Ungekürzte Niederschrift.

 

19 Mai 1937

 

Oekonomierat Anton Kroneder berichtet.

 

Die Wühlmaus / Ihre Bekämpfung.

 

            Der gemeinste Schädling unsrer Obstgehölze ist wohl die Wühlmaus.

Wenn der Obst und Kleingärtner bei Ausgang des Winters bei seinen Obstbäumen

Nachschau hält und sich über die ersten Blütenknospen der zuletzt gepflanzten

freut und förmlich schon die Früchte vor sich sieht, erlebt er oft schon einige

Tage oder ein bis zwei Wochen später eine arge Enttäuschung. Beim nächsten

Gang oder beim Baumschnitt findet er manch junges Bäumchen umgesunken,

und wenn er es aufrichten will und dabei ein wenig anzieht, hat er es schon aus

dem Boden gezogen, denn es hatte keine Wurzeln mehr; diese wurden ihm

während des Winters bis auf einige kurze Stummel, die auch noch abgenagt sind,

von der Wühlmaus abgefressen. Die Apfelbäume auf allen Unterlagen, die Birnen

auf Quitte, den Pfirsich auf Pfirsich bevorzugt sie besonders, doch auch die anderen

Obstgehölze bleiben von ihr nicht verschont, und selbst zehnjährige Obstbäume

fallen ihr zum Opfer.

 

            Während der Sommermonate nährt sich die Wühlmaus von allerlei Wurzeln

und wird dadurch ebenfalls schädlich. Möhren, Sellerieknollen, Kartoffeln, rote

und Runkelrüben und auch Dahlienknollen werden angenagt oder ganz weg=

gefressen. Ebenso frisst sie auch Löwenzahnwurzeln, die sie auch als Winter=

vorrat in ihre Baue einträgt; doch fand ich in diesen je nach Gelegenheit auch

Wurzelstücke von roten und Runkelrüben, Möhrenstücke und Baumwurzeln.

 

            Das es sich bei der Wühlmaus um zwei einander in Aussehen und Lebens=

weise ähnliche Arten handelt, spielt für den Praktiker keine große Rolle. Haupt=

sache ist für ihn, dass er ihren Schaden kennt, ihre Gänge auszufinden vermag

und ihre Bekämpfung dementsprechend einzurichten versteht. Die Wühlmäuse

leben paarweise, erleben, soweit bis heute erforscht, ein zweites Frühjahr nicht,

haben aber eine große Vermehrungsfähigkeit; sie werfen drei oder viermal im

Jahre je drei bis neun Junge.

 

            Die Wühlmaus fertigt einen Bau an, ähnlich den des Maulwurfes, ja sie

benützt oft auch dessen Gänge. Ihre Baue bestehen aus dem eigentlichen Nest,

mehreren Vorratskammern und den notwendigen Verbindungsgängen, die tiefer

liegen und von denen dann jene Gänge ausmünden, die zu den Fraßstellen führen

und durch aufgeworfene Erdhügel, besonders im rasenfreien Boden, leicht

kenntlich sind. Sie laufen knapp unter der Erdoberfläche dahin, wobei häufig

kleine, unregelmäßige Erdhügel aufgeworfen werden, die aus lockeren, ungleich

großen Erdbrocken bestehen. Gut kenntlich und leicht zu unterscheiden sind die

Wühlmaus und Maulwurfsgänge im Grasland. Die Maulwurfsgänge sind im Quer=

schnitt schön rund; an ihren Wänden finden sich die Abdrücke der Grabfüße; die

Gänge der Wühlmaus dagegen sind ungleich querelliptisch, und an ihren Wänden

erkennt man die Nagezähne, da sie die Erde wegbeißt.

 

            Zur Bekämpfung der Wühlmaus wird eine ganze Anzahl von Vorbeugungs

und Vertilgungsmitteln empfohlen, von denen aber nur ganz wenige wirkliche

Abhilfe schaffen können. Das Isolieren ganzer Obstgärten oder einzelner Bäume

mit engmaschigem Drahtgeflecht ist sehr kostspielig und schützt nicht für die Dauer,

da das Drahtnetz im Boden wenig dauerhaft ist. Ebenso versagen alle ähnliche

Mittel, wie das eingraben von Dornen oder das Einführen von Sackleinen, dass in

stinkenden Ölen getränkt wurde. Auch das Auspflanzen von Laucharten oder das

Aussäen von Samen der aus Südeuropa stammenden Euphorbia Lathyrus, einer

Wolfsmilchart, im Juni = Juli, damit sie als Pflanze auf den Baumscheiben über=

wintere, hatte keinen Erfolg. Ich habe aber dabei diese Wolfsmilch als sehr gute

Bienenfutterpflanze kennengelernt, die sehr lange blüht. Die Bekämpfung der Wühl=

maus mit Schwefelkohlenstoff, das Ausräuchern der Baue mit Giftgasen hat meistens

keinen merklichen Erfolg. Die Anwendung dieser Mittel ist auch umständlich und

teuer. Zu guten Erfolgen führt schon das Vertilgen der Wühlmaus durch Vergiften,

das sicherste ist aber immer das Fangen mit Maulwurfs oder Wühlmausfangeisen.

