Graz, 12 Mai 1942

 

Der Berufsmauser Josef Eder berichtet.

 

      Erfahrungen eines Wühlmausfängers.

 

Seitdem mein Bild mit dem großen Mausfang 1941 in einer Zeitung erschienen ist,

sind viele Anfragen aus Dresden, Innsbruck, Salzburg und anderen Orten eingelaufen, die

zeigen, dass bei der Bekämpfung der Wühlmaus noch große Mängel herrschen.

            Weil ich aber nicht jedem antworten und noch weniger jedem die Mäuse wegfangen

kann, wie es manche verlangen, so will ich einige Zeilen darüber schreiben, was bei der Be=

kämpfung der Wühlmaus zu beachten ist, um einen Erfolg zu haben.

            Vorwegnehmen will ich, dass alle Bekämpfungsarten von Erfolg sind, wenn sie richtig,

zeitgerecht und zweckentsprechend durchgeführt werden, das heißt, es darf nicht auf Wühlmaus

behandelt werden, wenn nur Feldmäuse oder gar nur Maulwürfe vorhanden sind, ebenso wie

ein Arzt einen Magenkranken nicht auf Knochenbruch behandeln kann. Weiters sind Giftköder

nur im Notfall zu verwenden, weil sie nicht gern angenommen werden. Die teuren Räucher=

patronen wiederum sollten nur verwendet werden, wo bestimmt eine ganze Brut vernichtet

werden kann.

            Ob aber Fallen gelegt werden oder Giftköder, oder ob geräuchert wird, eines ist unerläß=

lich und Vorbedingung für einen Erfolg; die richtige Feststellung eines bewohnten Mausbaues.

Dabei lernt man Unterschiede in der Lebensweise von Maus und Maulwurf kennen, der als

fleißiger Insektenvertilger zu schonen ist. Wenn er durch zu vieles Wühlen lästig wird, kann er

ja mit Petroleumfetzen oder Karbid oder anderem vertrieben werden. Häufig werden Schäden

der Maus dem Maulwurf in die Schuhe geschoben. Bei dieser Gelegenheit verweise ich noch

auf die überaus nützlichen Wiesel und Igel, die uns in der Bekämpfung der Maus unterstützen.

            Zuerst sind verschiedene äußere Zeichen und Schäden zu beachten, wie angenagtes Gemüse,

angenagte Rüben, Kartoffeln, abgenagte Bäume und andres. Dann sieht man schon zeitlich im Spät=

winter – oft schon unterm Schnee – viele kuppelförmige, feinkrümelige Haufen, die genau über dem

Gang liegen. Die rühren vom Maulwurf her.

            Die Wühlmaus beginnt erst mit Fortschreiten der wärmeren Jahreszeit – um die Heuzeit

herum – frisch auszuwerfen. Ihre Haufen sind anfangs klein, später sehr groß, aber immer ungleich,

länglich, niedrig, oft verzettelt, grobschollig, die Erde mit Wurzeln untermischt, und mehr oder

weniger vom Gang entfernt.

            Sind keine äußeren Zeichen sichtbar, so müssen die Gänge gesucht werden, wozu ein eiserner

Spazierstock mit verdickter Spitze dient. Damit wird der Boden abgestochert. Wenn ein Gang getroffen

wird, so fällt der Stock hinein. Dann wird der Gang mit einem Mausermesser geöffnet und untersucht.

Ist er rund, rein ausgeputzt, höchstens 5 cm breit, sind im Inneren die Wurzeln an die Wände gedrückt,

so ist’s ein Maulwurfgang. Ist der Gang aber größer, oval, ungleich, sind Erdkrümel am Boden, sind

die Wurzeln abgebissen, so ist’s ein Mausgang. Bei feuchtem bündigem Boden sind in den Gängen die

Spuren der Krallen, beziehungsweise der Nagezähne zu sehen. Befinden sich aber im Gang Steine, Erde,

Schneckenschleim oder selbst Schnecken, hängen Wurzeln durch den Gang, so ist es ein unbewohnter Gang.

