Graz, März 1941

 

Garteninspektor Willi Albrecht berichtet.

 

Die Jagd und Fangmethoden zur Vernichtung der Wühlmaus

 

            Die Bekämpfungsmethoden der Wühlmaus sind sehr mannigfaltig; mit Gift

und Feuer, mit Pulver und Gas, durch Fangen und Erschlagen versucht man sich ihrer

gut zu erwehren.

            Die Bekämpfung der Wühlmaus durch Giftköder hat sich in vielen Fällen

bestens bewährt; andere behaupten wieder, dass die Wühlmaus Giftköder nur schwer

annimmt. In Niederdonau hat man mit vergifteten Karotten, in Steiermark mit vergift=

eten Petersiliewurzeln gute Erfolge erzielt. Im Wiener Gebiet haben sich auch Sellerie=

knollen, mit Anisöl benetzt, als Köder bewährt.

            Bei planmäßiger Bekämpfung ist es zweckmäßig, vorerst unvergiftete Köder,

Petersilie, Möhre, Karotte und Sellerie auszulegen und zu ermitteln, welcher Köder von

der Wühlerin im gegebenen Fall aufgenommen wird. Es kann sich um Lokalrassen der

Wühlmaus handeln, die eine Geschmacksverschiebung mit sich bringen.

            Ist die Köderpflanze gefunden, dann wird die Präparierung vorgenommen. Die

Köderpflanze wird mit einem Holzstück von der Erde befreit (nicht gewaschen) und in

nutzgroße Stücke zerschnitten. Jedes Stück wird mit dem Messer angebohrt, in das Loch

eine kleine Menge Gift gegeben, das Loch mit einem Wurzelstück der Köderpflanze

verschlossen und glattgeschnitten, dass man die Präparierung schwer wahrnehme kann.

Beim Präparieren des Köders soll man sich die Hände zuerst mit Erde einreiben, dann

mit der Köderpflanze einreiben. Beim Präpariere darf man nicht rauchen und muss darauf

bedacht sein, dass die Köderstücke keinerlei fremden Geruch annehmen.

 

Die Präparierung des Köders.

Textfeld:

 

 

 

 

a, b, c.) Köderstücke.

d.) Die Präparierung mit

     Gift und Verschluss.

 

 

 

 

 

            Nach der Präparierung legt man die Köderstücke mit einem Holzlöffel in die

Mausgänge. Die beste Zeit zur Vergiftung sind die Herbstmonat Ende Oktober bis

Ende November und die Frühjahrsmonate Februar bis April. Im Frühjahr, wo die Vor=

ratskammern der Wühlmaus geleert sind, werden die Köder am liebsten angenommen.

 

Aufgemachter Wühlmausgang mit nach rechts und links eingelegten Giftködern.

Textfeld:

 

 

 

 

 

a.) Giftköder

 

 

 

 

 

 

 

            Als Gift wird am besten Arsenik genommen. Außer den beschriebenen selbst=

erzeugten Giftködern werden von einschlägigen Geschäften auch fertige Giftpräparate,

Barytpillen, Arsenpillen, Zeliopasta, Sokialkuchen und andere in Verkehr gebracht.

Damit diese angenommen werden, müssen sie vorerst in einen Topf mit Petersilienstücken

zur Geruchstäuschung gebracht oder mit Anisöl betropft werden, um fremde Gerüche

zu übertönen.

 

                                               Abschießen.

            Das Abschießen der Wühlmäuse mag von jagdgewandten Obstbauern geübt

werden, nur müssen sie Zeit und Geduld haben. Um zu Schuss zu kommen, werden die

Mausgänge an einzelnen Stellen aufgemacht, und wenn die Wühlerin kommt, um die

Öffnung zu schließen, wird gefeuert.

 

                                               Ausräuchern.

            Das Ausräuchern der Wühlmäuse wurde vielfach empfohlen und mancherorts

mit guten Erfolg angewendet. Man verwendet hierzu eigene Apparate, zum Beispiel den

Hora – Apparat, treibt die im Apparat durch Verbrennung oder auf chemischem Wege

erzeugten Gase in die Wühlmausgänge. Die Wühlerin arbeitet zwar entgegen, indem

sie die Gänge verstopft, zieht aber schließlich ab.

 

                                               Vertreiben.

            Das Vertreiben der Wühlmäuse durch anbauen von Pflanzen, zum Beispiel

Knoblauch oder Springwolfsmilch hat sich weniger bewährt. Ich kann mich erinnern,

dass ich auf jeder Baumscheibe einige Knoblauchpflanzen stehen hatte, ohne dass sich

die Wühlmaus beeindruckt fühlte.

 

                                               Abhalten.

