Dieser historische Bericht ist in ungekürzter Länge!!

 

Spätherbst im Jahre 1900

 

Forstpraktikant K. Eppner berichtet.

 

Über die Waldbeschädigungen auf Herrenwörth im Chiemsee

durch die große Wühlmaus.

 

            Gelegentlich einer in den Pfingsttagen des Jahres 1900 von München aus unternommenen

forstlichen Exkursion nach der Insel Herrenwörth im Chiemsee wurden wir vom dortigen

königlichen Administrator Herrn Ökonomierat Bauer auf den Schaden aufmerksam gemacht, der in

den Waldungen der Insel seit einer Reihe von Jahren durch die große Wühlmaus verursacht wird.

 

            Auf Anregung von Herrn Universitätsprofessor Dr. A. Pauly begab ich mich in der Folge=

zeit noch einigemale nach Herrenwörth, um den bisher wohl selten in solcher Ausdehnung auf=

getretenen Wühlmausfraß genauer zu beobachten und um zugleich Versuche anzustellen, inwie=

weit die Vermehrung der Schädlinge durch Vergiftung mit Erfolg entgegengetreten werden könnte.

 

            Da soweit mir bekannt, die große Wühlmaus als Waldschädling von größerer Bedeutung in

der Literatur noch nicht erwähnt wurde, so dürfte eine Mitteilung über die Massenvorkommen auf

Herrenchiemsee auch für weitere Kreise nicht uninteressant sein.

 

            Die große Wühlmaus, Wasserratte, Moll=, Scher= (in Schwaben) Reut=, Hamaus, Arvicola

oder Hypudaeus amphibius, zu den Arvicolidae oder Wühlmäusen im weiteren Sinn gehörend,

wird in Leunis Synopsis der Tierkunde kurz folgendermaßen beschrieben: „Fast einfarbig, oder

graubraun bis braunschwarz, allmählich übergehend in das Weißlichgraue der Unterseite. Hintere

Fußsohle mit 5 Wüsten, Ohr ¼ so lang wie der Kopf. Körperlänge 16 cm, Schwanzlänge 7,5 –

8,5cm.“

 

            Die große Wühlmaus gräbt, ähnlich wie der Maulwurf, Gänge im Boden und wirft Erde aus,

doch sind die Erdhaufen gewöhnlich kleiner und grobscholliger als die des Maulwurfs. Die Gänge

selbst sind etwas weiter als die Maulwurfsgänge und verlaufen nicht, wie meist angegeben wird,

immer ziemlich seicht, sondern in sehr verschiedener Bodentiefe. Manchmal so seicht unter der Ober=

fläche, dass die Decke einstürzt, dann aber auch wieder in 30 – 40 cm Tiefe, wie man auf Herrenwörth

in Stichgräben, die durch verschiedene Pflanzungen geführt waren, beobachten konnte. Sie richtet sich

bei der Anlage der Gänge eben nach der höheren oder tieferen Lage die ihr zur Nahrung dienenden

Pflanzenwurzeln.

 

            Ihr Nest legt die große Wühlmaus in größerer Tiefe – bis zu 1 m – im Boden oder auch an

einem Abhang unter einem Stocke unter anderem an. Es besteht aus einem größeren „Kessel“ oft mit

Nebenhöhlungen (Vorratskammern?), und mehreren strahlenförmig wegführenden Gängen. Im Kessel

baut sie aus klein gebissenen trockenem Grase und benagten Holzteilchen ein kugelförmiges Nest, das

innen mit den feinsten Fasern und Halmen ausgepflastert ist. Dieses Nest, das im feuchten Boden nat=

ürlich gleich schimmelt, wird des öftern erneuert. Bei dieser Gelegenheit öffnet die Wühlmaus ihre

Gänge bei Tage, während sie sonst nur höchst selten bei Tageslicht ihren Bau verlässt.

