Ungekürzte Niederschrift.

4 November 1936

 

Hofrat Professor Dr.Gustav Köck berichtet.

 

Vortrag Wirbeltiere.

 

            In dieser höchstentwickelten Gruppe des Tierreiches, die eine große Zahl

von Untergruppen umfasst, enthalten besonders die Untergruppen der Vögel und

der Nagetiere pflanzenschädliche Formen.

 

                                                           Vögel.

            Neben der Anzahl nützlicher Formen (Insektenfresser) gibt es in der Unter=

gruppe der Vögel viele Formen, die als „Pflanzenfresser“ als unbedingt schädlich

für die Pflanzenkultur, beziehungsweise für einzelnen Kulturarten bezeichnet werden

müssen. Eine Anzahl von Formen verhält sich in verschiedenen Alterstufen versch=

ieden, ist zum Teil schädlich, zum Teil nützlich.

 

            Im Einzelnen sei auf folgende Formen hier aufmerksam gemacht:

 

            Die Haushühner schaden besonders durch das Ausscharren von Samen und

jungen Pflänzchen. Daher mechanische Fernhaltung.

 

            Die Tauben schaden besonders an jungen Gemüsepflanzen.

 

            Die Amsel, zum Teil als Insektenvertilger nützlich, schadet aber nicht unbe=

trächtlich durch das Anpicken von Weinbeeren und reifem Obst.

 

            Die Meisen sind zum Teil nützlich als Insektenfresser, verzehren aber auch

mit Vorliebe fette und saftige Früchte (Mohn, Aepfel, Haselnüsse, Hanf, Mandeln u.a.)

 

            Der Sperling (Spatz) verursacht besonders in der Nähe menschlicher Wohn=

ungen – hauptsächlich bei jungen Gemüsepflanzen – Schaden. Empfohlen werden neben

Abschuss, Spannen blauer Wollfäden kreuz und quer über die Gemüsebeete, Aufstellen

von Vogelscheuchen (am besten mit Silberscherben, die in der Sonne glitzern) und An=

bringen von tönernen, künstlichen Sperlingsnestern, die samt der Brut abgenommen wer=

den können. Die Brut ist dann zu vernichten.

 

                                                      Nagetiere.

 

            Bezeichnend für die Formen dieser Untergruppe ist das Nagetiergebiss. An Stelle

der Schneidezähne sind hier sich ständig abnützende und im selben Maße nachwachsende

Nagezähne im Ober= und Unterkiefer. Hinter ihnen folgt eine ziemlich große Zahnlücke.

Die Eckzähne und die ersten Mahlzähne fehlen.

 

            Von besonders bemerkenswerten Formen seien erwähnt:

 

            Die Feldmäuse sind Nager, die in Erdlöchern leben und oberflächlich im Erdboden

wühlen. Sie schaden vorzugsweise durch das Abfressen der Wurzeln und das Annagen

fleischiger Wurzelkörper. Bekämpft werden sie entweder durch das Auslegen von Giftge=

treide (Strychninweizen, Ziliokörner) oder durch Auslegen von Mäusetyphusbazillenköder

(in Mäusetyphuskulturaufschwemmungen getauchte Würfel gerösteten Brotes). Mäusetyphus=

kulturen sind in der Bundesanstalt für Pflanzenschutz (Wien, 2. Trunnerstasse 1) erhältlich.

Durch das Giftgetreide sind auch andre Haustiere (Hühner usw.) gefährdet, während Mäuse=

typhus für andre Tiere ungefährlich ist.

 

            Die Wühlmaus (Schermaus), durch ihre Größe und durch den kurzen Schwanz von

der gewöhnlichen Feldmaus leicht zu unterscheiden, ist besonders dem Obstbau gefährlich.

Sie wirft Erdhaufe auf, die flacher und grobscholliger sind als die des Maulwurfes. Sie frisst

an Obstbaumwurzeln bis auf das Holz, aber auch an Gemüse (Möhren, Sellerie, Petersilie

u.a.m.) Bekämpfung durch Auslegen von Giftködern (Arsen, Zeliopaste) oder Fang mittels

eigener Fallen (eiserne Zangenfalle).

 

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            Der Feldhase schadet durch Schälen der Rinde an Obstbäumen (besonders jungen

Aepfelbäumen) und verschiedenen Ziersträuchern. Sicheres Mittel ist das Umgeben der

Bäume mit Latten= oder Drahtzaun.

 

            Das Kaninchen. Schaden und Bekämpfung wie beim Feldhasen

 

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                                               Schlussbemerkungen.

 

            In vierundzwanzig, im Rahmen der Siedlerkurse veröffentlichten Vorträgen wurde

versucht, in großen Zügen einen allgemeinen Ueberblick über die Ursache die Kennzeichen

und die Bekämpfungsmöglichkeit der wichtigsten für den Kleingärtner und Siedler in Betracht

kommenden Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschädigungen zu geben. Der nur beschränkt für

diesen Stoff zur Verfügung gewesene Raum hat es nicht gestattet, die einzelnen Krankheiten

und Schädigungen eingehender zu beschreiben. Eine Anzahl der in Betracht kommenden Krank=

heiten und Schädlinge wurde schon in einzelnen Aufsätzen in diesem Blatt ausführlich be=

spochen. Eine derartige eingehendere Behandlung einzelner Krankheiten und Schädlinge der

für den Kleingärtner und Siedler wichtigen Kulturpflanzen soll auch weiterhin folgen.

 

                                               (Schluss der Vortragsreihe)

 

 

 

 

 

 

 

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