Erfurt im Jahre 1905

 

Herr Wilhelm Rauch schreibt folgendes.

 

Wühlmaus und Schießfalle.

 

            Vor etwa Jahresfrist habe ich schon einmal einen kleinen Artikel über die Lüneck`sche

Schießfalle für Wühlmäuse an Ihre Redaktion gesendet. Nochmals möchte ich auf die Sicher=

heit der Falle hinweisen und versuchen die Gründe klar zu legen, warum eigentlich jede Erd=

ratte oder Wühlmaus mit dieser Falle geschossen werden muss. Hat man einen Erdrattengang

bloßgelegt, so wird man nach einer kurzen Zeit beobachten, dass die Ratte vorsichtig bis

zum Rande des Ganges kommt, danach wieder verschwindet und nun mit einer Portion Erde,

welche sie mit ihrem Kopfe vor sich herbewegt, wiederum erscheint um das Loch zuzustopfen.

Ist es nun das Licht oder die Zugluft, die sie stört, oder fürchtet sie Feinde, kurz und gut, sie will

keine Öffnung haben und stopft zu. Auf diesen Vorgang des Zustopfens lauert nun bloß der

Schießapparat. Ist wirklich die schlaue Ratte das erste Mal beim Revidieren nicht an den Köder

gekommen, der nicht aus Kartoffeln oder Mohrrüben zu bestehen braucht, sondern aus Holz sein

kann, so muss sie nun mit der Erdmenge, die sie vor sich herbewegt auf jeden Fall den Köder

berühren und sofort wird sich die Falle entladen.

 

 

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Wühlmaus=Schießfalle.

Die Falle ist geladen.

Der Köder ist in den Gang der Ratte geschoben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

            Das Aufstellen der Falle ist nicht so einfach. Als Köder nimmt man ein 4 bis 5cm langes

und 2cm im Durchmesser fassendes Stück Kartoffel, Mohrrübe oder Holz, oder einen Wein=

flaschenkork, es soll dies, wie ich schon vorher sagte, kein eigentlicher Köder sein. Der Apparat

wird nun mit einer 9mm Schrotpatrone geladen und der Köder zwischen Schlaghammer und

Patronenlager gelegt, damit beim Aufstellen, wenigstens bei der Vorarbeit sich die Falle nicht

entladen kann. In den Gang der Ratte wird der zur Falle gehörige Knüppel geschoben und die

Falle rechtwinkelig über den Knüppel gedrückt, dass der runde Ausschnitt und das Schießrohr

genau auf diesem aufliegen. Nun wird Erde über den Knüppel und dem Schießrohr getan, mit der

Hand ordentlich festgedrückt und der Knüppel vorsichtig herausgezogen. Dieser Vorgang des

Aufstellens ist nach meiner Meinung nach der Wichtigste. Durch das Erdauffüllen über den

Knüppel zwischen den abgegrabenen Gang und der Falle, soll nämlich der Gang verlängert werden.

Hat man den Knüppel vorsichtig herausgezogen, richtiger herausgedreht, damit der künstliche Gang

hübsch glatt und rein ist, dann führt man den Köder hinein, spannt die Falle und nach kurzer Zeit

knallt es und der schwarze, braune, blaue oder graue Geselle liegt meist mit einem Kopfschuss tot

in seinem Gange.

 

Ich habe im vorigen Sommer 15 Erdratten und 5 Maulwürfe geschossen. Im ganzen Dorfe

wurden weit über 50 geschossen.

 

 

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Die Schießfalle ist abgefeuert.

Die Wühlratte liegt im Blute.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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