Sankt Pölten im März 1941

 

Der Obst und Gartenbauinspektor Rudolf Brezina berichtet.

 

Wie ein zünftiger „Wühlmauser“ arbeitet.

 

                                               70 Wühlmäuse an einem Tag.

 

            In dem obstbaulich bedeutenden Landkreis Sankt Pölten ist die Wühlmausplage so

groß, dass dort gemeindeweise die Obstkulturen durch diesen unterirdischen Schädling ernst=

lich gefährdet sind. In einzelnen Obstgärten ist es so arg, dass die Bäume schon nach zwei

Jahren wieder ersetzt werden müssen. In einer Obstanlage zogen wir die Bäume wie Stangen

aus dem Boden, die Wurzeln waren zum Teil bis auf den Wurzelhals abgefressen. In einer

anderen Gemeinde war gartenweise die gesamte Gemüsekultur in Frage gestellt. Diese trau=

rigen Erfahrungen erwogen die Landesbauernschaft, einen zünftigen Wühlmauser aus Ober=

donau für einige Wochen zu verpflichten, mit dessen Hilfe ich im vergangen Herbst in

einzelnen Gemeinden praktische Kurse über die Bekämpfung dieses Schädlings mittels

Zangenfallen veranstaltete.

 

 

Das Werkzeug des Wühlmauser.

Textfeld:

 

 

 

 

 

a, b, c.) Mausgangsucher

d.) Spaten

e.) Mausermesser

f.) Gangräumer

g.) Esslöffel zum Gangerweitern

h.) Zangenfalle

 

 

 

 

 

 

                                    Nach 10 Minuten die erste Maus.

 

            Wenn die Bevölkerung dieser für sie ganz neuen und ungewöhnlichen Art der Wühl=

mausbekämpfung anfangs etwas skeptisch gegenüberstand, so kam sie zu den letzten Kursen

scharenweise angewandert, da sich die erfolgreiche Arbeit dieses ungemein geschickten

Praktikers herumgesprochen hatte. Der Mann, der auch seines urwüchsigen Humors wegen

sehr gefiel, wurde seiner Aufgabe mit einer geradezu verblüffenden Sicherheit gerecht, denn

mit der Uhr in der Hand konnten wir das Abfangen der Tiere abwarten. Knapp zehn Minuten

nach dem Aufstellen der Fallen zogen wir eine Maus um die andere aus der Erde, zum nicht

geringen Gaudium der äußerst interessierten Kursteilnehmer. Auf diese Art fingen wir in

einem besonders verseuchten Garten an einem Tag siebzig dieser gefährlichen Biester.

            Der Schlüssel für den Erfolg einer solchen virtuosen Arbeit liegt unzweifelhaft in

einer langjährigen Praxis, also Uebung, sowohl was das Auffinden und Erkennen der Wühl=

mausgänge als auch die Fangtechnik selbst betrifft. Der Vorführende, der uns täglich immer

wieder durch seinen unglaublichen Spürsinn in Erstaunen versetzte, ist seit Kindheit an bei

diesem Beruf tätig, was aber nicht ausschließt, dass jeder andere nach einiger Zeit ebenfalls

in der Lage ist, Erfolge ähnlichen, wenn auch bescheideneren Umfanges aufzuweisen.

 

 

Die richtig gestellten Fallen des Wühlmauser.

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

a.) Zangenfallen

b.) Rasenziegel

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Theorie von der feinen Witterung.

 

            Immer wieder wurde unserem Wühlmauser die Frage gestellt, was die Wühlmäuse

jede Vorsicht vergessen lässt und sie aus ihren sicheren Erdverstecken an das Tageslicht lockt.

Es ist ihre große Empfindlichkeit für Licht und Zugluft. In dem Augenblick, da sie erkennen,

dass ein Gang offen steht, gehen sie unvorzüglich voran, ihn zu verschließen. Sowie sie an die

Gangöffnung kommen, drehen sie sich um, geraten dabei in die Zangenfalle, und diese schnappt

ein. Aufmerksame Beobachter können dieses Geräusch hören. Nimmt man die Maus gleich

heraus, so kann man sie am Leben erhalten. Vielen unserer Ausstellungsbesucher war es ein

Rätsel, wenn ich zu Vorführungszwecken bei den Obstbaulehrschauen einige „lebende Wühl=

mäuse frisch vom Acker“ bestellte. Dies also die Lösung.

            Die großen Erfolge in der Bekämpfung von Wühlmäusen mit einfachen Zangenfallen

werfen alle Theorie über den Haufen, die von einer „feinen Witterung“ der Tiere und daher

„schleunigsten Flucht vor dem menschlichen Geruch“ spricht. Die hier verwendeten Fallen

werden ständig mit der bloßen Hand berührt und bei den Kursen sogar zur Ansicht herum=

gereicht, um gleich darauf, ohne Reinigung in die Erde gelegt, ihren Zweck zu erfüllen. Wie

viele waren lange Zeit mit mir der irrigen Meinung, dass Ködermittel auf keinen Fall mit der

bloßen Hand berührt werden dürfen. Dennoch hatten sie seit Jahren und unter Verwendung

teurer Handelspräparate zum größten Teil erfolglos gegen diesen gefährlichen Schädling an=

gekämpft.

 

     Nun sind wir und hoffentlich auch die anderen eines besseren belehrt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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