            Wird ein von der Wühlmaus bewohnter Gang geöffnet, so wird eine und oft auch die zweite Seite

von der Maus in kürzester Zeit verstopft, weil sie Zugluft nicht leiden kann. Wohnt hingegen ein Maulwurf

darin, so wird der Gang bloß ausgebessert, wobei mehr oder weniger Erde ausgeworfen wird.

            Nun geht es an die Bekämpfung. Dabei ist zu beachten, dass die Wühlmaus ein sehr gutes Witterugs=

vermögen besitzt, weshalb meist mit bloßen, reinen Händen nicht gearbeitet werden soll. Für Erschütterung,

Lärm, Tabakrauch ist sie ebenfalls sehr empfindlich, weshalb Raucher niemals so viel Erfolg haben werden

wie Nichtraucher.

 

Wie den Mäusen am Besten beizukommen ist.

 

            Am einfachsten, billigsten und sichersten ist das Fangen mit den sogenannten Schweizer – Fallen, die

man vor Gebrauch in feuchter Erde anrosten lässt. Dann putzt man den Gang mit der Falle aus, gleichzeitig

mit den Zinken prüfend, ob der Gang wenigstens 25 cm geradeaus verläuft. Ist eine Krümmung oder Kreuzung,

so muss weitergegraben werden. Dann drückt man die Falle bei der breitesten Stelle zusammen. Sodann wird

der Ring zwei Finger breit hinter den Zinken zwischen die Schenkel geschoben, und zwar so, dass er bei der

geringsten Berührung umfällt. Hierauf wird die Falle mit den Zinken nach aufwärts und bis zur Schenkelkreuzung

in den Gang gelegt. Zu beachten ist ferner, dass die Maus nicht zwischen Falle und Wand vorbei kann. Sodann

wird ein Stab bei der Kreuzung in den Boden gesteckt, als Kennzeichen und damit die Falle nicht verschleppt

werden kann. Dann wird ein dünner Rasen mit dem Gras nach innen darüber gelegt, damit kein Licht, aber wohl

Luft eindringen kann, weil dann die Maus um so rascher kommt, was bei stürmischen Wetter um so mehr der

Fall ist.

 

Die beiden dazugehörenden Bilder stammen alle vom Maler Leo Friedrich.

 

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Aufgerichtete Wühlmausfallen.

 

 

 

 

 

 

 

 

            Bei Verwendung der Wühlmauskanone fällt die ganze Vorsicht weg, weil Licht in den Gang dringen

kann und soll, damit die Maus mit Erde kommt und durch Anstoßen an den Ring den Schuss auslöst.

            Bei Verwendung von Räucherpatronen ist zu beachten, dass nicht alle gegen Wühlmäuse wirksam sind,

wenn sie auch als solche angepriesen werden. Es müssen besonders große, sehr rasch abbrennende Patronen

sein, da sonst die Maus den Gang unterbricht und verwühlt. Man verlange unbedingt von den Planzenschutz=

ämtern empfohlene Patronen.

            Beim Fang mit Fallen und Kanonen haben wir auch die Sicherheit, dass wieder Mäuse vernichtet worden

sind, was bei den anderen Bekämpfungsarten nicht der Fall ist.

            Die kurzohrige Erdmaus ist viel kleiner als die Wühlmaus, verursacht aber ähnliche Schäden. Ihre Gänge

sind klein und tief verlaufend und münden steil noch oben in offene Löcher. Verschließt man solche Löcher, so

werden sie in längerer Zeit wieder geöffnet oder neue entstehen, wenn der Bau bewohnt ist.

            Die Feldmaus hat seicht verlaufende, kurze Gänge, die schief nach oben in offene Löcher münden, die

meist durch Fraßspuren miteinander verbunden sind, wenn sie bewohnt sind. Die Wiesen sind oft siebartig durch=

löchert. In solche Fraßspuren stellt man neben die Löcher kleine Klappfallen mit Köder und stürzt Kisten darüber,

oder man legt Giftköder oder Giftkörner.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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