Jahr 1916

 

Dr. Kurt Floericke erzählt.

 

Mäusegeschichten und Bekämpfung, Teil 4

 

            In der Neuzeit verwendet man jetzt vielfach den Gasangriff gegen das

Mäusegesindel. Man benutzt dabei besondere zylindrische Räuchermaschinen

mit Blasebalg. In den Zylinder kommen glühende Kohlen, darüber aber ein

Gemisch aus wollenen Lumpen, Sägespänen, Gartenabraum, Torfbrocken und

dergleichen. Setzt man nun die Röhre in ein günstig gelegenes Mäuseloch und

bringt man den Blasebalg in Anwendung, so wird man sofort aus mehreren be=

nachbarten Löchern Rauch aufsteigen sehen, weil sie miteinander in Verbindung

stehen. Solche Löcher müssen zugetreten oder mit Gras verstopft werden. Dann

sind aber auch nach wenigen Minuten sämtliche Mäuse in dem betreffenden Bau

erstickt. Gerade bei diesem Verfahren ist jedoch ein gemeinsames Vorgehen der

verschiedenen Feldeigentümer unerlässlich.

            Um die umständliche Verwendung der Räucherapparate entbehrlich zu

machen, hat Prof. Nessler in Karlsruhe Patronen aus leicht brennbaren und stark

qualmenden Stoffen hergestellt. In deren Anwendung nimmt man irgendwelchen

Faserstoff, am besten Jutefaser, tränkt ihn mit einer starken Lösung von Kalisal=

beter, trocknet ihn wieder, überzieht ihn mit Teer und überstreut ihn, wenn dieser

halb abgetrocknet ist, mit zerstoßenen Stangenschwefel oder mit Schwefelblüte.

Sind die Faserstränge dann vollkommen trocken, so dreht man sie in dünne Zöpfe

zusammen und schneidet sie in haselnussgroße Stücke. Diese zündet man dann an

und schiebt sie in die Mauselöcher hinein, die sofort mit Erde zugedeckt werden

müssen. Dieses Verfahren hat den Vorzug, dass man die Patronen immer vorrätig

haben und ohne weitere Umstände verwenden kann. Der bereits erwähnte Schw=

efelkohlenstoff dagegen hat außerdem das Gute, dass er tief geht und so auch die

untersten Wohnkammern der Mäuse erreicht.

            Zu beachten ist die Feuergefährlichkeit des Schwefelkohlenstoffs, mit dem

man also keineswegs bei offen Licht oder mit brennender Zigarre hantieren darf.

Am besten und gefahrlosesten verwendet man ihn unter Benutzung der im Handel

befindlichen Schwefelkohlenstoffkannen.

 

 

                                                           Schluss

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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