München 1950

 

Dr. Sibgert Mehl beschreibt das einfache Holzdübel – Gerät.

 

Der Gebrauch von Selbstschussgeräten zur Bekämpfung von

Wühlmaus und Maulwurf.

 

            Bevor man das einfache Holzdübel – Gerät und seine Funktion demonstriert, überzeuge man

sich, dass es nicht geladen, vor allem kein Zündhütchen aufgesetzt ist und der Schlaghammer durch

Hochziehen des am hinteren Ende des Gerätes befindlichen Sicherungsbügels und Vorklappen des=

selben über den aufgezogenen Schlaghammer gesichert ist. Dann drückt man mit dem Spannhebel den

Schlaghammer über dessen kurzen Seitenast vollends nieder und bringt das Vorderende des Spann=

hebels unmittelbar vor die Öse des Stellhebels. Durch Rückwärtsschieben und nachfolgendes Vor=

ziehen des Auslöseringes vor der Lauföffnung gelingt es an dem sauber gehaltenen und geölten Gerät,

das freie Ende des drahtförmigen Spannhebels in die Öse des flachen Stellhebels einzuführen.

 

            Soll der Holzdübel – Apparat praktisch angewandt, also geladen werden, so wird er zuerst

vollkommen entspannt, der Schlaghammer auf das leere Zündloch gelegt. Dann nimmt man eine Raket=

enpatrone und entfernt vorne das dünne, farbige (meist blaue) Papier. Mit dem so geöffneten Ende voran

wird die vorbereitete, „scharf gemachte“ Patrone in den Lauf eingeführt und so viel und dicht wie

möglich weiches Papier nachgeschoben, bis die Laufmündung fest zugestopft ist. Je dichter man die

Laufmündung mit Papier verstopft, umso größer wird der Gasdruck der Explosion und damit die

Wirkung. Am besten eignet sich weiches Zeitungspapier als Stopfmaterial. Die Schwarzpulverrakete

soll durch das Einstopfen von Papier stark, etwa um einen Zentimeter, zusammengestaucht werden.

Dazu bedient man sich eines kräftigen stumpfen Nagels und eines kleinen Hammers. Durch das Ein=

treiben der Papierpfropfen entzündet sich die Pulverladung nicht und wird auch die Zündung nicht

beeindrächtig.

 

            Zum weiteren praktischen Gebrauch des geladenen Gerätes zieht man zuerst den Schlaghammer

auf und legt ihn vollkommen nach hinten zurück. Zugleich schwenkt man den bei diesem Modell ganz

hinten am Apparat angebrachten, nach oben spitz zusammengebogenen Sicherungsbügel nach vorne über

den zurückgebogenen, nun unter Federspannung stehenden Schlaghammer. Er wird erst nach dem Einbau

in den Gang der Wühlmaus bzw. des Maulwurfs in der dann vollständig gespannten Falle, wie oben schon

beschrieben, ganz niedergezogen. Zuerst führt man das gesicherte, noch nicht endgültig gespannte und vor

allem noch nicht mit einem Zündhütchen versehene Gerät in die wieder freigelegte Öffnung einer von der

Wühlmaus unmittelbar vorher aus dem Ganginneren mit Wühlerde verschlossenen künstlich gesetzten

Öffnung eines befahrenen Wühlmausganges bzw. eines befahrenen Maulwurfganges. Mittels einer 30 cm

langen Rute tastet man vorher in den weiteren Gangverlauf und bricht den Gang weiter auf, wenn er sich

bald stark biegt oder verzweigt. Der Gang soll mindestens 20 cm weit hinter dem Gerät unverzweigt und

gerade verlaufen. Bevor man den Schussapparat etwa 5 cm weit in den Gang einschiebt, muss man enge

Gänge, also besonders Gänge des Maulwurfs, mit einem Rundholz (Setzholz oder dergleichen) etwas

erweitern, so dass über bzw. neben dem Gerät noch etwas Licht in den Gang eindringt. Erst wenn der

Schussapparat in seine endgültige Stellung gebracht und durch einen Holzpflock, der dahinter mit einen

Hammer in den Boden getrieben wird, gegen den starken Rückstoß bei der Explosion abgesichert ist,

spannt man ihn vollends durch Einführen des Endes des Spannhebels in die Öse des Stell – und Auslöse=

hebels. Dabei ist streng darauf zu achten, dass der Sicherungsbügel nach vorn umgeschlagen, also wirksam

bleibt. Nur wenn dies zweifelsfrei festgestellt ist, darf das Zündhütchen auf den Zündkanal gesetzt werden.

Erst zum Schluss wird dann der Sicherungsbügel ausgeschwenkt, so dass der Schlaghammer beim Auslösen

des Gerätes durch den starken Schlag auf das Zündhütchens die Pulverladung zur Explosion bringt.

 

Das Holzdübel – Schussgerät.

Textfeld:

 

 

 

 

 

Im gesicherten Zustand.

 

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

Gespannt und nicht gesichert.

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

Im entsicherten Zustand ausgelöst.