            Abhalten der Wühlmäuse durch Verwendung engmaschiger Drahtgeflechte oder

andre Maßnahmen. Das Eingraben der Drahtgeflechte ist derzeit, da man hierzu wohl

keine Bezugsbewilligung erhalten dürfte, wohl gegenstandslos und auch sonst nicht

empfehlenswert. Bayer, Hartberg, empfiehlt bei jungen, von der Wühlmaus bedrohten

Bäumen im Oktober in der Kronentraufe einen 30 Zentimeter breiten und 30 Zentimeter

tiefen Graben auszuheben, über Winter bis April offen zu lassen, dann im Bedarfsfall

mit Dünger zu füllen und zuzuschütten. Man kann auf diese Weise auch ganze Gärten oder

Einschlagplätze von Wühlmausrevieren isolieren.

 

                                               Glasscherben.

            Das Eingraben von Glasscherben und Dornen, um die Wühlerin abzuhalten, hat

keinen sichtbaren Erfolg. Sie untergräbt oder umgräbt solche Stellen, ohne dass sie ge=

stört wird.

 

                                               Fallen.

            Das Abfangen der Wühlmäuse mit Fallen wird allseits als gute Bekämpfungsart

empfohlen. Hinsichtlich der besten Mausefalle gehen die Meinungen auseinander. Das

Stellen der Wühlmausfallen erfolgt folgendermaßen. Vorerst wird mit dem Sucher ein

zum Fallenstellen geeigneter Mausgang gesucht. Dies geschieht in der Weise, dass man mit

dem sogenannten Sucher in einer geraden Linie von 20 bis 30 Zentimeter in den Boden

sticht. Dort, wo beim Einstechen ein ruckartiges Nachlassen wahrgenommen wird, befindet

sich ein Wühlmausgang. Ist der Mausgang gefunden, so wird er bloßgelegt. Man verwendet

hierzu einen kleineren Spaten (Botanisierschaufel) oder ein Messer. Nach bloßlegen des

Ganges überzeugt sich ein tüchtiger Mausfänger, ob der Gang befahren wird und ob es

sich um einen Mausgang oder einen Maulwurfsgang handelt. Bei alten, nicht mehr benützten

Gängen ragen zahlreiche nachgewachsene Wurzelspitzen in den Gang. Bei benützten Gängen

sind die Würzelchen zerrissen. Der Maulwurfsgang ist rund und glatt, der Wühlmausgang

lässt deutliche Abdrücke der Nagezähne erkennen.

            Ist der Gang aufgedeckt, so werden beide Ausmündungen mit einem Blechlöffel oder

einem besonderen Ausräumer erweitert und nach beiden Seiten eine Zangenfalle aufgestellt.

Die Falle wird bis zum Stellring in den Gang geschoben und hinter der Falle ein Stück Rasen=

ziegel gelegt, damit die Wühlerin die Falle nicht herausschieben kann und damit das Licht

abgehalten wird. Zum Zeichen der aufgestellten Falle wird zum Schluss eine Rute in den

Boden gesteckt.

            Was macht nun die Wühlmaus? Der geöffnete Gang ist ihr unheimlich und die ein=

dringende Luft unangenehm, weshalb sie das Loch verstopfen will. Ist die Falle mit Erde

abgerieben worden und gut aufgestellt, dann wird die Maus, wenn sie den Gang ausbessern

kommt, von der Falle geschnappt.

            Wittert sie Gefahr, dann geht sie nicht mit dem Kopf an den Stellring, sondern schiebt

Erde vor, bringt die Falle zum Schnappen und entweicht. Derart gewitzigte Tiere lassen sich

dann schwer fangen. Sie unterwühlen oder umwühlen die gestellten Fallen und wandern bald

weiter.

            Als Fallen werden einfache Zangenfalle und Drahtfallen verwendet. Zuweilen findet

man auch noch selbsthergestellte hölzerne Bogenfallen in Verwendung, die aber große

Geschicklichkeit beim Aufstellen erfordern.

            Die beste Zeit zum Auslegen der Fallen sind die Morgen und Abendstunden und schönes

Wetter. Hinsichtlich der Jahreszeit ist das Fangen der Wühlmäuse im Frühjahr, des niedrigen

Grases wegen, am bequemsten, und da mit jeder gefangenen Maus zu dieser Zeit gleich die im

Jahre zu erwartenden Nachkommen vernichtet werden, am ausgiebigsten. Zahlenmäßig ist der

Fang aber im Herbst größer, da zu dieser Zeit viel mehr Mäuse vorhanden und durch die üppige

Ernährung während des Sommers beweglicher sind.

 

                                               Bundesgenossen.

            Als Bundesgenossen im Kampfe gegen die Wühlmaus stehen uns zur Seite. Die Katze,

der Hund, das Wiesel, der Mäusebussard und einige andere. Soweit die Hauskatze streicht, kann

sich keine Maus längere Zeit aufhalten, obwohl die Katze anderseits den Vögeln gefährlich

werden kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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