 

            Zwei bis dreimal im Jahr wirft das Weibchen 4 – 8 Junge, die, wie alle Mäuse, sehr bald ge=

schlechtsreif werden.

 

            Die Nahrung der großen Wühlmaus besteht in tierischen, wie pflanzlichen Stoffen, doch werden

in den meisten Fällen Kraut= und namentlich Holzpflanzen ihre Hauptnahrung bilden. – Keller sagt von

ihr: „Vom Kulturlande tritt die Mollmaus auch auf Waldboden über und haust da unter dem Boden durch

Abschneiden der Wurzeln höchst verderblich, Stämmchen von 2 – 3 cm Dicke werden am Wurzelhalse

abgeschnitten, wobei die scharfen und kräftigen Nagezähne deutliche Bissspuren im Holze hinterlassen.

Diese ruinöse Arbeit erinnert an diejenige des Bibers. Es können sogar armdicke Stämmchen abgeschnitten

werden, sie sterben ab, stehen locker im Boden und lassen sich ohne viel Kraftaufwand herausziehen.

In Baumschulen werden 2 – 3 cm dicke Eichen gelegentlich reihenweise ruiniert. Neben der Eiche scheint

Ahorn am meisten bevorzugt zu sein. Auch Buchen, Weiden und Erlen schneidet die Mollmaus ab.“

 

Verschiedene geschädigte Hölzer auf Herrenwörth.

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Buchengehölz der Wurzeln beraubt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ahorngehölz der Wurzeln beraubt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ahorngehölz der Wurzeln beraubt und

an der Erdoberfläche stark benagt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Links, 14jährige Lärche von der Wühlmaus getötet.

Rechts, 13jährige Fichte von der Wühlmaus getötet.

 

 

 

 

 

 

 

            In Obstgärten leiden die Apfelbäume. In Blumengärten werden zuweilen in einer Nacht alle Rosen=

stöcke vernichtet. Nadelhölzer bleiben meist verschont.

 

            Die Mollmaus pflegt nicht massenhaft aufzutreten. Auch Ratzeburg sagt von der Mollmaus, „sie

komme immer mehr einzeln, nie so massenhaft vor“. Ebenso sagt Altum an mehreren Stellen von ihr, „ dass

sie nur singular, höchstens familienweise auftrete“. Er weiß von einem einzigen stärkeren Fraße, der sich

aber bei weitem nicht mit dem Schaden auf Herrenwörth vergleichen lässt, zu berichten.

 

            Auch in der übrigen mir zugänglichen Literatur konnte ich keine Mitteilung über irgend eine starke

Vermehrung der großen Wühlmaus in Waldungen finden.

 

            Durch welche Umstände begünstigt, sie auf Herrenwörth in Massenvermehrungen getreten ist und

seit einer Reihe von Jahren, in steter Zunahme begriffen, aller Kulturarbeit des Forstwirts hindern und

zerstörend entgegentritt, soll im Folgenden dargelegt werden.

 

            Das Auftreten der großen Wühlmaus in größeren Massen hängt eng mit der Geschichte der Insel

Herrenwörth in den letzten 30 Jahren zusammen. Ursprünglich zum größeren Teile dicht bewaldet, war die

Insel aus dem Besitze eines Grafen von Hunolstein im Juni des Jahres 1873 in die Hände eines württem=

bergischen Holzhändler = Konsortiums übergegangen. Diese Käufer begannen sofort mit der Abtreibung

der herrlichen Hochwaldbestände der Insel, legten eine Schneid = Säge auf derselben an und suchten möglichst

rasch das vorgefundene reiche Holzkapital zu Geld zu machen. Als diesem waldverwüstenden Treiben im

September 1873 durch Ankauf der Insel durch den König Ludwig II. Einhalt getan wurde, da breiteten sich

schon allenthalben Kahlflächen aus, und damit war der Anfang zur Mäusekalamität gegeben.

