Jahr 1916

 

Dr. Kurt Floericke erzählt.

 

Mäusegeschichten und Bekämpfung, Teil 2

 

            Eine zweite Gruppe von Mäusebekämpfungsmitteln umfasst die Vergiftungen,

und zwar verwendet man in der Regel Getreidekörner, die mit Strychnin vergiftet wurden.

Das Mittel ist billig und erzielt oft durchschlagenden Erfolg, freilich nicht immer, denn

es kommt auch vor, dass die Mäuse nach einiger Zeit die Giftkörner kennen lernen und

sie dann ängstlich meiden.

            Das Strychnin wird in Wasser aufgelöst, die Körner werden 24 Stunden darinnen

belassen, getrocknet und dann im Frühjahr, wenn die ausgehungerten Tiere aus dem

Winterschlaf erwachen und recht fressgierig sind, mit einem Löffel in ihre Röhren ein=

geschüttet. Das oberflächliche Ausstreuen der Giftkörner ist dagegen unbedingt zu ver=

werfen, weil dadurch leicht Vieh, Rebhühner und Hasen zu Schaden kommen, dann die

Jagdpächter mit Recht zu krakeelen anfangen, und so der Unfrieden in der Gemeinde da

ist. Man hat deshalb neuerdings auch besonders kleine Gewehrchen, mit denen die Gift=

körner tief in die Mäuselöcher hineingeschossen werden.

            Die Verwendung von Giftweizen hat ja ohnedies noch manche schwere Bedenken,

auch wenn man von der Möglichkeit von Unglücksfällen und Verbrechen ganz absehen

will. Die mit Strychnin vergifteten Mäuse laufen nämlich noch auf den Feldern herum und

werden hier oft von Bussarden oder anderen Mäusefeinden gefressen, die so nun ebenfalls

dem tückischen Gifte zum Opfer fallen. Auf diese Weise mordet der Landwirt törichterweise

seine besten Verbündeten. Oder die vergifteten Mäuse bleiben auf dem Felde liegen und

verpesten die Luft. Aus diesen Gründen sind immer solche Verfahren vorzuziehen, bei denen

die Mäuse in ihren unterirdischen Behausungen zum Absterben gebracht werden.

            Dies trifft bei der Verwendung von Schwefelkohlenstoff zu, der überhaupt ein sehr

wirksames, billiges und für andere Tiere ungefährliches Mittel darstellt. Man gießt ihn auf

Werg oder Heu und formt daraus Ballen, die man in die Öffnungen der Mäuseröhren steckt.

Es entwickeln sich Dämpfe, die die Mäuse in ihren Schlafkammern unfehlbar töten.

Recht gute Erfahrungen hat man in manchen Gegenden auch mit Phosphorlatwerge

gemacht. Sie besteht aus einem Mehlbrei, dem außer Geschmacks und Witterungsstoffen

noch Phosphor zugesetzt wird. Man taucht kurze Strohhalme in die Latwerge ein und bringt

sie in frisch befahrene Mauselöcher.

Kein eigentliches Gift, aber doch im Mäusemagen von der Wirkung eines solchen ist

das Baryt. Man macht Barytbrote, weicht sie in Milch ein und legt sie dann zerkleinert den

Mäusen vor. Barytbrote und Phosphorlatwerge haben beide den Vorteil, dass sie vom

Wilde nicht angenommen werden.

 

 

                                               Fortsetzung folgt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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