 

            In meiner Jugend lernte ich schon die Vergiftung der Wühlmaus mit Phos=

phorpaste – ein anderes Mittel war damals nicht bekannt – kennen; statt Phosphor=

paste verwendet man heute Zeliopaste. Diese Vergiftung soll aus zwei Gründen so

bald wie möglich im Frühjahr vorgenommen werden. Erstens vertilgt man damit

die Muttertiere, und zweitens nehmen die Wühlmäuse zu dieser Zeit, da sie sonst

noch wenig Pflanzennahrung im Boden vorfinden, die ausgelegten Giftköder noch

leicht an. Empfehlenswert ist die Vergiftung besonders in kleineren Hausgärten, wo

man die Wühlmausgänge an den aufgeworfenen, grobbrockigen Erdhäufchen leicht

feststellen kann. Man hat dabei insofern vorsichtig zu Wege zu gehen, als man die

aufgefundenen Gänge nicht zuviel zertreten darf, da die Wühlmäuse sie sonst nicht

mehr benützen.

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

Giftköderzusammenstellung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

            Als Köder benützt man nicht zu schwache Karotten oder Möhren, die man

in etwa 4 Zentimeter lange Stücke teilt. Dann schneidet man am stärkeren Ende jedes

solchen Stückes mit einem Federmesser ein kegelförmiges Stück derart heraus, dass

es wieder eingefügt werden kann, streicht eine Messerspitze voll oder die sonst vor=

geschriebene Menge von der Paste in die kegelförmige Vertiefung und drückt den

Ausschnitt wieder darauf, den man sodann durch Einführen eines kleinen Holzstück=

chens am unteren Teil des Karottenstückes befestigt. Die solcherart vorbereiteten

Giftköder werden nun in die vorsichtig geöffneten Gänge gelegt, mit Erde bedeckt

und diese schwach angetreten. Die Stelle, wo der ausgelegte Giftköder liegt, wird

nun mit einem kleinen Holzstab oder Weidenrute, die man neben dem Wühlmausgang

einsteckt, kenntlich gemacht, damit man jederzeit prüfen könne, ob der Giftköder an=

genommen wurde, in welchem Fall man im neuen Gang oder unter der eingefallenen

Erde immer Schrotstücke davon findet. Sollte aber nach drei bis vier Tagen der Gift=

köder noch unberührt sein, ist dies ein Zeichen, dass die Wühlmaus diesen Gang nicht

mehr benützt, in welchem Falle man den Köder herausnimmt und ihn an einer andern

Stelle wieder auslegt. Giftköder sind in den festgestellten Gängen in Abständen von

drei bis vier Meter auszulegen. Durch genaues Aussuchen der Wühlmausgänge und

deren regelmäßigen Ueberprüfung, die solange fortzusetzen ist, bis keine Giftköder

mehr angenommen werden, kann man die Wühlmaus sicher los werden, vorausgesetzt,

dass die Nachbarn sie ebenfalls durch Vergiftung oder Fang bekämpfen, denn die

Wühlmaus wandert, und man kann sie nur sicher fernhalten, wenn alle Gartenbesitzer

eines Gebietes den Kampf gegen sie gleichzeitig beginnen und ihn solange fortsetzen,

bis sich kein Tier mehr zeigt. Ist das Wetter im November mild, der Boden nicht ge=

froren, so ruht auch die Tätigkeit der Wühlmaus nicht, man kann sie auch zu dieser

Zeit bekämpfen und so manchen Obstbaum vor der Vernichtung retten.

 

            Um den Fang der Wühlmaus sicher auszuführen, muß man zuerst wissen, dass

die Wühlmaus, wenn man einen von ihr noch benützten Gang öffnet, schon recht bald

erscheint, um diesen Gang wieder zuzuwühlen. Wer Zeit und Geduld genug hat, kann

darauf warten, um sie mit einem rasch ausgeführten Spatenstich herauszuwerfen, wobei

der Spaten hinter ihr einzustechen ist, um sie hernach zu erschlagen; mir ist dies öfter ge=

glückt. Auch das Abschießen ist auf diese Weise möglich, dies verlangt aber Uebung

und noch mehr Geduld.