 

            In dem reichen Graswuchs der Schlagflächen, wie in den sich ansiedelnden Weichhölzern fanden die

Mäuse reichlich Nahrung und Wohnungsgelegenheit. Feinde hatten sie fast keine, da beinahe sämtliches Wild,

namentlich das Raubzeug, abgeschossen war. – Hier möge bemerkt werden, dass auch das Rehwild durch

Verbeißen und Abäsen von Schlagunkräutern, wie Gräser und Brombeeren ectr. gegen eine zu starke Ver=

mehrung einen gewissen Schutz ausüben kann, wie das an zwei aneinandergrenzenden Eschenpflanzungen auf

Herrenwörth sehr gut zu beobachten ist. Die eine, gegen das Rehwild mit einem Drahtzaun umgeben, hat reich=

lichen Gras und Unkrautwuchs und empfindlichen Wühlmausfraß (von A. amphibius und A. arvalis, der

Feldwühlmaus), während die andere, von Rehen stark beäst, viel weniger unter den Mäusen zu leiden hat.

 

            Natürlich beschränkte sich das Vorkommen der Mäuse nicht auf den Wald, sondern trat ebenso

schädlich in den der Ökonomie zugeteilten Ländereien der Insel auf, wo die Nager an Wiesen und

namentlich den Obstbaumanlagen großen Schaden anrichteten und noch anrichten.

 

            In welchen Mengen die große Wühlmaus auf der nur 225 ha großen Insel Herrenwörth vorkommt,

kann man aus folgender Zusammenstellung der Fangergebnisse seit dem Jahre 1886 ersehen, die, wenigstens

bis 1893 von einem einzigen Manne mittels der sogenannten Klammerfallen, auf die ich später noch zu

sprechen komme, erzielt wurden. Es wurden nämlich von 1886 bis 1892 18661 Stück, von 1893 bis 1897

4000 Stück gefangen.

 

            Da für eine Maus bis zu 25 Pfennig Fanglohn bezahlt wurden, so dürften sich für die Bekämpfung

der Mäuse bisher ganz bedeutende Summen ergeben haben. – Aber nicht nur durch Fallen suchte man den

Wühlmäusen Abbruch zu tun, sondern man trat ihnen auch dadurch entgegen, dass man ihre natürlichen

Feinde, wie Fuchs und Wiesel auf der Insel einführte und aussetzte.

 

            Anfangs konnte man die Füchse auch öfters beim Wühlmausfang beobachten, doch als sie sich

vermehrten, hielten sie sich lieber an die Rehe, die von den südlichen Ufern des Sees wieder einge=

wechselt waren, rissen Gaisen und Kitze und stifteten dadurch mehr Schaden, als sie durch den Fang

einiger Mäuse Nutzen brachten, so dass man jetzt auf die Ausrottung der roten Freibeuter bedacht sein muss.

 

            Die ausgesetzten Wiesel verschwanden nach einigen Jahren wieder. Unter den Feinden der

Mäuse möge auch der Dachs erwähnt werden, der in einigen Exemplaren auf Herrenwörth vorkommt.

 

            An gefiederten Feinden der Mäuse konnte ich auf Herrenwörth Schleiereule, Waldkauz, Wald=

ohreule, Mäuse = Bussard, Turmfalke, Lerchenfalke, Rabenkrähe und andere beobachten. Doch können

mit Ausnahme der Eulen, diese Vögel bei den unter Tags fast durchweg unterirdischen Leben der großen

Wühlmaus, nur verhältnismäßig wenig derselben erbeuten. Die Eulen scheinen bei ihren nächtliche Raub=

zügen unter den Wühlmäusen noch am meisten Beute zu machen, ich fand in ca. 100 von mir auf Herrenwörth

gesammelten und untersuchten Eulengewölben eine ziemlich große Anzahl von Schädeln der Arv. amphibius.

