöhlt, und in diese ausgehöhlten Schnittflächen streicht man

ein pastenartiges Gift. Solche amtlich geprüfte Mittel sind: Delicia=Giftox, Lepi=Pulver, Rumetan und

Talpan. Sind nun wie oben beschrieben, die beiden Teile des Köders mit einem Gift bestrichen, so

werden diese mit einem dünnen Holzstäbchen, zum Beispiel mit einem Zahnstocher, mit den Schnittflächen

aneinander wieder zusammengeheftet. Dieser vergiftete Köder ist nun möglichst tief in den geöffneten

Wühlmausgang einzubringen, jedoch ist bei dieser Arbeit zu beachten, dass der Giftköder nicht mit Erde

verschüttet wird, da er sonst nicht angenommen wird. Der Gang ist sodann sorgfältig zu verschließen. Die

Stellen, an denen Gift ausgelegt wurde, sind mit einem Stock, einem Stein usw. zu kennzeichnen und mind=

estens jeden zweiten Tag nachzusehen. Außerhalb der Baue herumliegende Gifte und Ködermittel sind

sofort zu beseitigen und zu vernichten, da die Mittel auch für Menschen und Tiere gefährlich sind. Besondere

Vorsicht ist in diesem Zusammenhang mit kleinen Kindern geboten. Auch das Giftmittel selbst ist sorgsam

versperrt und deutlich gekennzeichnet zu verwahren.

Da die Wühlmäuse eine feine Witterung besitzen, ist es zweckmäßig, die Köder nicht mit bloßer

Hand anzugreifen. Der Erfolg der Köder ist ein größerer, wenn die Ködermittel ständig gewechselt werden.

Zum Beispiel zuerst Erdäpfel, dass nächste Mal Karotten und so weiter. Bezüglich der Vernichtung der toten

Tiere und näherer Einzelheiten der Durchführung verweise ich auf die jedem Mittel beiliegende Gebrauchs=

anweisung, die genau zu beachten ist.

 

4.) Giftgetreide.

            Auch durch Auslegen von Phosphidgetreide in die Baue können die Wühlmäuse bekämpft werden.

Das Auslegen geschieht mit eigenen Legeflinten. Amtlich geprüfte Giftgetreide gegen Wühlmäuse sind: Delicia=

Giftkörner, Neuphorogetreide usw. Diese Mittel sind in Fachgeschäften und größeren Drogerien erhältlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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