Jahr 1916

 

Dr. Kurt Floericke erzählt.

 

Mäusegeschichten und Bekämpfung, Teil 1

 

            Wegen des ungeheuren Schadens, den die Wühlmaus anzurichten vermag,

führt der Mensch schon seit langem einen erbitterten Vernichtungskrieg gegen sie

und hat dabei in den einzelnen Mäusejahren eine lange Reihe der verschiedensten

Vertilgungsmittel erprobt und angewendet, ohne doch bisher ein sicheres Allheil=

mittel gefunden zu haben, um des lästigen Nagers völlig Herr geworden zu sein.

Immer wieder verfallen Keim, Wurzel, Halm, Blatt, Rinde und Frucht den unermüd=

lichen Nagezähnen, bis die Natur selbst ein Ende macht. Der Einzelne kann da nicht

viel ausrichten, wenn der Grenznachbar sich ihm nicht anschließt, ja selbst eine

ganze Gemeinde, leistet immer nur Unzulängliches, wenn nicht die Nachbargemeinden

sich mit ihr zu gleichen Opfern und zur gleichen Tätigkeit verbinden. Aber oft ver=

pulvert die eine Tausende von Mark im Mäusekampf, während die andere von solchen

Ausgaben zurückschreckt, es bei halben Maßnahmen bewenden lässt und dadurch

den ganzen Erfolg von vornhinein in Frage stellt. Die oberste Vorschrift für die Be=

kämpfung von Mäuseplagen muss aber lauten: gemeinsames, gleichmäßiges und

großzügiges Vorgehen! Nur solches vermag durchgreifende Erfolge zu zeitigen. Ge=

wöhnlich setzen die Gemeinden Belohnungen für die Ablieferung von getöteten

Mäusen aus, und die Kinder sind dann auch eifrig beschäftigt, die herumwimmelnden

Mäuse hinter dem Pflug oder vor ihren Schlupflöchern zu erschlagen und bringen

dadurch manchen harten Taler ins Elternhaus. Aber meist ist diese Art der Mäusejagd

ebenso wie die willkommene Hilfe der Bussarde, Turmfalken, Störche, Krähen, Wiesel

Füchse und so weiter doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

            Auch verlange man nicht etwa nur die Einlieferung der Mäuseschwänze, sonst

könnte es so vorkommen wie in Amerika, wo die pfiffigen Pankees sich damit begnügten,

den gefangenen Tieren nur die Schwänze abzuschneiden, um sie dann wieder laufen zu

lassen, damit sie sich nur tüchtig vermehren und so eine unversiegbare Einnahmequelle

bilden sollten.

            Die gewöhnlichen Mausefallen oder auch aufgestellte Schlingen können natürlich

gegenüber der Riesenzahl von Wühlmäusen keine große Rolle spielen. Ganz gute Er=

gebnisse liefern dagegen die Fanggruben, die man in den Ackerfurchen oder an den

Feldrainen, kurz an den meistgegangenen Heeresstraßen der Wühlmäuse anlegt und zwar

am besten und schnellsten mit der Hilfe des sogenannten Mäusebohrers, den man vorher

in Wasser taucht, um die Wände des etwas ½ Meter tiefen Loches recht glatt zu machen.

Die hineingefallenen Mäuse versuchen merkwürdigerweise gar nicht, sich durch Wühlen

einen Ausweg zu verschaffen, sondern erschöpfen sich in vergeblichen Hüpf und Spring=

versuchen und fressen sich schließlich gegenseitig auf. Dieselbe Wirkung erzielt man

auch mit glattwandigen Töpfen, die man in die Erde eingräbt.

 

 

                                               Fortsetzung folgt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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