 

            Was den Umfang des Fraßes im Walde betrifft, so erstreckt sich derselbe auf die Saatkämpe, wie

auf Pflanzungen, Jungwüchse und ältere Bestände.

 

            In den Saatkämpen schadet die große Wühlmaus ähnlich wie die Feldmaus, Arvicola arvalis, durch

Unterwühlen der Beete und Abbeißen der Wurzeln und Sämlinge.

 

            Es ist ja überhaupt ein Charakteristikum ihres Fraßes, dass sie immer unterirdisch, nur äußerst

selten über dem Erdboden frisst.

 

            In Pflanzungen und Jungwüchsen macht sie die Gänge im allgemeinen nur wenig tief im Boden und

benagt die Wurzeln der Holzpflanzen, und zwar besteht bei Laubholz ihre Nahrung aus feineren bis finger=

dicken Wurzeln, die sie mit Hilfe ihrer starken Nagezähne bis zum Wurzelhals abnagt. Junge bis zwei

Finger starke und auch zuweilen noch stärkere Pflanzen beraubt sie auf diese Weise sämtlicher unterirdischer

Teile. Solche Pflanzen werden entweder nun noch weiter befressen, ein Stück in den Gang hineingezogen,

sodass sie im Boden stecken bleiben, oder sie fallen einfach um. Stärkere bis armdicke Stämme beraubt

die Wühlmaus zuerst bis zur Herzwurzel sämtlicher schwächerer Wurzeln und nagt erstere selbst noch

kegelförmig zu. Natürlich findet man nie Nagespähne oder abgebissene Wurzeln, da die sämtlichen Holz=

teile von ihr verzehrt werden.

 

            Befrißt die große Wühlmaus Nadelholz, so geht sie ganz anders vor wie als beim Laubholz.

Während ihr bei diesem Rinde und Splint und Kernholz zur Nahrung dienen, beschränkt sie sich bei jenem

darauf, die Wurzeln der Rinde zu berauben und diese zu verzehren. Das Holz selbst wird nicht angegriffen.

Sieht man also an sämtlichen von ihr befressenen Laubhölzerne deutliche, tief ins Holz eingreifende Nage=

spuren, so sind solche an den von ihr entrindeten Wurzelpartien der Nadelhölzer nicht oder nur schwach

angedeutet zu bemerken. Im Effekt bleibt dies natürlich gleich, eine von ihr befressene Conisere ist nicht

minder dem Tode geweiht als eine stark benagte Laubholzpflanze. Einen traurigen Anblick bietet eine von

der Wühlmaus angegriffene Pflanzung. Einige noch vor wenigen Jahren zu den schönsten Hoffnung be=

rechtigende ca. 12jährige Eichen und 7 – 8jährige Eschen Heisterpflanzungen zeigen jetzt, von der Wühlmaus

in Angriff genommen, ein trostloses Aussehen. Da und dort, bald einzeln, bald reihenweise, liegen oder

hängen die zwei bis drei Meter hohen Bäumchen umher. Einzelne beginnen zu welken, andere sind schon

abgestorben, und mancher noch frisch und grün aussehende Stamm lässt sich, schon der meisten Wurzeln

beraubt, ohne Mühe aus dem Boden ziehen.

 

            Ein anderes nicht minder trauriges Bild hat man in den zuerst herrlich gedeihenden Mischpflanzungen

von Fichte und Lärche in der Abteilung „Sägau“ vor Augen. Die Pflanzen hatten dort schon eine Höhe von

mehr als 1 Meter erreicht, als im Jahre 1900 bald da eine Lärche, bald dort eine Fichte zu welken begann,

rot wurde und abstarb, bis im Laufe eines einzigen Sommers der dritte Teil des Pflanzungsmaterials der

Abteilung der Arbeit der unheimlichen Nager zum Opfer gefallen war. Nachbesserungen sind fast aus=

sichtslos, da durch sie den Mäusen nur neues Fraßmaterial zugeführt wird.

