Wilhelmsburg, Niederdonau am 19.10.1943

 

Vereinsbaumwart Josef Endl berichtet ausführlich.

 

        Erfolgreicher Wühlmausfang.

 

Verschiedene Methoden der Bekämpfung.

            Anläßlich der im vergangenen Herbst und Frühjahr vom Obstbaureferat des

Landrats Sankt Pölten durchgeführten Wühlmausbekämpfungsaktion wurde ich auf=

gefordert, über meine praktischen Erfahrungen im Wühlmausfang in unserer Zeitung

zu berichten. Ich komme dieser Aufforderung um so lieber nach, als ich in der Bekämp=

fung dieses gefährlichen Nagers große Fertigkeit besitzt und schon viele Gartenbesitzer

von diesem Übel befreit habe. Der Schaden, den die Wühlmäuse im Obst und Gemüse=

garten anrichten, ist oft verheerend und besonders für die Obstbäume, denen sie die

Wurzeln und Rinde abnagen, so bös, dass die Bäume trotz bester Pflege meist verloren

sind. Auch ältere Bäume können derart geschwächt werden, dass sie nicht mehr imstande

sind, einen sicheren Ertrag zu bringen. Ich hoffe daher, durch diese Zeilen so manchem

Gartenbesitzer bei der Abwehr dieses argen Schädlings behilflich zu sein. Vorwegnehmen

will ich, dass der Fang mit Drahtfallen eine sichere und allen anderen Methoden überlegene

Bekämpfungsart ist. Beim Vergiften, Vergasen und so weiter weiß man nie bestimmt, ob

die Wühlmaus wirklich erreicht wurde, während man sich in der Falle davon überzeugen

kann.

 

Das Auffinden der Gänge.

            Das Auffinden eines Wühlmausganges erfordert einige Uebung, weil man sonst

Wühlmaus und Maulwurfgänge leicht verwechseln könnte. Im Grasland zeigt sich ein

Wühlmausbau durch mattes Grün und absterbende Gräser an. Vom Frühjahr bis zur Heu=

ernte wirft die Wühlmaus keine Haufen auf, von der Heuernte bis zum Herbst dagegen

zahlreiche.

            Die Haufen sind anfangs klein, später größer, immer unregelmäßig, eher länglich,

niedrig, etwas grobschollig, die Erde ist mit Wurzeln untermischt. Die Gänge befinden sich

nicht unmittelbar unterhalb der Haufen. Zeigen sich im Rasen größere Löcher, so hat die

Maus den Gang bereits verlassen. In einem unbewohnten Gang hängen Wurzeln herab, es

finden sich Spuren von Schnecken oder diese selbst. Im Gegensatz zum Maulwurfbau sind

de Gänge der Wühlmaus umfangreicher, im Durchschnitt oval, ungleichmäßig und auf dem

Boden finden sich Erdkrümel.

            Oft kommt es vor, dass statt der Wühlmaus ein Maulwurf gefangen wird. Da er aber

ein Fleischfresser ist und mit Vorliebe junge Wühlmäuse und viele schädliche Insekten ver=

tilgt, ist der dem Menschen nützlich und daher sein Fang verboten. Er ist zwar wegen der

vielen Erdhaufen unbeliebt und wird, besonders im Gemüsegarten, wo er den lockeren Boden

kreuz und quer durchwühlt und dabei eine Erdwurst aushebt, häufig für die Wühlmaus gehalten.

Man greife jedoch nur einmal in solch einen Bau hinein und überzeuge sich von dem engen,

runden Gang, in den man kaum mit zwei Fingern hinein kann! Der Maulwurf kann sich im

Gemüsegarten durch den lockeren Boden hindurcharbeiten, ohne Haufen aufzuwerfen. Im

bündigen Boden sind seine Gänge frei von Erdkrümel, hier aber muss er Erdhaufen aufwerfen.

Er ist ein Wanderer und sucht immer wieder neue Plätze auf, an denen er Insekten findet, die

ihm zur Nahrung dienen.

 

Das Aufrichten der Falle.