 

 

 

 

 

 

            Wühlmaus und Maulwurf lösen das Gerät selbst aus, wenn sie aus dem Ganginneren auf das Gerät

zulaufen und das erste Hindernis, auf das sie treffen, den großen Auslösering, gegen das Selbstschussgerät

schieben. Nach einem kurzen Weg von wenigen (3 – 4) Millimetern schwenk das mit dem Auslösering ver=

bundene Auslösegestänge den Stell – und Auslösehebel nach vorne, wodurch der Spannhebel, aus der Öse

des Auslösehebels gezogen, hochschnellt und so seinerseits dem Schlaghammer den Weg zum Zündhütchen

auf den Zündloch freigibt. Sehr häufig lösen die Schädlinge das Selbstschussgerät mittelbar, das heißt durch

Wühlerde aus, die sie zum Abdichten des Lichteinfalls gegen das Gerät anschieben. Der Druck der Explosions=

gase ist so stark, dass der Schädling sofort getötet, mehr oder weniger stark zerrissen und eine bis zwei Hand=

spannlängen in den Gang zurückgeschleudert wird.

 

            Die Holzdübelmodelle sind, wie erwähnt, gegen Witterungseinflüsse empfindlich, namentlich gegen

Niederschlag, Regen und Schnee. Sie müssen deshalb bei schlechtem Wetter mit einem Stück Brett, Blech

oder Dachpappe abgedeckt werden. Würde man Brett –, Blech –, oder Dachpappe unmittelbar auf das ge=

spannte Schussgerät legen, so käme es leicht zu Störungen beim Auslösen des Gerätes und damit zu Miß=

erfolgen. Auch können starke Windstöße Brett –, Blech – und Dachpappenstücke wegwehen, wobei sich der

Apparat gelegentlich durch Erschütterung oder unmittelbarer Berührung des Auslöseringes oder des Auslöse=

hebels vorzeitig auslöst. Unter einem umgekippten Holzkistchen steht das Selbstschussgerät dagegen geschützt

gegen Wind und Niederschlag.

 

            Wo Kleinkinder fehlen und sonst keine Gefahr besteht, kann diese Bedeckung in verschlossenen Gärten

auch als Schutz dienen vor Berührung durch Menschen oder Tiere. Oben auf dem Boden bzw. die Unterseite

des umgekehrten Kistchens wird man dann auf der aufgenagelten Dachpappe noch eine Warnung wetterfest an=

bringen: „Vorsicht Selbstschuss!“.

 

            Bei sehr feuchter Luft bzw. öfterem Niederschlag genügt aber dieser Feuchtigkeitsschutz nicht; denn bei

den Holzdübelmodellen liegt das Zündhütchen auch unter einer schützenden Holzkiste doch im Freien. Die Ladung,

das Schwarzpulver, auch wenn es in eine Papprakete verpackt und die Öffnung des Schussrohres mit Zeitungs=

papier verstopft ist, zieht Feuchtigkeit aus der Luft an, und der Schussapparat funktioniert dann nicht mehr sicher.

Manchmal genügt es, das feucht gewordene Zündhütchen gegen ein trocknes auszuwechseln, wenn die Feuchtig=

keit noch nicht in die Ladung selbst eingedrungen ist. Darüber kann sich aber der Benützer des Selbstschussge=

rätes nicht orientieren. Er kann nur den Apparat, den er ausgelöst und trotzdem unabgeschossen vorfindet, mit

einem neuen Zündhütchen versehen, nochmals spannen. Dann muss er abwarten, ob das Gerät, bei neuerlicher

Auslösung durch die Wühlmaus, abermals versagt oder nicht. Auf jeden Fall ist bei jedem Hantieren mit dem

Selbstschussgerät der Sicherungsbügel über den aufgezogenen Schlaghammer zu schwenken. Dabei soll der

Apparat am Boden und die Mündung des Schussrohres in den Gang gerichtet bleiben. Niemals sehe man an dem

ungesicherten, gespannten, schussbereiten Gerät in die Mündung, halte es in diesem Zustand nicht vor Leib oder

anderen Körperteil, wie zum Beispiel die Hand, und schieße das Gerät niemals in der Hand, im Zimmer bzw. zum

Fenster hinaus ab. Vor allem unterlasse man es ferner, in den Lauf irgendwelche Geschosse, Kugeln, Langgeschosse

oder Schrot einzuführen.

 

            Ein Schussgerät, das so stark wirkt, darf, wie erwähnt, nicht unbeaufsichtigt im Freien stehen. Anderfalls

müsste damit gerechnet werden, dass zum Beispiel Kinder das Gerät aufnehmen und zur Explosion bringen. Dabei

können sich schwere Unfälle, ja Todesfälle ereignen, wie es im Lauf der Jahrzehnte immer wieder geschah. Auch

erwachsene erleiden gelegentlich solche Unfälle, wenn sie mit dem Gerät unvorsichtig umgehen. Wiederholt zer=

schmetterte das Gerät Hände von Unvorsichtigen, die das geladene, gespannte und zündbereite Gerät umhertrugen

und außerhalb des Erdganges absichtlich oder unabsichtlich zur Explosion brachten. Es ist dem Verfasser ein Fall

erinnerlich, bei dem das entsicherte, geladene und zündbereite Gerät, versehentlich am Leib gehalten, explodierte,

die Bauchdecke und den Darm so weitgehend zerriß, dass bei dem erwachsenen Verunglückten der Tod eintrat. Es

kann deshalb nur größte Vorsicht und Sorgfalt empfohlen werden. Jugendliche sind vom Umgang solcher Schuss=

geräte auszuschließen.

 

            Die Vorbeschriebene, einfache Form des Selbstschussgerätes wurde von Eugen Kuchler in Königsfeld im

badischen Schwarzwald im Jahre 1926 erfunden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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