 

            Das Tier begnügt sich aber nicht mit den jüngeren Bäumen, auch ältere greift sie an. So wurde im

letzten Frühjahr eine haubare Weißtanne, da kränkelnd, gefällt und als man ihren Stock ausgrub, fand man

die Wurzeln stark von der großen Wühlmaus befressen. Das lässt vermuten, dass manchesmal das Absterben

älterer Nadelholzstämme in den Waldungen Herrenwörths ihr zugeschrieben werden dürfte. Da bisher die

Stöcke fast nie ausgegraben wurden, so fehlt eben das Beweismaterial.

 

            Es gibt beinahe keine Holzart, die der Wühlmaus nicht zur Nahrung diente. Von Laubhölzern

befrisst sie auf unserer Insel vor allem Ahorn und Esche, Eiche, Rot und Hainbuche. Am meisten scheint

sie Ahorn zu lieben, er wird, anderen Holzarten beigemischt, immer zuerst angegriffen.

 

            Unter den Ahornstämmchen fanden sich auch einige 7 – 8jährige mit einem Durchmesser von

3,5 – 4 cm über dem Wurzelhals, die nicht nur der Wurzel vollständig beraubt, sondern auch von der

Maus nach Biberart dicht über der Erde benahe ganz durchgeschnitten waren.

 

            Erle und Welschnuss hatte sie bis heuer gemieden, nun nimmt sie diese beiden, bisher von ihr

verschonten, Holzarten auch an. An Ulme und Birke, ebenso an Weide und Pappel konnte ich ihren Fraß

nicht beobachten.

 

            Unter den Nadelhölzern gibt es keines, das sie verschont. Am stärksten schadet sie an Lärche und

Fichte, in zweiter Linie an Weißtanne und sehr wenig an den Kieferarten.

 

            Die Bodenbeschaffenheit und die Lage der Bestände hat auf das Vorkommen der großen Wühlmaus

keinen bedeutenden Einfluss. In den trockeneren, mäßig feuchten Abteilungen kommt sie allerdings

häufiger vor, ohne aber in den in den nassen Lagen zu fehlen, fand ich doch selbst in einem sehr nassen

Hochmoor der Abteilung „Mooswiese“ einige ihrer Gänge und befressene Pflanzen.

 

            Ursprünglich soll sie mehr in den niederen am See gelegenen Teilen der Insel sich aufgehalten

haben und erst durch das Hochwasser des Chiemsees im September 1899 in größeren Massen in die

höheren Lagen gedrängt worden sein.

 

            Der Wechsel der Jahreszeiten hatte bisher auf die Stärke und Häufigkeit des Fraßes keinen

Einfluss. Die Maus frisst Sommer wie Winter in gleich verderblichem Maße.

 

            Das die Witterung – kalte Winter oder nasse Sommer – für ihre Vermehrung ohne Bedeutung

ist, zeigt die von Jahr zu Jahr stärker fortschreitende Vermehrung der großen Wühlmaus in Herrenchiemsee.

 

            Seuchen, die oft einer Massenvermehrung der Feldmaus nach kürzerer Zeit zu folgen pflegen,

konnten bei ihr bisher nicht beobachtet werden.

 

            Natürlich war, wie schon oben erwähnt, die Administration der königlichen Gutsverwaltung

Herrenwörth, sobald die Vermehrung der großen Wühlmaus bedrohliche Dimensionen annahm, bemüht,

ihr mit allen Mitteln Abbruch zu tun.

 

            Das erste versuchte Gegenmittel bestand in dem, anlässlich der Aufzählung ihrer natürlichen

Feinde beschriebenen Aussetzen von Raubzeug. – Dann versuchte man es mit Gift. Dies hatte aber keine

Wirkung, da die mit Beimischung von Strychnin hergestellten Pasten aus gehackten Möhren von den

Tieren nicht angenommen wurden.