            Um eine Falle auszulegen, sticht man zunächst an wühlmausverdächtigen Stellen mit

einem Messer in den Boden. Hat man dabei einen Gang getroffen, so sinkt das Messer leicht

in den Hohlraum ein. Nun hebt man mit Hilfe des Suchmessers einen Rasenziegel ab und stellt

nach den vorerwähnten Angaben fest, ob der Bau bewohnt ist, und ob es sich auch wirklich um

einen Wühlmausbau handelt. Natürlich ist das Rauchen einzustellen, wenn man sich auf die

Suche begibt.

            Hat man sich davon überzeugt, dass man einen Wühlmausgang vor sich hat, so prüft man,

ob der unterbrochene Gang nach beiden Seiten hin 30 cm weit in gerader Richtung verläuft. Wenn

dies nicht der Fall ist, muss nachgegraben werden, bis man eine solche Stelle erreicht. Dann

erweitert man mit Hilfe des Messers den Gang und richtet ihn so zu, dass man die Falle einführen

kann. Die geeignetsten Fallen sind Drahtfallen, und zwar kommen die sogenannte Bayrische und

die Schweizer Zangenfalle in Frage. Diese beiden Fallen haben den Vorteil, ohne Köder ver=

wendbar zu sein.

 

Die Bayrische Drahtfalle.

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

Die Falle aufgerichtet.

 

 

 

 

 

Die Falle ist im Mausgang so aufgerichtet, dass die Maus durch den Ring (a) hindurch muss und

den Auslöser (b) wegdrängt, worauf (c) herabschnellt und die Maus einzwängt.

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

Die Falle zugeschnappt.

 

 

 

 

 

 

 

 

            Mit bloßer Hand nimmt man die Bayrische Falle in die linke Hand, und zwar so, dass man

mit Daumen und Zeigefinger die Stellung hält, während man mit dem Daumen der Hand die Feder

hinunterdrückt, wobei wieder der Zeigefinger Widerstand leistet, dann schiebt man den Auslöser in

der linken Hand vor, und die Falle ist aufgerichtet. Von der Sorgfalt dieser Einstellung hängt zum

großen Teil der Fangerfolg ab. Die Falle muss so eingestellt sein, dass schon die leiseste Berührung

ihr Einschnappen veranlasst. Die aufgerichtete Falle führt man nun – die Feder von oben nach unten

schlagend – so weit in das Erdloch ein, dass der Auslöser sich im Gang der Wühlmaus befindet. Der

vordere Ring wird am Bodenteil verblendet und die Falle leicht angedrückt, worauf man die Gang=

öffnung wieder mit dem Rasenziegel bedeckt.

 

Die Schweizer Falle.

            Bei der Schweizer Zangenfalle ist der Vorgang der gleiche, nur nimmt man die Falle in die

rechte Hand, drückt die Feder zusammen und setzt das Blattteil in die Mitte, die Zinken nach oben

gerichtet.

 

Schweizerfalle die im Mausgang liegt.

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

Die Falle gespannt.

 

 

 

 

 

 

            Die Maus kommt in der Pfeilrichtung und muss das Plättchen wegdrängen, um durchzukommen.

In diesem Augenblick klappt die Falle zu und zwängt die Maus ein.

 

Finden der Fallen.

            Um die Falle leicht wiederzufinden, empfiehlt es sich, die Stelle durch einen eingesteckten

Stab zu bezeichnen.

 

Lockung.

            Durch Licht und Zugluft angelockt, kommt die Wühlmaus meist nach kurzer Zeit aus ihrem Bau,

um die Gangöffnung mit Erde zu verließen. Dabei berührt sie die Falle und ist gefangen.

            Häufig befinden sich mehrere Mäuse in einem Bau, besonders zur Zeit der Vermehrung. Man

erkennt dies daran, dass das Erdloch auch nach dem Abfangen einer Maus verstopft wird. In diesem

Fall sind neuerlich Fallen auszulegen. Die geeignetsten Zeiten zum Wühlmausfang sind das Frühjahr

und der Herbst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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