München  im Sommer 1924

 

Landwirtschaft – Assessor Friedrich Wilhelm Maier Bode schreibt.

 

Die Wühlmaus.

 

            Eine andere Art der Wühlmäuse, die schlechthin als Wühlmaus, Wühlratte oder

Mollmaus (Arvicola amphibius) bezeichnet wird, hat für uns, besonders für den Obst=

züchter, noch erhöhtes Interesse. Sie ist bräunlich bis schwärzlichgrau und kann bis zu

20 cm lang werden. Der Schwanz hat halbe Körperlänge. Die sehr kleinen Ohren liegen

völlig im Felle verborgen. Auf der Bauchunterseite ist sie weißlich bis grau. Sie schadet

durch das Abnagen der Wurzeln, besonders jungen Obstbäumen, die alsbald eingehen

und leicht aus der Erde herausgezogen werden können. An den Stellen, an denen die

Wurzeln abgenagt wurden, sind deutliche Spuren ihrer kräftigen Zähne wahrnehmbar. Im

Boden wühlt sich die Wühlmaus, ähnlich dem Maulwurf, flache Gänge, die sich aber

durch die flachen aufgeworfenen Haufen deutlich von den hoch aufgeworfenen Maulwurfs=

haufen unterscheiden lassen. Drei bis viermal im Jahr wirft das Weibchen, das so bis zu

30 Junge auf die Welt bringen kann.

            Zur Bekämpfung kann man sich verschiedener Arten von Fallen bedienen. Am

besten eigenen sich solche, die in die Gänge eingebracht werden können, wie Röhren=

fallen oder auch Maulwurfsfallen, die beim Zuschnappen dem Tiere den Schädel zer=

trümmern. Auch ein vergiften der Tiere mit Sokialkuchen, Strychnin oder Arsenik, die

beiden letzteren sind aber nur gegen Giftschein erhältlich, kann vorgenommen werden.

Man gibt das Gift am besten in eine ausgehöhlte Möhre oder Sellerieknolle, die man in

den Gang einführt. Als sehr gut muss das von der Landesanstalt für Pflanzenbau und

Pflanzenschutz, München, Oswaldstrasse  9 F  hergestellte Mäusegift bezeichnet werden,

das durch genannte Anstalt zu beziehen ist. Auch das oben erwähnte Ausräuchern mit

mit Schwefelpräparaten (Schwefelkohlenstoff) kann zur Anwendung gelangen.

            Ein natürlicher Feind der Mäuse überhaupt sind die Igel, deren Haltung im Garten

vielfach von Erfolg sein kann, fressen sie doch zahlreiche andere Schädlinge, wie die

Würmer, Engerlinge, Schnecken und so weiter.

            Vielfach hat man früher auch dazu gegriffen, die Wurzeln der Bäume beim Pflanzen

mit Drahtgitter zu umgeben, das eine Maschenweite von 15 mm hat. Das Gitter muss

ringsum geschlossen werden. Bei den heutigen Drahtpreisen wird dies aber nur mehr

selten zur Anwendung kommen, zumal das Gitter auch, wenn es nicht sehr gut verzinkt ist,

rasch durchrostet. Dadurch wird das Tier auch nicht abgetötet, sondern nur ferngehalten.

Dies kann man auch erreichen, wenn man Dornen oder Glasscherben in die Mäusegänge

bringt.

            Das Abschießen der Mäuse ist nicht schwer, vorausgesetzt, dass der Jäger auch

trifft. Öffnet man mit einer Haue oder einem Spaten den Gang der Wühlmäuse, so dauert

es nicht lange, und sie erscheinen, um den Bau auszubessern. Dies ist der gegebene

Augenblick zum Schuss. Sehr häufig kracht aber der Schuss zu früh, die Wühlmaus zieht

sich erschreckt in den Bau zurück und lässt sich so schnell vor dem wackeren Jäger nicht

mehr blicken.

            Auch das Vollgießen der Gänge mit übel riechenden Flüssigkeiten wie Jauche,

Tabaklauge, Heringslake, Karbolwasser und so weiter vertreibt die Wühlmäuse für eine

Zeit.

            Gefährlich ist ein Ausbrennen der Gänge mit Kalziumkarbid, da bei dessen heftiger

Explosion oft nicht unbedeutende Beschädigungen davon getragen werden können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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