 

            Zum Wühlmausfang sind die geschmiedeten Maulwurfszangen mit Stellring statt

Stellscheibe die bestgeeigneten. Auf Grasland ist der Vorgang des Fanges kurz folgender:

Mit einem Sucher, einem etwa 80 Zenitmeter langen, am vorderen Ende verdickten und

stumpf zugespitzten, am anderen Ende mit einem Holzgriff versehenen Eisenstab, wird,

etwaige Erdauswürfe beachtend, das Rasengelände abgegangen; dabei wird dieser Eisen=

stab immer wieder in den Boden gedrückt, wobei Hohlräume, das sind die Wühlmausgänge,

leicht festgestellt werden können. Hat man einen solchen gefunden, so schneidet man mit

einem ebenfalls mitgebrachten langen und starken Messer (die vordere Hälfte einer alten

Sense an der man einen Handgriff befestigen kann, tut es auch), ein gut zwei Quadratdezi=

meter großes Rasenstück heraus, wobei man darauf achte, dass der Wühlmausgang durch

dessen Mitte laufe, was gefühlsmäßig herausgefunden werden kann, da die dünnere Rasen=

decke des Ganges dem Messer weniger Widerstand entgegen setzt. Das Rasenstück wird

sodann herausgehoben und daraufhin untersucht, ob die Wühlmaus den Gang noch benützt,

was leicht festzustellen ist. Benützt die Wühlmaus den Gang nicht mehr, so sprossen die

weißen Wurzelspitzen der Gräser schon hervor und sind unversehrt, während sie sich nicht

entwickeln können, wenn die Wühlmaus den Gang benützt, weil sie von dieser immer be=

schädigt werden. Auf Ackerland wird man die Gänge zum Fallenstellen benützen, die am

Tage, nachdem sie geöffnet wurden, wieder verstopft sind. Auf Grasland schneidet man

die Rasendecke in einer Länge von etwa 40 Zentimeter heraus, reinigt die Röhre mit dem

Messer oder mit einem länger gestielten, löffelartigen Gerät so weit, dass man die zum

Fange eingestellten Eisen ungehindert einführen kann, wobei zu berücksichtigen ist, dass

die Fangzinken nach links und rechts und nicht nach oben oder unten zu stehen kommen, da

sonst die Maus bis zum Stellring oder zur Stellscheibe, die umgeworfen werden müssen,

nicht vordringt, nicht gefangen wird und das Eisen verwühlt. Stellring oder Stellscheibe

sind mit einem dünnen Spagat in genügender Länge an den Bügel des Fangeisens anzubinden,

weil die sonst oft nach dem Zufallen nicht gefunden werden. Auf der inneren Seite des

Bügels steckt man ein kleines Holzpfählchen in den Boden, weil die gefangene Maus oft

noch versucht, das Fangeisen in den Gang hineinzuziehen, was sie dadurch nicht kann.

 

Textfeld:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wühlmausfangwerkzeug.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

            Ist die Falle richtig eingeführt, so deckt man den Gang mit dem herausgeschnit=

tenen Rasenstück soweit wieder zu, dass vorn nur eine kleine Oeffnung bleibt, denn diese

ist es, die die Wühlmaus wieder anlockt, und dabei muß sie in die Falle gehen. Besonders

betont werden muß noch, dass Fangzangen an beide Enden des aufgedeckten Wühlmaus=

ganges eingestellt werden müssen, weil man nie weiß, von welcher Seite die Wühlmaus

kommt. Auf Acker oder Gartenland ist die Sache ein bisschen schwieriger, da fallen die

Gänge oft zusammen, und man hat keine Rasenstücke zum Abdecken. Ich habe mir da immer

mit kleinen Brettchen geholfen und den Gang mit diesen und mit Erde künstlich verlängert,

dann war der Erfolg so sicher wie im Wiesenboden.

 

            Die Attenkofer-Falle kann ich ebenfalls empfehlen, sie ist in den einschlägige Ge=

schäften käuflich, und man erhält auch eine Anleitung zu ihrer Aufstellung, nach der man

leicht arbeiten kann.

 

            Bemerkt soll noch werden, dass man beim Fallenstellen die Hände öfter mit Erde ein=

reiben soll, damit die Fangeisen keinen fremden Geruch annehmen; das Auslegen von Gift=

ködern soll mit behandschuhten Händen geschehen.

 

            Welche Mengen von Wühlmäusen eine Gegend oft bewohnen, zeigt ein Fall in einem

ungefähr zwei Hektar großen Gutspark, in dem ein begeisterter Wühlmausfänger aus rein per=

sönlichem Interesse in einem Sommer, genau nach der vorher geschilderten Fangweise, 272

Wühlmäuse gefangen hat. Er hat dabei eine Anzahl lebend aus den Fangeisen ausgelöst und

ihre Lebensweise in der Gefangenschaft genau studiert.

 

            Zu den natürlichen Feinden der Wühlmaus zählen das gemeine Wiesel und das Herm=

elin, das große Wiesel, und es ist interessant zu sehen, wie der kleine Räuber, das Wiesel, eine

große Wühlmaus schleppt, was man während der Wintermonate oft beobachten kann. Auch

Fuchs, Mäusebussard und Eulen sind Mäusevertilger, und die Wühlmausplage ist bestimmt nur

deshalb so arg geworden, weil man diese Tiere überall schonungslos vertilgt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                       zurück