Frühjahr 1902

 

Herr August Krüger erklärt seine einfache Erfindung.

 

      Ein praktisches Instrument zur Vertreibung von Maulwürfen und Wühlmäusen.

 

            Mancher Grundbesitzer ist jetzt damit beschäftigt, seine Mistbeete in Stand zu setzen und

bald werden die zarten Keimchen ans Tageslicht treten. Welch ein Aerger, wenn eines Tages ein

Gast von unten aus dem Kasten einen Besuch abgestattet hat, wenn nämlich ein Maulwurf die

ganze Kultur zerwühlt. Es werden verschieden Mittel angewendet, den Störenfried fern zu halten

oder gar zu fangen. Ich wende schon seit Jahren ein praktisches Mittel an. Das ist kurz gesagt eine

„Mühle“. Wer einigermaßen Geschick hat, kann sie selbst anfertigen. Man nimmt 50cm lange und

5,5cm breite und 2,5cm dicke Leisten. Diese werden durch 2 ovale Leisten von gleicher Stärke

13cm lang, miteinander verbunden und der Rahmen ist fertig. Jetzt nimmt man den Rahmen und

bringt ihn zum Schmied. Dieser fertigt eine Welle von 5mm Stärke und 21cm Länge und 2 kleine

Lager für die Welle, welche bei Figur 1 aufgeschraubt werden. 5cm vom Ende wird eine alte Schr=

aubenmutter festgeschmiedet und davor ein Gewinde mit Mutterschraube angefertigt. Dazwischen

wird die Welle vierkantig gemacht, ebenso am anderen Ende.

 

Jetzt gehen wir daran die Flügel anzufertigen.

Wir nehmen aber nicht vier einfache Flügel, die schon eine ganze Portion Wind nötig

haben, sondern eine sogenannte Turbine. Wie diese verfertigt wird, ist aus meinem Schreiben er=

sichtlich. Aus einem Tonnenband fertigen wir den Ring, machen ein hölzernes Kreuz, welches am

Kreuzpunkt ein Loch für die Welle erhält. Ein entsprechend kleinerer Ring wird etwas in das Holz

eingelassen und mit Draht befestigt. Nun verschaffen wir uns ein Stück Zink oder leichtes Eisen=

blech, schneiden es in trapezförmige Stückchen, sodass in jeder Abteilung 3, also im ganzen 12

Stück in Anwendung kommen. Diese werden zwischen den beiden Reifen mit Draht befestigt, am

besten aber gelötet. Nun wird die Turbine auf die Welle gesteckt und festgeschraubt. Auf dem

hinteren Ende der Welle befestigen wir eine hölzerne Scheibe, welche mit 4 Nägeln versehen ist.

Nun verschaffen wir uns eine alte Uhrfeder, welche man bei jedem Uhrmacher umsonst bekommt.

Die Feder muss jedoch so stark wie möglich sein. Diese befestigen wir zwischen einem mit einem

feinem Sägenschnitt versehenen Brett. Zwischen den Schnitt legen wir die Feder und schrauben mit

einer Holzschraube den Schnitt fest zusammen. Dieses Brett befestigen wir an der Hinterseite des

Rahmen, so, dass die Feder die Nägel in der Scheibe berührt. Nun erhält die Mühle noch ein Steuer,

welches möglichst aufrecht stehen muss.

 

Jetzt ans Aufstellen!

            Dazu nehmen wir eine, ziemlich starke Stange, welche oben einen Eisenstift enthält. Diesen

Eisenstift stecken wir durch 2 in den ovalen Leisten etwas nach vorne zu angebrachten Löchern.

Jetzt graben wir ein deckelloses Fass in die Erde, so, dass das Fass mit der Erde abschließt. Statt

des Deckels nageln wir zwei Latten auf die Tonne, woran wir die Stange mit der Mühle befestigen.

Bei dem leisesten Windhauch setzt sich die Mühle in Bewegung und das Geklappere der Mühle ver=

ursacht in den durch die Tonne erhalten Hohlraum einen solchen Lärm, dass im weiten Umkreis die

Maulwürfe Reißaus nehmen. Aber nicht allein den Maulwürfen, sondern auch den schädlichen

Wühlratten ist das Geklapper lästig.

 

Beweis dafür:

            Ich hatte vor etwa 4 Jahren 10 junge Obstbäume angepflanzt. Im ersten Jahr wuchsen die

Bäume gut. Im zweiten Jahr trieben sie nur noch kümmerlich aus, um schließlich ganz aus zu gehen.

Ich versuchte vergeblich die Ursache zu ergründen. Eines Tages sah ich glücklicherweise eine von

einer Katze totgebissene Wühlratte. Beim Ausroden der Bäumchen fand ich nun, dass sämtliche

Faserwurzeln und sogar stärkere Wurzeln abgefressen waren. Da las ich zufällig, dass Ratten starkes

Geräusch nicht vertragen konnten. Sollte dies nicht auch den Wühlratten gelten? Ich stellte meine

Mühle im Obstgarten auf und habe seitdem keine Wühlratte verspürt, während etwas 500 Schritte

davon noch ein Baum geschädigt wurde, später ist auch dies Revier von den Wühlratten geräumt

worden. Die Nachbarn klagen jetzt oft über Wühlratten ohne dass sie die Ratten vertreiben. Die Mühle

hat aber noch einen dritten Zweck. Da sieht nämlich der Kirschenliebhaber, wie ihm die süßen

Früchte eine nach der anderen gestohlen werden von den gefiederten Spitzbuben. Zu diesem Zwecke

stellt man die Mühle ohne Tonne neben den Kirschbaum und kein Vogel wird sich in dessen Nähe

wagen, zumal wenn sie mit recht grellen Farben bestrichen ist.

 

Die Mühle dient also dreifachem Zwecke.

            Sie schützt erstens unsere Beete vor dem Maulwurf, unsere Obstbäume vor den Wühlratten

und unsere Kirschen vor den gefiederten Langfingern.

 

Die Mühle und ihre Bestandteile.

 

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Figur 1

Der Rahmen, wozu 50cm lange, 55cm breite,

2,5cm dicke Latten durch ovale Leisten verbunden

werden. Oben die Lager für die Welle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Figur 2

Holzscheibe mit vier Nägeln versehen, in welcher

die die Uhrfeder befestigt wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Figur 3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Figur 4

Modell der ganzen Mühle.

Der Stock steht auf einer Tonne.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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