 

            Im Jahre 1900 machte ich Versuche mit ausgehöhlten, im Hohlraum mit etwas weißen Arsenik

versehenen, gelben Rüben. Diese in geringer Anzahl ausgelegten vergifteten Rüben wurden von den

Mäusen gern angenommen und hatten auch de Tod der von denselben Fressenden zur Folge, doch

kann dieses Mittel im Großen schon aus dem Grunde nicht angewendet werden, da ein solches Gift

den Arbeitern nicht in solcher Menge, wie es hierbei notwendig wäre, in die Hand gegeben werden

darf.

 

            Am meisten wurde durch den Fang der Mäuse mit den allgemein zum Maulwurfsfang

gebräuchlichen Klammer und Zangenfallen ausgerichtet. Die beiden federnden Fangarme werden

durch eine leichtbewegliche Metallscheibe auseinandergehalten. Die Falle wird dann in den Gang

der Maus eingeführt. Läuft die Maus in die Falle, so drückt sie mit dem Kopf die Metallscheibe um

und wird von den vorn kreisförmigen Fangarmen an den Weichen gepackt, zusammengedrückt und

getötet.

 

            Ein Arbeiter, der sich im Laufe der Zeit in dieser Fangart eine ziemliche Übung wie einen

Blick für die befahrenen Gänge angeeignet hatte, erzielte damit, wie man aus der Zusammenstellung

weiter oben sehen kann, nicht unbedeutende Resultate.

 

            Dass es bei dieser Methode auf Übung ankommt, zeigt sich, als nach dem Tode jenes bewährten

Mäusefängers, da die Fangresultate trotz großen Eifers der mit der Ausstellung und Revision der Fallen

beauftragten Leute ganz bedeutend zurückgingen.

 

            Die künstliche Infektion mit dem Löfflerschen Mäusebazillus wurde auch schon – doch

erfolglos – versucht.

 

            In der letzten Zeit scheint endlich in der Zürnerschen Lockmausefalle ein Mittel gefunden

worden zu sein, um der Tiere in größerer Menge habhaft zu werden.

 

            Da in der Augustnummer dieser Zeitschrift vom Erfinder dieser Falle eine Beschreibung

derselben erschienen ist, so kann ich füglich an dieser Stelle von ihrer Beschreibung Umgang nehmen.

Nur möchte ich anfügen, dass ich Gelegenheit hatte, mich persönlich von der vorzüglichen Wirkung

der Falle auf Herrenwörth zu überzeugen.

 

            Außer der Insel Herrenwörth sind auch die beiden anderen Chiemseeinseln, Frauenwörth

und die kleine Krautinsel von den Nagern, die dort in den Gärten an Obstbäumen und Gemüse viel

Schaden anrichten, ziemlich heimgesucht.

 

            An den Ufern des Chiemsees hört man ebenfalls allenthalben über das Vorkommen der

großen Wühlmaus in den Gärten klagen. In dem am westlichen Ufer des Chiemsees gelegenen

Walddistrikt „Aigelsbuch“, der ebenfalls der königlichen Güteradministration Herrenwörth zu=

gehört, richte sie ähnlichen, wenn auch nicht so bedeutenden Schaden an, wie auf der Insel

Herrenwörth. Das Tier scheint also in der ganzen Gegend des Chiemsees besonders günstige

Lebensbedingungen zu finden.

 

            Außer der großen Wühlmaus finden sich auf Herrenwörth auch die beiden anderen Wühl=

mausarten, die Feldwühlmaus in großer Zahl und, wenn auch nicht sehr häufig, die Rötelmaus

(arvicola glareolus).

 

            Schließlich erlaube ich mir Herrn Ökonomie – Rat Baur, königlicher Administrator in

Herrenwörth, für die Unterstützung, die er mir in jeder Richtung zu Teil werden ließ, auch an dieser

Stelle meinen besten Dank auszusprechen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                   zurück